Bamberg
Vortrag

Die Stadt der Kasernen

Die Kunsthistorikerin Gabriele Wiesemann befasste sich vor vollem Haus mit der wechselvollen Baugeschichte der Bamberger Kaserne.
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Die Kaserne an der Pödeldorfer Straße in einer Luftaufnahme aus dem Jahr 1939 Foto: Stadtarchiv Bamberg
Die Kaserne an der Pödeldorfer Straße in einer Luftaufnahme aus dem Jahr 1939 Foto: Stadtarchiv Bamberg
Vielen Bambergern ist die Lagarde-Kaserne in der Pödeldorfer Straße ein Begriff, doch wohl wenige wissen über deren baugeschichtlichen Hintergrund Bescheid. Dementsprechend groß war auch das Interesse an dem Vortrag der Kunsthistorikerin Gabriele Wiesemann im restlos gefüllten Saal der VHS über jene Kaserne.

Dabei warf die Referentin keinen Blick in die Zukunft, was passieren könnte, wenn die Amerikaner im Jahr 2014 abziehen werden, sondern beschäftigte sich vielmehr mit der historischen Vergangenheit der Bauten. "Bamberg hat als Garnisonsstadt eine lange Tradition. So gab es bereits im 18. Jahrhundert eine Kaserne am Schönleinsplatz", erläuterte Wiesemann.

Im 19. Jahrhundert wurden zudem viele Soldaten und Pferde nach Bamberg verlegt. Daher sei nach der Säkularisation 1803 auch nahezu jedes Kloster in der Domstadt als Kaserne genutzt worden. Erst im Jahr 1860 wurden mit der Koppenhofkaserne eigene militärische Unterbringungsorte gebaut. Eine weitere Kaserne wurde 1870 in der Heiliggrabstraße errichtet.

"1883 wurde zudem vom Kriegsministerium in München angeordnet, eine zusätzliche Kaserne in Bamberg für das 5. Infanterieregiment zu bauen", berichtete die Kunsthistorikerin.

Da die Soldaten für Bamberg ein wichtiger Wirtschaftsfaktor waren, half die Stadt auch aktiv bei der Suche nach einem geeigneten Bauplatz mit. Nach vierjähriger Suche beschloss man, die Kaserne in der Pödeldorfer Straße zu errichten. Allerdings, so betonte Wiesemann, hätte sich der Kauf als schwierig erwiesen, weil es sich bei dem Gelände um viele kleine Grundstücksflächen handelte und einige Gärtner diese nicht verkaufen wollten. Da Bamberg zunehmend unter Druck geriet - denn auch Erlangen hatte Interesse bekundet Soldaten aufzunehmen - wurden 1890 die letzten Felder von ihren Besitzern zwangsenteignet. Sogleich wurde auch mit dem Bau begonnen.

Neben zahlreichen Mannschaftsgebäuden und einem Lazarett wurde auch ein Offizierskasino gebaut. Bereits 1910 wurde die Kaserne erweitert. Neue Anbauten kamen auch in den Kriegsjahren des Ersten Weltkrieges hinzu.

Im Jahr 1917 wurde ferner in Bamberg in der Geisfelder Straße eine Munitionsanstalt (Muna) gebaut. Dort wurde dann bis zum Ende des Weltkrieges ein Jahr lang Kriegsnachschub produziert. Nach Bestimmungen des Versailler Vertrages sollte Deutschland nach Kriegsende entmilitarisiert werden.

Dennoch, so erläuterte Gabriele Wiesemann, sei Bamberg auch weiterhin ein Kasernenstandort geblieben. Selbst die Muna blieb bis auf ein Gebäude, welches zur Schau gesprengt wurde, erhalten. Allerdings ging sie vorübergehend in den Besitz der Stadt über und diente als Produktionsstätte für verschiedene Firmen wie beispielsweise das Unternehmen Messerschmitt. 1934 jedoch wurde die Muna in Bamberg wieder vom Reich übernommen und umfangreich erweitert.

Platz für die 17er Reiter
Doch auch die Infanteriekaserne in der Pödeldorfer Straße wurde erweitert. Denn die 17er Reiter sollten gänzlich nach Bamberg kommen. Für sie baute man im Jahr 1934 die Kaserne erneut um. So wurde in der Zollnerstraße ein Stall errichtet, aber auch im Hof wurden neue Gebäude erstellt. Wann und vor allem aus welchen Gründen die Kaserne in Lagarde-Kaserne benannt worden ist, sei nicht belegt, berichtete die Referentin. Die Anlage wurde amtlich bis 1938 immer als Infanteriekaserne geführt.

Während des zweiten Weltkrieges entstand in Rekordzeit - die Bauzeit betrug gerade einmal ein Jahr - ferner eine Panzer- und Artilleriekaserne in der Zollnerstraße.

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