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Bamberg
Umwelt

Die Krise ist die Chance umzudenken

Hat sich die Natur dank der Ausgangsbeschränkungen wegen des Corona-Virus tatsächlich erholt? Fragen an Martin Bücker vom Bund Naturschutz.
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Beim Spaziergang durch den Bamberger Hain spricht Martin Bücker auch von notwendiger Entschleunigung nach der Corona-Krise.  Foto: Marion Krüger-Hundrup
Beim Spaziergang durch den Bamberger Hain spricht Martin Bücker auch von notwendiger Entschleunigung nach der Corona-Krise. Foto: Marion Krüger-Hundrup

"Endlich kann sich die Natur erholen": Diese Aussagen taucht derzeit immer wieder im Gespräch auf. Als Beleg dienen Tiere, die auf Wegen, in Städten oder Häfen gesichtet werden, der klare Himmel ohne Kondensstreifen, der strahlende Sonnenschein, das intensiver zu hörende Vogelgezwitscher. Alles dank der Ausgangsbeschränkungen wegen des Coronavirus, der reduzierten Produktion, des geringeren Luft- und Straßenverkehrs. Aber was ist dran an solchen Aussagen?

"Nicht viel, für die Natur ist es lediglich eine kurze Verschnaufpause", sagt Martin Bücker, Vorsitzender der Kreisgruppe Bamberg des Bund Naturschutz. Zwar sei der Gehalt an Stickstoffdioxid in den Städten um 30 Prozent zurückgegangen, und die Luftqualität sei messbar besser geworden, so der Diplom-Biologe. Doch "die Wirtschaft und Verkehrsindustrie stehen wieder in den Startlöchern, und es wird so fatal wie vorher, die Klimakatastrophe schreitet voran". Allerdings könne die Corona-Krise als Chance gesehen werden, "umzudenken und uns neu aufzustellen", erklärt Martin Bücker Damit sich die Natur als hochkomplexes System nachhaltig erholen könne, müsse der -Ausstoß deutlich reduziert werden. Und: "Wir müssen lernen, in unseren Verbräuchen an Ressourcen im Leben und Wirtschaften zurückzugehen", ergänzt er.

Einen Ansatzpunkt für die Frage nach der nachhaltigen Erholung sieht der Biologe und Schmetterlingsexperte Bücker im Stichwort "Artenvielfalt". Um Artenreichtum zu fördern, nütze es nichts, sich einige Wochen daheim aufzuhalten, das Auto stehenzulassen und Betriebe dichtzumachen Sobald der normale Rhythmus zurückkehre, sei die übliche Belastung für das Ökosystem wieder da. Ob die Beschränkungen der vergangenen Wochen sich aber schon positiv auf das Artenspektrum ausgewirkt habe, könne noch gar nicht gesagt werden: "Dafür ist ein regelmäßiges Monitoring nötig", weiß Martin Bücker.

Regenerationskraft

Er weiß auch, dass die Natur eine hohe Regenerationskraft hat "und sich wie im Naturpark Hauptsmoorwald Flächen zurückerobert", bringt Bücker ein lokales Beispiel. Er nennt ansonsten die massiven Lebensraumveränderungen etwa durch intensive Landnutzung, stetig gewachsene Wohn- und Gewerbegebiete, immer dichter geknüpfte Verkehrswegenetze als Menschen gemachte Ursachen für die Probleme an, unter denen die Natur leidet. Aktuell komme die Trockenheit hinzu, die zum Beispiel Bäume absterben lasse.

Bei allen "grünen" Sorgen gibt es derzeit jedoch auch eine Erscheinung, über die sich Martin Bücker freuen kann: "Im Hain sind wieder mehr seltene Käferarten wie Hirschkäfer, Eichenbockkäfer und Eremiten zu sehen." Der Diplom-Biologe wehrt aber voreilige Rückschlüsse ab: "Mit der Corona-Krise hat das absolut nichts zu tun." Sondern mit guten Lebensräumen für Tiere und Pflanzen.

Die große Lektion, die der Bund-Kreisgruppenvorsitzende mit auf den Weg gibt, ist: Der Mensch muss sich bewusst werden, welchen Einfluss das eigene Handeln auf alle Organismen im Ökosystem hat. Und dass die in der Corona-Krise gelernte Entschleunigung hinübergerettet werden muss in die Zeiten danach.

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