Bamberg
Veränderung

Die umstrittenen Sieben - Eröffnung des Bamberger Weihnachtsmarkts

Am Donnerstag ist der Bamberger Weihnachtsmarkt eröffnet worden, der in diesem Jahr um sieben neue Ständen verjüngt wurde. Was Traditionalisten und ausgeladene Händler ärgert, erfreut andere.
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Die finnische Studentin Annette Abracka verkauft in diesem Jahr zum ersten Mal Honig aus ihrem Heimatland. Das sorgt für Zündstoff.  Foto: Barbara Herbst
Die finnische Studentin Annette Abracka verkauft in diesem Jahr zum ersten Mal Honig aus ihrem Heimatland. Das sorgt für Zündstoff. Foto: Barbara Herbst
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Hinter der "Korkfee" Bianca-Maria Seidel ragt ein Berg von Rucksäcken aus Kork hervor. Vor ihr, auf der Auslage ihres Standes, stapeln sich Geldbeutel, Taschen, Untersetzer, Schmuck und auch Weinkorken. "Mich hat fasziniert, was man alles aus Kork herstellen kann", sagt Seidel. Ihr Mann hatte ihr einen Rucksack aus der Zellschicht zwischen Epidermis und Rinde geschenkt. Sie wollte dann noch einen Geldbeutel dazu, recherchierte - und war beeindruckt vom riesigen Korkangebot. Vor einem Jahr eröffnete sie einen Laden im Zinkenwörth, nun ist sie zum ersten Mal am Bamberger Weihnachtsmarkt vertreten.

"Ich bin dankbar für die Chance", sagt Seidel, und fügt hinzu: "Einige haben sich über viele Jahre beworben, erfolglos. Das zeigt doch, dass mein Angebot mal etwas Anderes ist."

Doch nicht jeder Bürger ist mit der neuen Ständepolitik einverstanden. Denn der Markt wurde einer Verjüngungskur unterzogen: Sieben der 64 Händler, die teils seit vielen Jahren ausstellten, wurden in diesem Jahr ausgeladen. Zum Teil erst im August, manche hatten da schon Ware bestellt. Laut Ordnungsreferent Ralf Haupt wolle sich die Stadt "breiter, innovativer aufstellen". Der Weihnachtsmarkt sei kein "Erbhof", auch neuen Bewerbern müsse eine Chance gegeben werden. Zu den Innovationen gehören neben der "Korkfee" unter anderem Stände mit Rapswärmekissen, Keramik und finnischem Honig.

Auf einen Artikel im Fränkischen Tag zum Thema gab es viele Reaktionen. Die meisten Kommentatoren geben sich als Traditionalisten: "Immer alles verändern ist doch doof! Ich fand den Weihnachtsmarkt gut so wie er war", schreibt eine Facebook-Nutzerin, der viele beipflichten. "Finnischer Honig am fränkischen Weihnachtsmarkt? Haben wir in der Region keine Imker, die sich beworben haben?", beschwert sich ein Schreiber. Einen Stand mit Honig aus der Region gibt es allerdings auch in diesem Jahr.

Unter den Kommentatoren sind auch Innovationsfreunde: "Ich mag finnischen Honig ... ich muss nicht an zehn Ständen Kerzen kaufen können", entgegnet ein Nutzer. Den umstrittenen Honig aus dem Norden verkauft Annette Abracka. Die finnische Studentin ist dank ihrem Stand zum ersten Mal in Bamberg, was sie sehr freue: "Es ist so wunderschön hier! Und die Leute sind sehr nett", meint sie. Der Weihnachtsmann heißt auf Finnisch übrigens Joulupukki. Er wohnt mit seiner Frau Muori und vielen Wichteln auf dem Berg Korvatunturi in Lappland.

Doch zurück zur Diskussion um den Maxplatz: Anderen Kommentatoren geht es nicht primär um das Angebot, sie bemängeln andere Faktoren. "Eine Verjüngungskur haben vor allem die Öffnungszeiten nötig. Um 20 Uhr zu schließen, ist eine Schande", meint einer. "Viel zu wenig gemütliche Sitz- und Unterstellmöglichkeiten. Der unromantischste Weihnachtsmarkt, den wir kennen", moniert eine andere. "Mehr Liebe zum Detail bei der Dekoration" wünscht sich ein weiterer Kommentator. "Denn optisch ist das schon lange kein Leckerbissen mehr." Da hilft wohl auch kein innovatives Raclettekäse-Baguette zum traditionellen Glühwein.



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