Gügel
Sanierung

Die "Königin" der Gügel-Kirche im Erzbistum Bamberg ist desolat

Die 1708 erbaute Orgel in der Gügel-Kirche ist eine der ältesten im Erzbistum Bamberg. Jetzt muss sie für 175.000 Euro restauriert werden. Orgelbaumeister aus dem Schwarzwald zerlegten das wertvolle Objekt in seine Einzelteile.
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Orgelder Gügel-Kirche muss saniert werden. Foto: Barbara Herbst
Orgelder Gügel-Kirche muss saniert werden. Foto: Barbara Herbst
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Kaum zu glauben, dass aus diesen vielen Einzelteilen einmal wieder erbauliche Musik gen Himmel steigen soll! Auf der Westempore der Gügelkirche haben die Orgelbaumeister Mathias Jung, Thomas Dehmel und Setsue Yamano eine der ältesten Orgeln im Erzbistum Bamberg buchstäblich auseinandergenommen. Unterkasten, Windladenkranz, Oberkasten, Windlade, Klaviatur, Notenpult, Pedale, Schwimmerbalge, Pfeifen: Alles haben die drei Experten der Schwarzwälder Orgelbaufirma Johannes Rohlf sorgfältig nummeriert, dokumentiert, fotografiert und in Transportkisten gepackt.

"Die Königin der Instrumente ist desolat", begründet Mathias Jung diese Aktion. In den nächsten Monaten soll die Gügel-Orgel wiederhergestellt und in den Zustand ihrer Entstehungszeit im 18. Jahrhundert rückgeführt werden. Das Instrument wurde 1708 von dem Orgelbaumeister Schöps aus Seßlach gebaut.
Obwohl das nun über 300 Jahre zurück liegt, sind sich die heutigen Nachfolger sicher, dass sie beim Restaurieren der historischen Orgel "in die Rolle des Erbauers hineinschlüpfen können", betont Jung. Dabei hilft zum Beispiel der Umstand, dass gleichartige Werkzeuge benützt werden, die schon die Altvorderen kannten. Auch traditionelle Materialien wie Massivholz, Leder, Messingdraht sollen wieder zum Einsatz kommen.

Außerdem haben die Orgelbauer der Firma Rohlf eine große Erfahrung in der Sanierung so mancher "Königin". Auch in Franken griffen bereits etliche Kirchenstiftungen auf die Dienste dieser Fachleute zurück, die zudem neue Orgeln bauen: so etwa für St. Urban in Bamberg oder für die katholischen Kirchen in Stegaurach und Amlingstadt.

Schäden an der Orgel sind nicht nur hörbar

Die Schäden an der Gügel-Orgel waren wohl nicht nur hörbar: Sie sind mit bloßem Auge auch zu erkennen. Im Gehäuse aus Fichten- und Lindenholz sind Risse, allein die 319 Pfeifen aus Zinn und Blei weisen Beulen und Knicke auf. Darunter befinden sich noch originale Metallpfeifen, die durch Signaturen dem Erbauer Schöpf zugeordnet werden können. Auch die Holzpfeifen, die bei der letzten Sanierung im Jahr 1965 eingebaut wurden, harren jetzt einer Generalüberholung.

Und die ist längst überfällig, wie Anton Heinert, Kirchenpfleger der Gügel-Kirche St. Pankratius, einräumt. Schon während der großen Kirchenrenovierung zwischen 1984 und 1994 sei überlegt worden, die Orgel gleich mit zu sanieren. Doch dafür habe dann das Geld gefehlt. Inzwischen sind die Kassen wieder aufgefüllt: rund 175 000 Euro kostet das musikalische Vergnügen 2015. Die Bayerische Landesstiftung, die Oberfranken-Stiftung, der Landkreis Bamberg, die Stadt Scheßlitz und das Erzbischöfliche Ordinariat liefern ihre Zuschüsse. Jedoch bleibt für den Gügel ein Eigenanteil von 40 000 bis 50 000 Euro: "Wir hoffen auf Spenden", so Kirchenpfleger Heinert.
Vor ihm steht in diesem Jahr ohnehin eine weitere Aufgabe, die ins Geldsäckel geht: In drei Abschnitten muss ab Herbst der Kircheninnenraum saniert werden. Heinert rechnet mit über eine Million Euro, die aufzubringen sind.

Die gute Nachricht dabei ist, dass die beliebte Wallfahrts- und Hochzeitskirche trotz der Arbeiten geöffnet bleibt. Und es nicht zu gravierenden Beeinträchtigungen kommt. Und auch wenn die Orgel erst wieder nach Abschluss der Innensanierung eingebaut wird, muss niemand auf Musikbegleitung verzichten: "Das Ordinariat leiht uns eine Truhenorgel", freut sich Anton Heinert.

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