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Bamberg
OB-Wahlen

Die OB-Wahl in Bamberg wird noch einmal spannend

Kurz vor der OB-Stichwahl scheint das politische Leben auf Eis in Bamberg auf Eis zu liegen. Anders als früher gibt es auch keine Wahlempfehlung.
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"Social Distancing" auf den Bamberger Wahlzetteln  Karikatur: Christiane Pfohlmann
"Social Distancing" auf den Bamberger Wahlzetteln Karikatur: Christiane Pfohlmann

Es war ein mutiges Foto, mit dem sich CSU-Mitglied Stefan Düring dieser Tage vor seinen Freunden auf Facebook outete. "Es musste sein!", schrieb Düring über dem abfotografierten Stichwahl-Kreuz, das er nicht für den amtierenden OB von Bamberg, Andreas Starke (SPD), machte, sondern für den grünen Newcomer Jonas Glüsenkamp, der am Sonntag mit Starke in die Stichwahl geht.

Was folgte, waren nicht nur verbale Prügel, die Düring von einigen seiner Parteikollegen über sich ergehen lassen musste. Der provozierende Post hat den Zweck erfüllt, den Düring offenbar verfolgte: Er löste eine Debatte darüber aus, ob man als Schwarzer in Bamberg auch einen Grünen wählen kann oder nicht. Kann man? Einer der Kommentatoren formulierte es so: "Als CSUler grün wählen, ist abartig. Bei beiden Kandidaten würde ich kein Kreuz machen."

Tatsächlich ist es für den Ausgang der Wahl am Sonntag nicht unerheblich, ob Andreas Starke im zweiten Wahlgang die konservative Wählerschaft, das so genannte bürgerliche Lager, hinter sich versammeln kann. Ein Durchmarsch wäre ihm auf diesem Weg sicher. Immerhin konnten Christian Lange (CSU) und Ursula Redler von der Bamberger Allianz zusammen 28,7 Prozent aller Stimmen für sich verbuchen.

Schafft es der Amtsinhaber, einen Teil dieser Bürger auf seine Seite zu ziehen? Noch am Wahlabend hatte sich Starke betont selbstsicher gegeben, den endgültigen Sieg in der Stichwahl einfahren zu können - dann im direkten Zweikampf mit Glüsenkamp und ohne die acht übrigen Mitbewerber vom 15. März. Freilich geben die nackten Zahlen keinen Anlass für eine übertrieben euphorische Sicht des Amtsinhabers: Zwar lag der 63-jährige Starke mit 35,9 Prozent um über elf Punkte vor Glüsenkamp. Doch dass der seit 2006 im Amt befindliche OB gegen einen relativen politischen Neuling so viele Stimmen verlieren konnte, hat selbst Starkes Anhänger überrascht.

Dazu passt das Ausbleiben der üblichen Solidaritätsadressen zugunsten des Amtsinhabers, was nicht nur mit den Ereignissen um das Coronavirus zusammenhängen kann. Weder Christian Lange (CSU) noch Ursula Redler (BA) mögen derzeit eine Wahlempfehlung für den amtierenden OB aussprechen, obwohl man bei beiden eine grundsätzliche Nähe unterstellen könnte. Bei Ursula Redler verwundert die selbst auferlegte Zurückhaltung nicht, hatte sich die Kandidatin doch vor der Wahl eine heftige Debatte mit Starke um den politischen Stil geliefert, bei der "viel Porzellan zerschlagen wurde". Noch immer wirft sie Starke unfaire Wahlkampfpraktiken vor, darunter den wiederholten Verstoß gegen das Neutralitätsgebot als Amtsinhaber. Eine gemeinsame Zukunft in einer wie immer gearteten neuen Großen Kooperationsgemeinschaft (GroKo) mag sie sich für die zwei Stadträte der Bamberger Allianz derzeit nicht vorstellen. "Wir stehen für Bündnisse zur Verfügung, aber nicht in der Neuauflage einer GroKo."

Auch die CSU lässt offiziell nichts verlauten, was irgendwie nach einer Unterstützung oder Ablehnung von OB Starke aussehen könnte. "Wir haben uns entschlossen, keine Wahlempfehlung abzugeben", sagt Stadtrat Peter Neller und fügt hinzu: "In einer Zeit, in der Bürger auf Erfahrung und Krisenmanagement setzen, wäre eine diesbezügliche Empfehlung auch höchst überflüssig."

Auf Facebook fasst "das einfache" CSU-Mitglied Stefan Düring seine Meinung unterdessen so zusammen: "Als CSU müssen wir eh irgendwann mit den Grünen zusammenarbeiten. Warum nicht jetzt?"

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