Bamberg
Gesundheit

Die Spielformen der Medizin

Eine neue Abteilung am Klinikum vereint Schulmedizin mit Naturheilkunde und einem ganzheitlichen Ansatz. Auch Forschung wird betrieben.
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Neuer Chefarzt für Innere Medizin und Gastroenterologie, Naturheilkunde und Psychotherapie ist Jost Langhorst, hier zusammen mit dem Vorstandsvorsitzenden Xaver Frauenknecht im Sportraum der neuen Abteilung im vierten Bettenturm.  Foto: Sebastian Schanz
Neuer Chefarzt für Innere Medizin und Gastroenterologie, Naturheilkunde und Psychotherapie ist Jost Langhorst, hier zusammen mit dem Vorstandsvorsitzenden Xaver Frauenknecht im Sportraum der neuen Abteilung im vierten Bettenturm. Foto: Sebastian Schanz
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Halten nun die Schamanen Einzug ins Bamberger Klinikum? Der Chefarzt der neuen Abteilung für Integrative Medizin und Naturheilkunde, Jost Langhorst, kennt die Vorurteile, die diesen Spielformen der Medizin anlasten. "Da gibt es eine Horde an Heilpraktikern, die den konventionellen Medizinern sagt, wie es geht", sagt er und schüttelt den Kopf: "Das Gegenteil ist der Fall." Die neue Abteilung solle Schulmedizin mit Naturheilkunde und "gesundheitsfördernder Lebensstilmodifikation" vereinen - so wie der neue Chefarzt diese Spielformen der Medizin in seiner Vita vereint.

Der neue Mann, als Gastroenterologe in der Focus-Ärzteliste als "Top-Mediziner" geführt, hat seinen konventionellen Schwerpunkt in der Behandlung entzündlicher Darmerkrankungen. Unter seinem Professor Gustav Dobos arbeitete und forschte er an der Universität in Essen an der optimalen Verbindung schulmedizinischer und naturheilkundlicher Ansätze. Nur in Berlin gab es noch eine ähnliche Einrichtung. Nun wurde in Bamberg eine dritte eröffnet.

"Das ist tatsächlich ein einmaliger Vorgang im deutschsprachigen Raum, dass so etwas bei einem medizinischen Maximalversorger integriert wird", schwärmt Xaver Frauenknecht, Vorstandsvorsitzender der Sozialstiftung. "Ich habe schon viele Angebote bekommen, Chefarzt zu werden, aber nirgends war das Modell so komplett ausgestattet wie hier in Bamberg", gibt Langhorst das Kompliment zurück.

Besonders bemerkenswert: Am Klinikum Bamberg wird eigens eine Forschungseinrichtung eingerichtet, ein Lehrstuhl plus Professur in Kooperation mit der Uni Essen. "Wir haben ein Forschungsteam in Bamberg", sagt Frauenknecht und dankt der Oberfrankenstiftung und anderen Geldgebern. Geforscht wird mit Fokus auf chronische Erkrankungen. Als Beispiel nennt Langhorst etwa im Bereich Diagnostik die Konfokale Endoskopie, bei der einzelne Bereiche im Körper beleuchtet und mikroskopiert werden. Man wolle künftig auch mit der Uni Erlangen zusammenarbeiten, sagt der Vorstandsvorsitzende und spricht von einem "Zukunftsmodell".

Was macht dieses Zukunftsmodell aus? Vom klassischen, schulmedizinischen Standpunkt aus wolle er das ganze Füllhorn an Möglichkeiten ausschöpfen, die es sonst noch gibt, erklärt Langhorst: Wassertherapie von Wickeln bis zu Bädern; Pflanzenheilkunde von Blüten bis zu ätherischen Ölen; Bewegungstherapie vom Ausdauertraining bis zur Bindegewebsmassage.

"Naturheilkunde ist eine ganz alte Form der Medizin, doch durch das Überborden der konventionellen Medizin wurden viele wichtige Aspekte der ganzheitlichen Medizin über den Haufen geworfen", erklärt Langhorst. Die Bevölkerung habe sich diese Formen der Medizin aber behalten und nutze sie. Die Kombination mache den Reiz aus in der neuen Abteilung.

Akupunktur und Schröpfmassagen, lokale Wärmeauflagen und moderate Hitzebehandlung sollen ebenso zum Einsatz kommen, wie tierische Kollegen: Blutegel bitten Patienten im Auftrag der Medizin zum Aderlass. Gruselig, aber hilfreich im Kampf gegen Venenerkrankungen im Beinbereich oder Arthrosen.

Die Ernährung spielt freilich auch eine besondere Rolle. Dafür wird in einer eigenen Küche auf der Station Vollwertkost gekocht oder auch tiefgekühlt aufgewärmt: gemüsebasiert, mediterran, leicht bekömmlich, mit wenig Fleisch und wenig Fisch. Auch Suppen für das Heilfasten werden hier zubereitet.

"Ein zentraler Bestandteil unseres Konzeptes ist die Ordnungstherapie", erklärt der Chefarzt. Der gesamte Lebensstil des Patienten wird auf Themen wie Bewegung, Stress und Ernährung abgecheckt. Das ist der ganzheitliche Ansatz.

Für all das vervollständigt der Chefarzt gerade ein interdisziplinäres Team aus sechs Fachärzten, Ökotrophologen, Sportwissenschaftlern, Psychologen, Pädagogen, Pflegekräften und Physiotherapeuten.



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