Scheßlitz
Straßenverkehrsgefährdung

"Die Nägel sind so gebogen, dass sie sich genau in den Reifen bohren"

Seit Februar 2016 sammelt Peter Dorsch in der Kiliansiedlung fast täglich Metallsplitter, große Glasscherben und nach oben gebogene Nägel von der Straße.
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Peter Dorsch findet in der Kiliansiedlung immer wieder gebogene Nägel, Metallteile und Scherben. Erst kürzlich zerstörte ein Nagel einen Reifen am Quad seines Sohnes. Fotos: Stefan Fößel
Peter Dorsch findet in der Kiliansiedlung immer wieder gebogene Nägel, Metallteile und Scherben. Erst kürzlich zerstörte ein Nagel einen Reifen am Quad seines Sohnes. Fotos: Stefan Fößel
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Es ist eine seltsame und gefährliche Sammlung, die Peter Dorsch auf seinem Küchentisch ausbreitet. Den meisten Nägeln, Splittern und Scherben sieht man an, dass sie bearbeitet wurden. "Die Nägel sind so gebogen, dass sie sich genau in den Reifen bohren", sagt Dorsch. Angefangen hat alles im Februar 2016 - und seither nicht mehr aufgehört. Immer wieder läuft der Scheßlitzer seine Nachbarschaft in der Kiliansiedlung und Am Brand ab, er wird fast täglich fündig. Was Dorsch nicht findet, führt regelmäßig zu kaputten Reifen. "Ich möchte nicht wissen, wie viele Leute schon Geld ausgegeben haben, weil sie einen Platten hatten", sagt Ehefrau Karin. Im vergangenen Jahr hatten die Dorschs einen Nagel im Reifen ihres Audi und erst kürzlich einen Reifenschaden am Quad des Sohnes.
Über die Motive des Täters kann nur spekuliert werden - ob sich hier jemand von den durchfahrenden Autos gestört fühlt oder es auf bestimmte Anwohner abgesehen hat. "Das muss schon ein krankes Hirn sein", meint Karin Dorsch.


Reifen platt nach Zahnarztbesuch

Schon 2017 ging Peter Dorsch zur Polizei und lieferte eine ganze Kiste mit Nägeln und anderen spitzen Gegenständen ab. Die Staatsanwaltschaft ermittelte wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr. Der unbekannte Täter konnte jedoch nicht ermittelt werden, das Verfahren wurde im April 2018 eingestellt. "Die Polizei hat Zeugenaufrufe gestartet, ist Streife gefahren, ich musste sogar DNA abgeben, aber das alles hat leider nichts gebracht", sagt Dorsch.
Er weiß von zahlreichen Mitarbeitern und Patienten einer nahen Zahnarzt-Praxis, die bereits in Nägel gefahren sind. "Ich musste insgesamt drei Reifen ersetzen", bestätigt Zahnarzt Horst Gumpert. "Wir haben uns damals der Anzeige von Herrn Dorsch angeschlossen", ergänzt Zahnarzt-Kollege Andreas Gumbsch. Am Eingang zum Wartezimmer warnt ein ausgedruckter Polizeihinweis vor den heimtückischen Hindernissen. Nimmt man Patienten und Mitarbeiter zusammen, fahren etwa 40 Autos am Tag zur Praxis und wieder zurück. "Ich warne schon davor, die Querstraße Kiliansiedlung zu benutzen", sagt Horst Gumpert.


Gefahr für Leib und Leben

"Wir können nur dazu aufrufen, es der Polizei anzuzeigen, wenn jemand auf so etwas aufmerksam wird oder selbst einen Schaden hatte. So können die Bürger unsere Arbeit unterstützen", sagt Helmut Fischer von der Polizeiinspektion Bamberg-Land. "Wir nehmen das auf und ermitteln." Vielleicht gebe es technische Möglichkeiten, den Tätern auf die Schliche zu kommen.
"Meist merkt man den Reifenschaden halt erst nach 50 Kilometern oder nach einer Autobahnfahrt", weiß Dorsch. Viel schwerer als der materielle Schaden wiegt für ihn die Gefahr für Leib und Leben. "Hier in der Straße ist die Johannes-Schule mit vielen schwerbehinderten Kindern. Nicht auszudenken, wenn denen was mit dem Schulbus passiert."
Peter Dorsch weiß nicht, was man noch tun könnte. "Vielleicht schreckt es den Täter ab, wenn hier ab und zu Polizei präsent ist. Vielleicht sollte ich auch Warnzettel aushängen." Gegen letzteren Vorschlag hat Bürgermeister Roland Kauper (CSU) nichts einzuwenden, Dorsch solle nur die Verwaltung darüber informieren. "Das geht ja schon länger. Ich war ganz erschüttert, als ich die Nägel gesehen habe. Da muss ja wirklich einer im Keller sitzen, die Nägel so biegen und sie dann auslegen", sagt der Bürgermeister. Mittlerweile haben sich auch andere Scheßlitzer an die Verwaltung gewandt, die auch in der nahen Bamberger Straße schon mehrmals gebogene Nägel gefunden haben.
Karin Dorsch glaubt nicht an eine schnelle Lösung des Problems: "Wahrscheinlich hört es erst auf, wenn der Täter einmal nicht mehr ist."


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