LKR Bamberg
Rundfahrt

Die Landwirtschaft 4.0 in der Praxis

Vertreter des Bauernverbands und des AELF Bamberg sahen sich mit Landwirten in Betrieben der Region um. Hauptthema war diesmal der Gewässerschutz.
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Jörg Deinlein, Landwirt aus Neudorf/Scheßlitz erläuterte den Bauern aus den Landkreisen Bamberg und Forchheim "Landwirtschaft 4.0" in der Praxis.Joseph Beck
Jörg Deinlein, Landwirt aus Neudorf/Scheßlitz erläuterte den Bauern aus den Landkreisen Bamberg und Forchheim "Landwirtschaft 4.0" in der Praxis.Joseph Beck
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Das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Bamberg hatte Landwirte wieder zur Fahrt durch den Landkreis eingeladen. Mit im Boot war auch der Kreisberatungsausschuss des Bayerischen Bauernverbandes. Die Tour stand dieses Jahr ganz im Zeichen des Gewässerschutzes. Das hochaktuelle Thema betrifft sowohl das Grundwasser wie auch das Oberflächenwasser. Über Maßnahmen und Lösungen wurde gesprochen und Beispiele dafür auch besichtigt.

Als erstes steuerte der Bus den Betrieb von Jörg Deinlein in Neudorf bei Scheßlitz an. Deinlein betreibt den Hof zusammen mit seinem Bruder Andreas. Außer der Landwirtschaft halten sie Muttersauen und haben eine Biogasanlage. Thema seines Vortrages war die "Landwirtschaft 4.0" mit den Teilbereichen Ertragskartierung, Präzisionspflanzenanbau und den damit einhergehenden positiven Effekten für den Landwirt und die Umwelt.


Bis auf zwei Zentimeter genau

Mit Hilfe des Programms und des satelittengestützten GPS-Systems werde bereits bei der Aussaat eine Genauigkeit von bis zu zwei Zentimeter erreicht, machte Deinlein deutlich. Die alle sieben Sekunden erfassten Ertragsdaten - also die Aufnahme dessen, was auf dem Feld gewachsen ist - sind wiederum Grundlage für die Berechnung der notwendigen Düngung der Pflanzen. Der Düngesensor gebe den Pflanzen den jeweils notwendigen Dünger, nicht zu viel und nicht zu wenig.

Schon hier wird Deinlein zufolge also auf den Boden und das Grundwasser Rücksicht genommen, genau so aber auch auf den Geldbeutel des Bauern. In den Düngeplan seien aber auch die Werte der vorgeschriebenen vorher gezogenen Bodenproben eingerechnet.

Weitere erklärte Deinlein das Spritzen der Felder. "Meine 27 Meter breite Spritze ist in drei Teile gegliedert. Sie schaltet bei Überschreitung von Flächen automatisch aus durch Düsenabschaltung. So wird ein doppeltes Spritzen, das nicht in die Pflanzen aufgenommen wird, sondern in das Grundwasser eindringt, verhindert."


Fahrerloser Betrieb möglich

Eine weitere Hilfe der GPS-Technik funktioniert demnach so: Beim Einbau der benötigten Technik im Schlepper wendet dieser selbst und lenkt auch weiter automatisch. Ein fahrerloser Betrieb wie bei der Nürnberger U-Bahn wäre also fast möglich, so ein Landwirt. Die Kosten dieser Landwirtschaft 4.0 betragen nach Deinleins Aussagen 24 Euro pro Hektar pro Jahr auf fünf Jahre gerechnet. Bei zehnjähriger Praxis sollen sich die Preise halbieren.

Waltraud Dümmler vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Bamberg (AELF) fasste dann zusammen, dass man für Düngung und Pflanzenschutz heute diese Technik brauche: "Die moderne Technik kommt so auch dem Umweltschutz zugute." Edgar Böhmer, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes Bamberg, fügte an, dass man dieses positive Ergebnis verbreiten müsse.


Fünfjährige Fruchfolge

Weiter gings zu Feldern des Betriebs von Klaus Stadter aus Brunn bei Heiligenstadt. Er bewirtschaftet hauptsächlich Flächen im Jurakarst, der für seine hohe Wasserdurchlässigkeit bekannt ist. Stadter erklärte, dass er fünf Hektar Acker im wassersensiblen Bereich für fünf Jahre in Wiesen umgewandelt habe. Außer einigen Hektar Stilllegung führe er seinen reinen Ackerbaubetrieb mit einer fünfjährigen Fruchtfolge. Auf Mais folge Sommergerste, die wenig Pflanzenschutzmittel benötige. Auf Raps als Winterfrucht folge dann Weizen oder Triticale und schließlich Sommergerste. Das Ausfallgetreide spritze er nicht weg, sondern pflüge es unter und säe als Zwischenfrucht Hafer, Wicken, Senf oder Klee und andere Gräser.

Zum Thema Wasserschutz sagte Stadter: "Viele Bauern im Jurakarst verzichten schon seit Jahren freiwillig auf bestimmte Pflanzenschutzmittel, die sehr gut wasserlöslich sind und bei reichlich Niederschlägen leicht ausgespült werden. Dieser Ausgleich der Bauern wird aber nicht bezahlt."

Daraufhin entwickelte sich eine lebhafte Diskussion unter den Bauern, wobei auch der Name Glyphosat fiel, das Bienensterben zur Sprache kam und vieles mehr.

Dümmler schloss die Diskussion, indem sie darauf hinwies, dass Gewässerschutz ein Gesamtpaket sei, das es zu schnüren gelte - und da sei die Politik gefragt.
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