Bamberg
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Die schnelle Nummer im Bamberger Rathaus

Gut vier Monate gibt es das Rathaus am ZOB "Ratz". Ist es wirklich so bürgerfreundlich, wie die Stadt behauptet? Das Echo ist eindeutig zweideutig.
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Rätsel im "Ratz": Wofür stehen die Buchstaben, wofür die Nummern?  Fotos: Michael Wehner
Rätsel im "Ratz": Wofür stehen die Buchstaben, wofür die Nummern? Fotos: Michael Wehner
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25 Minuten hat es gedauert, dann ist die Nummer I 332 dran. Eine Frau mit gelber Jacke und sichtlich genervtem Gesichtsausdruck geht um die Ecke zum Schalter 10, um ein Führungszeugnis abzuholen: "Früher in der alten Infothek waren die Schlangen kürzer", sagt sie leise, aber dennoch gut hörbar. Die Rathausmitarbeiterin nickt. Sie hat diese Form der Kritik offenbar schon öfter gehört: "Das finden auch wir. Aber leider sind wir hoffnungslos unterbesetzt."

Ein normaler Werktag im November um 14.30 Uhr. Gut vier Monate ist es her, dass mit einem Bürgerfest und großen Hoffnungen das Rathaus am ZOB, in Bamberg auch Ratz genannt, eröffnet wurde. Über acht Millionen Euro hat die Stadt in das neue Gebäude gesteckt, es sollte eine neue Stufe der Bürgerfreundlichkeit einläuten - mit "ausgeklügeltem Besucherleitsystem" und einer Vielzahl von kommunalen Dienstleistungen.

Mittlerweile ist die Euphorie verflogen. Der Ärger mit einer Stolperschwelle am Eingang, der langsamen Drehtür und einer bis heute aus Sicht vieler Mitarbeiter nicht richtig temperierten Heizung sind dabei nur die erwartbaren Kinderkrankheiten. Schwerer wiegt die Kritik am Grundsätzlichen: die von manchen als unpersönlich empfundene Fließbandabfertigung und lange Wartezeiten.

Zum Beispiel Alfred Heller, (70). Der ehemalige Justizvollzugsbeamte erinnert sich nur äußerst ungern an den Versuch, im brechend vollen Ratz zwei Biomüllsäcke zu erstehen. Was in der alten Infothek eine Kleinigkeit war, wurde zum bürokratischen Canossagang:. "Keine zehn Pferde bringen mich mehr in das Bürgerrathaus. Lieber lasse ich meinen Pass ablaufen." Dabei ist der Frust über das Ratz nicht nur bei Älteren verbreitet, die das Nummernziehen möglicherweise zu kompliziert finden. Auch Jüngere haben bereits Schlüsselerfahrungen gemacht, die sie nicht wiederholen wollen: "Zwei Stunden Wartezeit für einen Reisepass haben mit Bürgerfreundlichkeit nichts mehr zu tun", schreibt ein Vater von vier Kindern an die Stadtverwaltung.

Dort gibt man sich durchaus selbstkritisch: "Wir hatten bedingt durch Urlaub und Krankheiten im Sommer einen extremen Personalengpass. Zeitweise konnten wir von sechs Schaltern nur zwei besetzen", erklärt Ulrike Siebenhaar, Sprecherin der Stadtverwaltung. Ralf Haupt, Sozialreferent, erinnert an objektive Verbesserungen: Das neue Rathaus sei besser erreichbar und "ein Quantensprung" gegenüber dem Rathaus Geyerswörth. Man muss wissen: Im alten Sozialamt gab es keine Aufzüge und der gepflasterte Innenhof stellte für manche eine kaum zu überwindende Hürde dar.

Andererseits ist Haupt klar, dass der "Lernprozess" im Ratz noch andauert. Kritisch sieht er vor allem die Belegungsdichte im Haus, die anders als in den ursprünglichen Plänen auch noch die Serviceeinrichtungen von Stadtwerken und Stadtbau umfasst: "Was früher auf zwei Ebenen stattfand, drängt sich jetzt auf einer."

Noch deutlicher wird Bernd Bauer-Banzhaf. Der Datenschutzbeauftragte der Stadt bemängelte bereits zur Eröffnung des Ratz im Juli, dass durch die offene Anordnung der Schalter die nötige Vertraulichkeit bei sensiblen Themen nicht gegeben ist. Wenn die Leute wie die Heringe in der Büchse stünden, bleibe der Datenschutz auf der Strecke. "Das Grundproblem ist, dass zu viele Dienststellen und auch Tochtergesellschaften im Rathaus untergebracht worden sind. Dadurch hat sich die datenschutzrechtliche Situation verschärft."

Doch wie sind künftig Entzerrungen möglich, wenn das Haus mit 150 Mitarbeitern schon heute aus allen Nähten platzt? Sozialreferent Ralf Haupt spricht davon, dass das Ausländeramt vielleicht wieder zurück ins Rathaus Maxplatz kommt. Es wäre die zweite Verlagerung dieser publikumsintensiven Behörde binnen weniger Monate, gewissermaßen ein Rückzug aus praktischen Erfahrungen.

Doch manches scheint in Bamberg auch Gewöhnungssache. Auf eine diese Woche veröffentlichte Umfrage zur Kritik an den langen Schlagen und dem Nummernsystem im Ratz erhielt die Redaktion auf ihrer Facebookseite im Wesentlichen positive Antworten. Wie die von Peter H.: "Das Nummernsystem ist gut durchdacht. Hier gibt es nichts auszusetzen. Die Wartezeit bewegt sich im normalen Bereich."

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