Drosendorf
Hobby

Die Schatzsucher der Neuzeit

Kein Weg ist zu weit, kein Rätsel zu schwer, wenn sogenannte Geocacher auf der Suche nach dem großen Fund sind.
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Wo die herkommen, gibt es noch viel mehr: Eberhardt Pfänder alias "Kavau-Fo" hat schon über 50 000 sogenannte Coins gesammelt.Tobias Hupfer
Wo die herkommen, gibt es noch viel mehr: Eberhardt Pfänder alias "Kavau-Fo" hat schon über 50 000 sogenannte Coins gesammelt.Tobias Hupfer

"Komm, ich zeig dir mal den Geocache, der in der Nähe versteckt ist", sagt Christian Eschrich alias "VIPtrollie" und geht los. Auf der nächsten Kreuzung holt er sein Handy hervor, öffnet eine App. Grüne, orange und blaue Punkte sind darauf verteilt - Caches, die der Drosendorfer schon gesammelt hat. "Hier müsste er irgendwo sein", weiß er. Zeit zu suchen: Rund um den Baum in der Mitte der Wiese? Nichts. Unter dem Felsbrocken daneben? Keine Spur. Am Straßenschild? Auf den ersten Blick wieder nichts. Dann plötzlich: "Da, schau mal", sagt Christian Eschrisch, und zieht aus dem Schild eine kleine Schiene hervor. Darin befindet sich das Logbuch - darin trägt man sich mit seinem Namen und dem Datum der Reise ein. Einer Reise, für die Geocacher nicht selten lange Strecken auf sich nehmen, und die gefüllt ist mit Geheimnissen und magischen Momenten.

"Der Weg ist das Ziel"

Geocaching, auch GPS-Schnitzeljagd genannt, ist ein Art Schatzsuche. Die Verstecke - Caches - werden anhand geografischer Koordinaten im Internet veröffentlicht, heißt es auf Wikipedia. Und zu lesen ist dort auch, dass ein Geocache in der Regel ein wasserdichter Behalter ist, in dem sich ein Logbuch sowie häufig auch kleine Tauschgegenstände befinden.

Gleichwohl: Wenn er lange sucht nach diesem einen, kleinen Objekt, sich durch das Dickicht schlägt, hin- und herstapft, bis sich der Wald schließlich öffnet, dann ist das für "VIPtrollie" ein magischer Moment. Wenn er plötzlich auf einer Anhöhe steht und auf das Tal vor ihm hinabblickt, wo er vor ein paar Stunden noch gestanden und gesucht hat, dann ist es das, was Geocaching für ihn ausmacht: "Das schönste ist, wenn du an Orte kommst, die du sonst niemals gesehen hättest", schwelgt "VIPtrollie" - ein Name, den sich Eschrich vor langer Zeit ausgedacht hatte. Im Bezug auf ein Videospiel, wie er verrät.

Jeder Geocacher hat sein eigenes Pseudonym im Internet, mit dem er registriert ist. Der ganz eigene Abenteurername, wenn man so will. Bestenlisten gibt es auch, wo die Caches der Sammler aufgezählt sind. Aber das ist Nebensache, für Eschrich zählen nicht die gefundenen Schätze oder die Punkte auf irgendeiner Liste. Für ihn zählt die Reise, denn "der Weg ist das Ziel", so der Drosendorfer.

Und vor allem zählen die Menschen, mit denen er sein Hobby teilt. In seiner Heimatstadt hat er im Laufe der Zeit eine kleine Gemeinschaft an Geocachern aufgebaut, die sich dort alle zwei Monate zum gemeinsamen Essen trifft. Die Gespräche unter ihnen sind ausgelassen. Sie tauschen sich aus, geben sich Tipps und unterhalten sich - natürlich auch über Geocaching.

Rettung des Alltags

Dort ist auch "Lady Mila". Bürgerlich heißt sie Michaela Fischer, doch seitdem die Coburgerin auch unter diesem Namen bekannt ist, hat sich viel geändert in ihrem Leben. Denn bevor sie das Geocaching entdeckte, war sie unzufrieden, halbtags auf der Arbeit und in ihrer Freizeit meistens am PC: "Ein ziemlich eintöniger Alltag", erinnert sich Fischer und schmunzelt, "Ich wollte nicht, dass es so weitergeht. Ich wollte raus".

