Bamberg
Musik

Die Melodie der Gassen: Fête de la Musique in Bamberg

Die Fête de la Musique machte aus der Oberen Sandstraße eine vielfältige Konzertmeile mit unterschiedlichen regionalen Bands.
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Mit vollem Körpereinsatz: Die Band Globalivity heizte mit Ska und Reggae ein.  Fotos: Barbara Herbst
Mit vollem Körpereinsatz: Die Band Globalivity heizte mit Ska und Reggae ein. Fotos: Barbara Herbst
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Sie hingen an knapp bemessenen Tesafilmstreifen und schmückten Hauswände, Eingangstüren und Regenrinnen: Die bunten Programmflyer der diesjährigen Fête de la Musique sprangen jedem ins Auge, der sich am vergangenen Freitag über die Regnitz in Richtung Sandstraße bewegte. Darauf zu sehen: kleine, farbige Kästchen mit Namen vorwiegend regionaler Bands und der Info, wann und wo diese spielen würden.

Die Fête de la Musique findet weltweit in 540 Städten statt, jedes Jahr am selben Tag: dem 21. Juni. Diese Tradition geht auf das Paris der 80er Jahre zurück und wächst jährlich um immer mehr Städte, die das Fest zu sich holen. In Deutschland beteiligen sich längst nicht nur Großstädte wie Berlin und München daran; die Teilnehmerschaft unter kleineren Städten wächst stetig. In Bamberg ließen zum siebten Mal Künstler und Besucher den längsten Tag des Jahres mit wild gemischten Melodien ausklingen, die in der Sandstraße aus allen Richtungen tönten.

Ab dem späten Nachmittag bis weit in die Nacht dröhnten Schlagzeugrhythmen, Gitarrenmelodien und Gesang aus den Kneipen sowie vom Grünhundsbrunnen, dem Elisabethenplatz und der Karolinenstraße. In halbmondförmigen Trauben standen Zuschauer um improvisierte Bühnen herum. Anwohner der Oberen Sandstraße lehnten aus dem Fenster und genossen ihren privaten Logenplatz mit Aussicht auf das Geschehen. Ab 22 Uhr verlagerten sich die Auftritte ausschließlich nach drinnen, und die Kneipen und Clubs wurden zu Konzerthallen.

Erklärtes Ziel der weltweiten Veranstaltung ist es, lokalen Künstlern eine Bühne zu geben. Eine Vergütung gibt es nicht, allerdings geht nach jedem Gig ein Hut im Publikum um. Der Eintritt ist frei - so ergab sich auch dieses Jahr ein Aufeinandertreffen von Jung und Alt, Touristen und Anwohnern, Musikmachern und Musikhörern.

Lockere Atmosphäre

Das Fest hat locker-provisorischen Charakter: Am Getränkestand reichte lediglich ein weißes DinA-4 Blatt als Information aus, auf dem "Bier, Wein, Softdrinks und so" stand. Teil der ungezwungenen Stimmung ist, dass auf aufwendige Dekoration und Extras wie Essensstände verzichtet wurde. Die gewohnten Sandstraßen-Snacks - Krustenbratenbrödla und Pizzaecken - schienen den Besuchern völlig auszureichen.

Im Mittelpunkt standen die Musik und ihre Schöpfer - ohne viel Drumherum. Zu hören gab es Bands wie Rooms in Brucklyn mit Indie-Rock aus Erlangen und Tourists in a Daydream mit Ethno-Funk aus Regensburg. Die Bamberger Band Dr. Umwuchts Tanzpalast stand sechsköpfig mit einer Mischung aus Jazz und Punk vor der Menge, die sich über den gesamten Elisabethenplatz ausgebreitet hatte - einer von zwei Auftritten der Band auf dem Fest: Später spielten sie auf der großen Bühne des Live Clubs.

Ihre Musik beschreiben sie selbst als "was zum Denken und was zum Tanzen" - die erste Reihe des Publikums hüpfte zu Versen wie "Ich denke, also bin ich hier falsch" umher. Die hinteren Reihen saßen im Schneidersitz auf dem Boden und schwangen zusammengerollte Programmflyer rhythmisch in der Luft. Eine Mutter schaukelte ihr Baby im Takt.

Bassist Nikolaus Durst spielte gleich vier Auftritte mit drei verschiedenen Bands: Dr. Umwuchts Tanzpalast, Jazzküche und Brotmüller. Dazwischen heiße es Ressourcen schonen, sagt er. In Bamberg herrsche eine florierende Musikszene. Der Reiz an der Veranstaltung ist für ihn "das besonders gemischte Publikum".

Pfandflaschen auf Zigarettenautomaten, plattgetretene Zigarettenstummel auf dem Kopfsteinpflaster, Künstler auf Augenhöhe: Die siebte Fête de la Musique war wieder einmal eine Mischung aus Konzert und Straßenfest. Viele Besucher gingen an diesem Abend mit einer frisch erblühten Begeisterung für neu entdeckte Stilrichtungen nach Hause.

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