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Bamberg
Corona-Krise

382 Kontrollen, 12 Anzeigen: Mit der Polizeistreife in Bamberg unterwegs

Informieren und kontrollieren: Wie die Polizei in Bamberg die Ausgangsbeschränkungen durchsetzt. Ein Streifengang mit drei jungen Polizisten.
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Eine von 382 Kontrollen an diesem Tag: Die Polizei ist im Hain im Anmarsch. Foto: Julian Megerle
Eine von 382 Kontrollen an diesem Tag: Die Polizei ist im Hain im Anmarsch. Foto: Julian Megerle

Die Sonne wirft ihre Strahlen durch die Bäume. Das Grün sprießt immer mehr und der Chor des Vogelgezwitschers macht klar: Jetzt ist Frühling! 18 Grad stehen auf dem Thermometer und eine angenehme Brise weht durch den Hainpark. Beste Bedingungen, um eine Runde spazieren zu gehen und die Sonne zu genießen.

Doch die unbeschwerte Lage trügt: Seit einer Woche gelten nun die Ausgangsbeschränkungen für den Freistaat, um das Coronavirus einzudämmen. Am Vortag präsentierte die Landesregierung den Bußgeldkatalog im Zeichen der Krankheitseindämmung. 150 Euro fallen an, wenn man den vorgeschriebenen Abstand von 1,50 Meter zur nächsten Person nicht einhält oder ohne triftigen Grund wie zum Beispiel Spazierengehen oder Lebensmitteleinkauf das Haus verlässt.

 

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Um sich ein Bild von der Lage zu machen, geht die Polizei vor Ort zusammen mit der Bereitschaftspolizei auf Streife durch die bayrischen Städte. Unterwegs mit drei jungen Polizisten von einer Abteilung aus Nürnberg, die nach Bamberg entsandt wurden, zeigt sich, wie die Menschen mit der Situation umgehen.

Der Kies knirscht unter den Polizeistiefeln, als die Beamten im gemütlichen Tempo durch die weitläufige Parkanlage gehen. Als die Gruppe auf ein junges Pärchen zusteuert, das Arm in Arm ins Grüne schlendert, wird nach kurzem Gespräch klar: Beide Lebenspartner sind nicht in der gleichen Wohnung gemeldet. Das heißt: Erstmal werden die Personalien aufgenommen.

Sichtlich irritiert auf Distanz

"Ich wusste nicht, dass wir beide auch in der Öffentlichkeit Abstand voneinander halten müssen", meint der junge Mann zu den Polizisten. Sichtlich irritiert gehen die beiden Leute auf Distanz. Schließlich gehe es auch um den Vorbildcharakter, dass alle Menschen den Sicherheitsabstand einhalten müssen. Fürs Erste bleibt es aber bei der Verwarnung. Sollte das Paar noch einmal erwischt werden, würde es nicht mehr um das Bußgeld herumkommen.

"Wir stehen voll hinter den Maßnahmen", erklären Jochen und Frederike. Das Ehepaar aus Bamberg schätzt das "freundliche, aber bestimmte Auftreten der Polizei". In Zeiten von Corona hätten aus ihrer Sicht Polizeikräfte und auch die Presse ein Lob für ihre Arbeit verdient.

Und einen Hinweis haben die beiden Bamberger auch parat: Angeblich haben sich gleich mehrere Familien in einem anderen Teil des Parks getroffen und sitzen beieinander.

Keine bedingungslose Härte

Die drei Beamten setzen sich nun flotter in Bewegung. Und tatsächlich: Drei Elternpaare sowie sechs Kinder sitzen zusammen und unterhalten sich. Die Polizisten erklären ruhig die Lage. Allein Sport machen und spazieren gehen sei in Ordnung. Das gemeinsame Verweilen ist jedoch nicht drin.

"Ich hätte erwartet, dass wir als Familie zusammensitzen dürfen", meint einer der Väter. Die Polizeibeamten sind noch mal gnädig, und so bleibt eine Ordnungswidrigkeitenanzeige erst mal aus. Mit den Personalien der Erwachsenen im Gepäck geht es weiter auf den Rundgang durch die Anlage.

Man bekommt den Eindruck: Auch wenn seit einer Woche die Regelungen in Bayern gelten, sind die Polizeikräfte verständnisvoll dafür, wenn die Menschen die Vorgaben noch nicht gänzlich verstehen oder nachvollzogen haben. Es scheint, als wolle man die angespannte Lage nicht durch zu viel Härte verschärfen. Wer Einsicht zeigt, kommt mit einer Belehrung davon. Manche Bürger kommen auf die Streife zu, um sie nach den Regeln zu fragen oder Rat zu weiteren Schutzmaßnahmen zu bekommen.

Gut 30 Menschen

Dann noch mal der Tipp von Passanten: An der südlichen Inselspitze befinden sich gut 30 Menschen. Die Polizisten rücken nochmals aus. Viele Menschen sitzen zu zweit auf Parkbänken. Nach einer Viertelstunde Kontrolle sind fast alle Menschen weg.

"Ich finde es gut, dass die Polizei unterwegs ist", meint Erika Schlicht. Die Pettstadterin war mit ihrem Ehemann Otto Schlicht zum Spazierengehen hergekommen. Aus ihrer Sicht müssten sich die Menschen nicht in der Stadt ballen: Im Landkreis gebe es mehr als genug Platz, um die Natur zu genießen und Abstand zu halten. "Wenn die Polizei die Maßnahmen gut erklärt, dann sind solche Kontrollen in Ordnung", findet der Ehemann, da hiermit die Regeln noch einmal deutlicher herausgestellt würden.

Ein grummelnder älterer Herr

Aber nicht bei allen treffen die Maßnahmen auf so viel Verständnis: Als ein älterer Herr gemütlich allein ein Buch auf der Parkbank liest und am liebsten noch das Kapitel beenden möchte, bleibt ihm nichts anderes übrig, als zu gehen. Die Polizisten erläutern, dass es auch hier um die Vorbildfunktion gehe, nicht in der Öffentlichkeit zu sitzen. Offenkundig missmutig klappt der Herr sein Buch zu und schmeißt es in die Tasche seines Fahrrads, um davonzuradeln. So hat er sich den Nachmittag an der frischen Luft nicht vorgestellt.

Die Polizei-Inspektion Bamberg Stadt zieht Bilanz: 382 Kontrollen fanden an diesem Tag im gesamten Stadtgebiet statt. 110 Verstöße haben die Beamten gezählt. Wie oft die Personendaten aufgenommen wurden, ist nicht ersichtlich.

Zwölf Anzeigen

In zwölf Fällen sei es zu einer Anzeige gekommen, erklärt Pressesprecherin Silke Gahn. Da waren unter anderem unerlaubtes Grillen, gemeinsames Schrauben am Auto oder das Umherziehen als Gruppe, um sich zu betrinken, dabei. Jedes Mal waren es Menschen, die nicht aus dem gleichen Haushalt stammten.

"Es gibt zwar einige Unbelehrbare, aber in der großen Mehrheit halten sich die Menschen an die Regeln", hält Gahn fest. Auf die Frage, ob die Kontrollen nun erst zu diesem Wochenende verstärkt wurden, erklärt die Polizeisprecherin: "Die Kontrollen waren bereits zuvor vergleichbar ausgeprägt und werden auch in den nächsten Wochen auf dem gleichen Niveau fortgeführt, um eine Ausbreitung des Virus einzudämmen."