Bamberg
Abschlussgala

Die Mundart ist angekommen

Das erste Mundart-Festival in Bamberg und der Fränkischen Toskana schreit nach mehr. Das Publikum im E.T.A.-Hoffmann-Theater war begeistert.
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David Saam entlockt der Rettl ein Lächeln.  Fotos: Barbara Herbst
David Saam entlockt der Rettl ein Lächeln. Fotos: Barbara Herbst
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Nun ist sie also angekommen: die Mundart bei der Hochkultur. Da, wo sonst gerne darüber spekuliert wird, was die Welt im Innersten zusammenhält, nämlich im E.T.A.-Hoffmann-Theater, da durften die Gäste der Abschlussgala für das erste fränkische Mundart-Festival erfahren, dass Heimat da ist, wo ein Bier noch ein "Seidla" heißen darf.

David Saam und Boxgalopp führten musikalisch durch den Abend im ausverkauften Theater, und es zeigte sich, dass dieses Festival, das sich der Veranstaltungsmanager Wolfgang Heyder und Philipp Gatz von der Mediengruppe Oberfranken ausgedacht haben, nach mehr und noch mehr schreit.

Ergolgsstory

Denn vor der Gala im E.T.A. hatten im Landkreis und der Stadt Bamberg schon sieben Abendveranstaltungen mit den großen Frankengewächsen Mäc Härder, Rettl Motschenbacher, Helmut Vorndran, Wolfgang Reichmann, Wilhelm Wolpert und Eberweiß, Klaus Karl Kraus, Heiner Kemmer und Bambägga Hunderte von Besuchern angezogen.

Die Abschluss-Gala brachte am Sonntagabend noch einmal drei Stunden Mundart unter die Leute und einen Scheck über 4000 Euro, den Wolfgang Heyder für die Aktion "Franken helfen Franken" an Philipp Gatz von der Mediengruppe Oberfranken überreichen konnte.

Davor gab es einen Aufgalopp der üblichen Verdächtigen und einen Parforceritt durch die verschiedensten Genres der fränkischen Mundart. David Saams Boxgalopper, Saam wurde von Res Richter und Katja Lachmann unterstützt, heizten mit einer übermütigen Dreher-Polka-Csárdás-Klezmer-Mixtur richtig ein, brachten das altehrwürdige E.T.A. mit einem breiten Bridschäbraad für alle zum Beben und feuerten die nachfolgenden Mundarthelden zu Sprechleistungen an, die man gemeinhin dem eher maulfaulen Franken gar nicht zutraut.

Die wahrlich nicht auf den Mund gefallene 88-jährige Rettl Motschenbacher vom Kaulberg traf die neunjährige Emilia Mansaré, die im BR-Radio-Studio Franken die Kinderlieder-CD "Hobbädihö" von Boxgalopp mit eingesungen hat. Liebenswert-süß zeigte Emilia, dass Mundart auch bei den Jungen und Jüngsten noch oder wieder gut ankommt.

Klaus Karl Kraus begeisterte mit seiner Kindheitserinnerung vom "Hundsgrübbl". Einen solchen habe man ihn in der Kindheit geheißen und beinahe habe er ein Leben lang geglaubt, dass das sein Nachname sei.

Heiner Kemmer hatte zwei Welterbe-Alleinstellungsmerkmale in ein richtig herzliches Liebesgedicht für Bamberg hineingepackt. Drei Biergenießer seien in der Gärtnerstadt umeinandergeirrt und hätten sich im Suff Zutritt zu einer Gärtnerei verschafft. Es stehe ja die Aufforderung "Gädh ne rei" groß genug am Haus, erwiderten zwei von den Dreien dem erbosten Gärtnermeister auf die Frage, wie sie dazu gekommen seien, einfach ins Gewächshaus einzusteigen. Und der Dritte?, wollte der nun doch versöhnliche und schon etwas besorgte Gärtner wissen. Der liege draußen, denn es habe ja auch geheißen: "Zu Dridd verboten".

Begeistertes Publikum

Ordentlich eingeschenkt bekam das begeisterte Publikum nach der Bier-Pause dann vom bissigen Franken Wolfgang Reichmann, von Wilhelm Wolpert und Eberweiß, die sich als "zwaa fränkische Frecker" outeten, und von den Mundart-Rappern Bambägga.

Und natürlich hielten David Saams Boxgalopper die Fäden bis zum Schluss in der Hand und so manchen Bubbl mit dazu. Denn ohne die Hobbädihö-Hits "Dä Bubblmoo" und den Bischberger "Hans ho, bleib do" kommen Saam und seine Musikanten ja längst schon aus keiner Veranstaltung mehr raus.

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