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Itzgrund
Infranken trifft (12)

Die Ponderosa im Wiesengrund

Grün gibt es in Überfülle, Fachwerk auch. Bodelstadt ist uralt und doch quicklebendig, wozu nicht zuletzt 50 Pensionspferde eines Reitstalls beitragen.
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Andreas Liebermann mit Pony Pete Fotos: Barbara Herbst
Andreas Liebermann mit Pony Pete Fotos: Barbara Herbst
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W as kann man da schon finden?, dachte man ein bisschen arrogant, als der Infran-ken-trifft-Pfeil im Itzgrund einschlug. Bodelstadt? Ach ja, das liegt nah am Städtchen Seßlach. Und nah am Radler-Highway zwischen Bamberg und Coburg. Etwa 40 Kilometer weitgehend flacher Radweg, das hat man nicht oft.
Aber sonst? 55 Einwohner, einige schöne Fachwerkhäuser sieht man auf der Fahrt zum Einschlagsort, einem abgeernteten Maisfeld. Schöner Ausblick im flirrenden Sommerglast die grün bewachsene Itz entlang, linker Hand liegt die Silhouette Kaltenbrunns. War da nicht etwas? Richtig, Kaltenbrunn war mal berühmt als Heimat eines Serienmörders. Doch das ist lange her, und der Ort kann nichts dafür. Dennoch schwer vorstellbar, dass in diesem Idyll aus Grün und Blau, aus Wiesen, Büschen und mählich mäandernden Flüsschen - die Rodach mündet bei Bodelstadt in die Itz - sich so schreckliche Taten ereigneten. Taten, von denen die Verfasser langweiliger Heimatkrimis fantasieren.


Große Ferien, viel Arbeit

Doch ist da nicht Motorengeräusch zu hören? Hoch oben, halb verdeckt durch Gebüsch, steht ein Gebäudekomplex. Oskar-Schramm-Schule Bodelstadt verrät ein Schild mit der Nachricht, dass die einst eine der modernsten Bayerns gewesen sei. Vor der einst hoch modernen Schule steht ein Mann und arbeitet mit der Motorsense. Erwin Zillig ist es, der in den großen Ferien sich ungestört der Pflege dessen widmet, was er "grüne Hölle" nennt. Der 56-Jährige ist so etwas wie der gute (Haus-)Geist der Schule. Neben diversen Pflegearbeiten obliegt ihm auch der Fahrdienst: Etwa 100 Kinder müssen aus den Ortsteilen abgeholt und wieder zurückgebracht werden. Zillig ist ein reflektierter Mann, den umtreibt, dass er nach 45 Jahren Einzahlung immer noch fast sieben Jahre bis zum Rentenbeginn warten muss, während Parlamentarier nach zwei Amtsperioden bereits eine schöne Pension genießen dürfen. "Schreiben Sie das!" Was hiermit geschehen ist, denn der Mann hat recht.
Im Inneren der Schule rumort es. Auch da sind fleißige Geister am Werk. Das heißt, Geister sind es nun gerade nicht, sondern zwei fröhliche Damen, die Stühle, Tische, ganze Klassenzimmer auf Hochglanz bringen. Großer Hausputz, sagen sie. Da will man nicht weiter stören und wechselt wieder ins Freie. Ein Man in Black läuft schwitzend zur Itz hinab. Dieter Scherbel, zurzeit urlaubend, kennt ein Zitat des deutschen Klassikers Johann Gottfried Herder: "Der Itzgrund, dieses bezaubernde Wiesental, ist die schönste Gegend der Welt!" Vielleicht ein bisschen übertrieben, aber schön ist es hier schon. Überhaupt ist die Region eine geschichtsträchtige: Im Jahre 788 wird unser Bodelstadt als erster Itzgrund-Ort in einer Urkunde des Klosters Fulda erwähnt. Das war zu Beginn der fränkischen Expansion - die Ortsnamen auf -tz verraten slawische Besiedlung. Wenn auch ein Historiker die damaligen Franken "grimmige Marodeure" und "wilde Krieger" nannte.


Wo Charles auf Suleika trifft ...

Historisch anmutig wirkt das Dörfchen immer noch. Viel Fachwerk, alte Steinsockel - und ein Reitstall. Wer weiß, vielleicht stand schon zur Zeit Karls des Großen hier ein Gehöft. Der freundliche Betreiber Andreas Liebermann, ein junger Mann von 32, zeigt gern sein stattliches Anwesen, das er mit Frau, Schwester, Schwager und Mutter betreibt. 50 Pensionspferde bevölkern tagsüber Weiden und nachts Boxen. Was bedeutet, dass die Besitzer ihre Tiere hier unterstellen und die Reitstall-Besitzer kümmern sich um (fast) alles: Füttern, Ausmisten, Tierarzt, falls nötig. Drei Katzen gehören zur Belegschaft und Rex V., der sich über den Besuch sichtlich freut. Aus dem früheren Milchviehstall wurde eine Reithalle, aus der Scheune Boxen, Sattelkammer und Reiterstübchen inklusive. 14 Hektar Grünland bewirtschaften die Liebermänner. Andreas schafft das alles im Nebenerwerb. Früher war's noch hektischer, erzählt er, da wurden zwei Reitlehrerinnen beschäftigt für bis zu 100 Reitschüler(innen). Denn meistens sind es Mädchen, die ihre Pferde hier unterbringen, "die zicken sich schon mal an" (die Mädchen, nicht die Pferde). Sehr zutraulich sind die Stuten und Wallache, an Menschen gewöhnt. Hengst Jack darf nicht mit auf die Weide. Er ist zwar auch ganz lieb, würde aber zuviel Unruhe stiften. Aragon und Charles, Suleika, Amelie und Sparky heißen die gut gepflegten Tiere, die neugierig den Besuch beschnuppern. Das gescheckte Pony Pete ist naturgemäß der Liebling der dreijährigen Tochter ... Andreas Liebermann verrät noch, dass er bis vor kurzem in der Landesliga spielte. Dieses 55-Einwohner-Dorf muss ein Biotop für gute Fußballer sein, denn Torsten Oehrl stammt von hier, worauf Leser Stefan Geng hinwies. Oehrl spielte in der Bundesliga bei Werder Bremen und kickt zurzeit in der Zweiten von Bayern München. Sein Elternhaus, schönes Fachwerk auf Steinsockel, ist ein paar Meter vom Reitstall entfernt.
Gleich gegenüber steht die Stadthalle, von der jugendliches Gekichere schallt. Luisa und Rabea aus Untermerzbach treffen sich hier mit Benedikt. Der muss sich schon von auswärts Gesellschaft holen, denn viele Altersgenossen hat der junge Bodelstädter nicht! Lebe wohl, Bodelstadt, du Zierde des Itzgrunds!

Am kommenden Dienstag begleiten Sie Reporterin Natalie Schalk in Leutenbach.

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