Die Lösung brachten dann ihre Kinder: An einem Tag wollten sie zum Geocaching und fragten, ob sie mitgehen wollte. Neugierig, was wohl dieses Geocaching sein mag, ging sie mit, suchte ihre ersten Schätze und war sofort angefixt. Prompt kaufte sie sich Wanderschuhe, installierte die Geocaching-App, in der alle Schätze mitsamt Koordinaten eingezeichnet sind, besorgte sich sogar Kletterausrüstung für die wirklich schweren Brocken, wie Fischer sagt. Die Verstecke, die mit einer Schwierigkeit von fünf Punkten bewertet sind.

An manchen von ihnen biss sich die Coburgerin so die Zähne aus, dass sie schließlich aufgeben musste. "Manche Owner (das sind Personen, die die Schätze legen; d. Red.) sind wirklich rotzfrech", meint Michaela Fischer und lacht. Scheinbar sei es für manche Cacher fast ein Genuss, Objekte zu verstecken, die nahezu unmöglich zu finden sind. Aber genau das macht die Herausforderung aus. Dadurch wird der Drang größer, den Cache zu finden. Und auch der Stolz, wenn er endlich entdeckt ist. Nach dem Treffen in Drosendorf geht es für "Lady Mila" direkt weiter nach Würzburg. Dort hat sie schon einen neuen Cache auf der Karte ausgemacht, den sie noch nicht gefunden hat. Nicht mehr lange, hofft sie.

Der "Coin-Weltmeister"

Eine ganz andere Aufgabe hat sich Eberhardt Pfänder alias "Kavau-Fo" gestellt. Sein Sammeltrieb zielt nicht danach, möglichst viele Logbücher zu unterzeichnen. Ihm geht es darum, so viele "Coins" wie möglich zu sammeln. Der Forchheimer (dafür steht das "Fo" in seinem Nutzernamen) greift in seine Tasche und zeigt, was Coins beim Geochaching sind: Anhänger, Medaillen, kleine Taler. Sie funkeln zwischen seinen Fingern. Seine ganze Hand ist voll mit diesen Gegenständen. In der Tasche befinden sich noch mehr. Und bei ihm zuhause wohl noch mehr Coins.

"Eberhardt ist unser Coin-Weltmeister", scherzt Christian Eschrich und klopft ihm auf die Schulter. Vielleicht ist "Kavau-Fo" tatsächlich Weltmeister im Coin-Sammeln, obwohl das bei den Geocacher-Treffen in Drosendorf stets als Spaß gemeint ist. Vielleicht gibt es ja gar keinen offiziellen Coin-Champion, denn die Gegenstände werden auf keiner Bestenliste aufgeführt.

50 000 Coins

Fakt ist aber, dass Eberhardt Pfänder bis jetzt rund 50 000 Coins gesammelt hat. An einem Anhänger baumelt ein kleines Bändchen mit einer Anschrift: "Mönchengladbach". Zusammen mit einem Foto der Person, die den Coin gelegt hat. Fremde für die meisten Besitzer der Talismane, aber trotzdem auf eine gewisse Weise vertraut. Wer ihn hat, bringt den Gegenstand an den Ort, der für ihn vorgesehen ist. Oder sammelt und tauscht die Schätze auf Treffen, die regelmäßig in Deutschland stattfinden. Dort ist auch Eberhardt Pfänder Stammgast.

Einen Großteil seiner Coin-Sammlung hat der Rentner von diesen Events, die bisweilen Größen von 5000 Besuchern erreichen. Die Treffen bieten allerdings weit mehr als nur die Möglichkeit, die Sammlung zu erweitern. Der Austausch mit anderen Cachern, neue Menschen kennenlernen, sich mit ihnen über ein Thema unterhalten, was sie alle verbindet. Das ist für "Kavau-Fo" das, was Geocaching besonders macht. Und auch für "VIPtrollie oder "Lady Mila", und alle anderen Cacher, die sich in Drosendorf getroffen haben.

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