Bamberg
Bildung

Die VHS stößt ein großes Thema an

"100 Jahre Demokratie in Bayern - 100 Jahre Bamberger Verfassung" heißt das aktuelle Leitmotiv der städtischen Volkshochschule.
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Blick über den Kanal auf das Alte E-Werk, in dem die städtische VHS zu Hause ist.  Archivfoto: Barbara Herbst
Blick über den Kanal auf das Alte E-Werk, in dem die städtische VHS zu Hause ist. Archivfoto: Barbara Herbst
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"Diese Jahr haben wir ein Jahr der Jubiläen! Wir feiern 70 Jahre Grundgesetz und 100 Jahre Bamberger Verfassung", freut sich Bambergs Zweiter Bürgermeister Christian Lange (CSU) und spricht zum voll besetzten Saal der Volkshochschule Bamberg-Stadt in der Tränkgasse. Denn schließlich läutet die VHS das neue Semester ein und bringt die aktuelle gesellschaftliche Debatte in die Mitte des Programms: "100 Jahre Demokratie in Bayern - 100 Jahre Bamberger Verfassung".

Gerade in der aufgeladenen Zeit ist die Bewahrung der Demokratie ein großes Thema, erläutert Lange. "Da tut es gut zu wissen, dass die Verfassung und der Rechtsstaat hier in Bamberg ausgearbeitet wurden", fährt er fort. Er ermuntert die Zuhörer, mit aller Kraft und von Herzen sich dafür einzusetzen, dass die Teilhabe aller Menschen am politischen Geschehen als zentrales Element erhalten bleibe.

"Sie erwartet dieses Semester wie gewohnt ein qualitativ hochwertiges Programm", betont die Leiterin der Volkshochschule, Anna Scherbaum. Konkret stehen den Teilnehmern 779 Kurse, 153 Führungen, 56 Vorträge und Veranstaltungen sowie sieben Studienfahrten und zwei Studienreisen offen. Von Sport über Sprachen bis gesellschaftliche Teilhabe. "Joachim Gauk sagte einmal, die Volkshochschulen seien Werkstätten und Lernorte der Demokratie", zitiert Scherbaum. Diese Ansicht solle im Schwerpunktthema des Frühjahrssemesters konkret erfahrbar werden. Dabei soll das Thema nicht isoliert im Raum stehen: "Wir wollen das Thema in politische, soziale wirtschaftliche und auch kirchliche Perspektiven einbetten", erklärt die Leiter der Volkshochschule.

Ein breites Spektrum, dass in der Geschichte verankert ist. Schaut man auf Oberfranken, dann ist das wesentlich mehr als nur ein Regierungsbezirk. Das sind Sprache, Menschen und Kultur. Und das Land an sich. Stichwort: Genussregion Oberfranken - Land der Brauereien.

Wie aus Oberfranken ein Land wurde und warum es nicht nur Region ist, stellte Professor Martin Ott vom Institut für Fränkische Landesgeschichte in Thurnau in seinem Festvortrag klar. Er gab Einblick in seine Forschungen am Institut, das in Zusammenarbeit zwischen den Unis Bamberg und Bayreuth entstand, die sich unter anderem mit dem Strukturwandel über die vergangenen zwei Jahrhunderte befasste. Denn seit 1838 besteht das oberfränkische Territorium, mit Ausnahme vom Coburger Land, das erst durch Abstimmung nach dem ersten Weltkrieg dazu kam.

Gemeinsame Kultur

König Ludwig I. von Bayern teilte damals sein Reich neu ein und löste die alten, noch nach Flüssen benannten Kreise auf. "Hier sollte eine Identität geschaffen werden, die auf gemeinsamer Kultur ruht", beschreibt Ott die Überlegungen des damaligen Herrschers. Oberfranken zeichne sich durch seine gemeinsamen Herausforderungen aus: Zum einen die Vielfalt der Industrien - egal ob Webereien, Töpfereien oder Bergbau - die schon früh mit der Welt drum herum verbunden waren. Obendrauf der Fleiß seiner Bewohner trotz widriger Umstände erfolgreich zu sein. Auf der anderen Seite gesellte sich aber auch die gemeinsame Erfahrung als Grenzregion wieder. Erst in der Zeit des Nationalsozialismus als Abgrenzung zur Tschechoslowakei und dann in der Nachkriegszeit in direkter Nachbarschaft zum eisernen Vorhang. Ein damals parteiübergreifendes Dauerthema. Bamberg und Bayreuth haben sich natürlich trotz allem herausgehoben: Während der Regierungssitz seinen Bezug zu den Richard Wagner Festspielen festige, hat Bamberg seit 25 Jahren sein Bild als Weltkulturerbestadt selbstbewusst nach außen getragen. "Damit spielt Bamberg auf einem Weltrang mit anderen bedeutsamen Städten und tritt aus Oberfranken etwas heraus", hält der Geschichtsprofessor fest. Mit Blick auf die Veränderung der Erba und der Konversionsflächen im Osten der Stadt hole aber der Strukturwandel die Stadt wieder ein.

Bei so viel Wechselwirkungen zwischen Thema, Land und Leuten darf das wichtigste Bindeglied - die passende Musik - nicht fehlen. David Saam und Carolin Pruy-Popp von der Gruppe Boxgalopp brachten mit Akkordeon und Geige das Publikum zum Singen und Klatschen mit ihren fränkisch-frechen Volksliedvariationen.

Neue Erkenntnisse

"Der Vortrag war gut gemacht und auch für Nicht-Historiker verständlich", findet Roswitha Dicker aus Bamberg. Das Oberfranken durch teils willkürliche Grenzziehungen entstand, sei eine neue Erkenntnis gewesen. Auch für Harald Pappenscheller war es ein interessanter Vortrag. Das Semesterprogramm der Volkshochschule findet er aus zwei Gründen so ansprechend, dass er daran teilnehmen wird: "Zum einen ist der Bezug auf die bayrische Verfassung wichtig", meint Pappenscheller. Darüber hinaus sieht der Zuhörer die freiheitliche Demokratie in Gefahr, sodass das Programm damit ein dringendes Thema aufgreife.

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