Bamberg
Mobilität

Die Reifenprüfung - E-Scooter im Test

Seit Freitag dürfen in Bamberg E-Scooter am Straßenverkehr teilnehmen. So schlägt sich das Gefährt in der Langen Straße, auf Kopfsteinpflaster und am Domberg.
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Kurz antreten, den Gashebel runterdrücken und schon zischt er los, der E-Scooter. Schnell ist die Höchstgeschwindigkeit von 20 Kilometern pro Stunde erreicht und ein kindliches Grinsen macht sich breit, obwohl der Regen ins Gesicht peitscht. Die Balance ist rasch gefunden, erste Schwungversuche schicken mich gedanklich in den Surfer-Kurzurlaub.

Der erste Bremstest lässt allerdings auch nicht lange auf sich warten: Im Kreisverkehr am Wilhelmsplatz unterschätzt ein Autofahrer die Geschwindigkeit des elektrischen Tretrollers. Die Bremsen ziehen unerwartet stark, ein kurzer Drift, aber der linke Fuß ist schnell am Boden, um auszubalancieren. Urlaub vorbei. Zurück im hektischen Bamberger Stadtverkehr.

An diesem dürfen die E-Scooter seit Freitag dank einer Sondergenehmigung teilnehmen. 15 Tüv-geprüfte Elektro-Roller sind in der bundesweit ersten Testphase im Einsatz, sechs Wochen lang. "Nach Wien und Paris wollten wir den Einsatz auch einmal in einer kleineren Stadt testen", erklärt Hanya Riedl, Projektleiterin bei der Herstellerfirma Bird. "Und Bamberg hat ja auch ein sehr gut ausgebautes Radwegenetz." Das sieht bekanntermaßen nicht jeder in der Domstadt so wie Riedl.

Zwischen den Spuren

In der Friedrichstraße endet der Radweg. Auf diesen sollen die E-Scooter fahren. Wenn es keinen gibt, dürfen sie auch auf die Straßen, Gehwege sind tabu. Als ich auf dem kleinen Elektrogefährt am Schönleinsplatz an die Ampel vorfahre, während die Autofahrer rechts und links eng an mir vorbeiziehen und mit ihren Reifen die Regenpfützen auf meine Hose spritzen, wird mir so mulmig, dass ich zum ersten Mal die Geschwindigkeit drossle. Nach der Kreuzung dann der Verkehrshärtetest: die Lange Straße.

Ein Blinker wäre hilfreich

Beim ruckligen Übergang von der Bordsteinkante auf die Straße bleibt das Gefährt erstaunlich stabil. Der nervöse Fahrradfahrer vor mir bremst, ich notgedrungen ebenfalls, während links neben mir ein Auto immer wieder zum Überholen ansetzt, es dann aber doch bleiben lässt, bis die kurze Baustelle und die endlose Nervosität vorbei sind. Dem Gefährt fehlt ein Blinker!

Mit weiten Schwüngen geht es über die Untere Brücke. Faszinierte und neidische Blicke der Kinder, skeptische und empörte der Erwachsenen. Der erste Kontakt der kleinen Reifen mit nassem Kopfsteinpflaster schüttelt Beine und Arme durch, bis der Kiefer klappert.

Immerhin: Der Roller rollt unbeirrt weiter ohne zu rutschen. Enttäuschend: Den Domberg schafft er nicht. Bergauf schiebend merkt man erst, wie schwer das Gefährt ist. An Bambergs Wahrzeichen vorbei und die Residenzstraße hinunter fühlt sich der Fahrtwind im Gesicht nach mehr als 20 Stundenkilometern an. Über die Sandstraße zurück, an der Luitpoldbrücke runter zum Kanal. Wenn, dann gehört der E-Scooter hier hin. Mit Vollgas am Fluss entlang wird kindliche Freude geweckt, und Distanzen lassen sich mit mehr Spaß und wohl auch schneller überbrücken als mit Auto oder Bus.

Das ist auch das Ziel des Projekts: "Die E-Scooter sind Teil eines neuen Verkehrskonzepts. Wir wollen den Umstieg vom Auto erleichtern", sagt Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) auf dem Pressetermin, während Medienvertreter von BR bis ZDF die angetretenen Würdenträger auf die Tretroller drängen, für noch eine weitere Aufnahme, weitere Fotos, weitere Statements.

Statements wie das von Jonas Lindner, der den E-Scooter als einer der ersten nun eine Woche lang testen darf und ihn privat wie beruflich so oft wie möglich nutzen will: "In Barcelona habe ich vor zwei Jahren schon einen ausprobiert. Als Tourist ist das genial! Man sieht mehr von der Stadt."

Wobei es wohl darauf ankommt, was man von der Stadt so sehen will. Und wie oft man es wagt, den Blick vom Verkehr zu nehmen.

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