Trosdorf

Die Jugend schlägt Wellen

Auf dem Main bei Bischberg wurde es am Wochenende sportlich: Zwanzig junge Wellenreiter zeigten ihr Können beim Wakeboardcamp der Marina Trosdorf.
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Raphael Kerezsy fliegt über die Wellen auf dem Main.  Foto: Corinna Bail
Raphael Kerezsy fliegt über die Wellen auf dem Main. Foto: Corinna Bail
Raphael holt noch einmal tief Luft. Dann verlagert der 15-Jährige sein Körpergewicht und steuert mit seinem Wakeboard direkt auf eine Welle zu, die das Boot vor ihm auf dem Main schlägt. Er drückt sich aus dem Wasser ab, dreht sich dabei einmal um die eigene Achse und wechselt geschickt die Handpositionen, bevor er wieder mit dem Brett im kühlen Nass landet. Geschafft, der junge Passauer streckt triumphierend die Faust in die Höhe. Vom Boot kommen begeisterte Rufe. Neben Raphael testeten rund 20 Teilnehmer an einem Wochenende ihr Talent im Wakeboardfahren beim Jugendtrainingscamp auf dem Gelände der Marina Trosdorf.


Kein Leistungsdruck

Plötzlicher Nieselregen stört Raphael Kerezsy in seinem Neoprenanzug nicht. Unbeirrt zeigt der 15-Jährige zahlreiche Kunststücke hinter dem Sportboot, das mit rund 30 Stundenkilometern die etwa sieben Kilometer lange Wasserskistrecke auf dem Main abfährt. Am Steuer steht Jugendtrainer und Zweiter Vorstand des Vereins "Trosdorfer Wasserski- und Freizeitvereinigung" (TWF), Robert Geiger. "Jetzt wird es doch erst wirklich Wassersport", lacht der 52-Jährige über den Wetterumschwung. Geiger leitet die 2017 gegründete Jugendgruppe aus Trosdorf, trainiert mit den 15 Mädchen und Jungen regelmäßig auf dem Gelände der Marina. "Wakeboarding" ist eine Mischung aus Wasserski und Surfen, wobei die Sportler dabei seitlich zur Fahrtrichtung auf einem Brett stehen, das an die Füße geschnallt wird und gleiten damit über das Wasser. Tempo erhält die sportliche Fahrt durch ein Motorboot, mit dem die Wakeboarder durch eine Handleine verbunden sind.

Das bloße Gleiten ist den meisten Campteilnehmern wie Raphael in Trosdorf allerdings zu langweilig: Hohe Sprünge, geschickte Drehungen und schnelle Stunts - die jungen Sportler probieren allerhand Tricks aus. Das dreitägige Wakeboardcamp des Bayerischen Motoryachtverbands (BMYV) ist nicht die erste Bewährungsprobe für Robert "Robby" Geigers Mannschaft: Bereits beim diesjährigen "Mainski" in Eltmann fuhr der Vereinsnachwuchs mit. Neben ihnen sind unter anderem junge Wakeboarder aus Vilshofen, Passau und Eltmann in den Landkreis Bamberg gekommen.


Aufmunternde Worte

Auch Fritz Lauch, Jugendsportwart des BMYV, machte sich am Samstag ein Bild von den engagierten Jugendlichen. Und noch ein Besucher nahm an der Veranstaltung teil: Martin Sicklinger, Gewinner des internationalen "Chill and Ride"-Wassersportwettkampfs 2016 in der Kategorie "Amateure" steht am Heck des Boots, beobachtet die Manöver der jungen Wakeboarder genau und gibt Tipps. Auch aufmunternde Worte findet der Sportler, wenn es beim Nachwuchs mal nicht klappt: "Macht nichts, das gehört auch dazu." Für manche Sprünge musste er selbst knapp zwei Jahre lang üben. Geiger und Sicklinger legen Wert auf eine positive Erfahrung, die die Kinder aus dem Training mitnehmen. "Unser Motto lautet ,Nicht falsch und schlecht, nur besser und schöner'", betont der Trosdorfer Jugendtrainer.


Nachwuchs übernimmt das Ruder

Robert Geiger selbst fährt seit dem fünften Lebensjahr Wasserski, in den Neunzigern fing er mit dem Wakeboarding an. Mit seinen Kindern kommt der gelernte Karosserielackierer so gut wie jedes Wochenende zur Marina Trosdorf, sein Vater ist Gründungsmitglied des Vereins, seine Schwester die Schriftführerin. "Bei uns steckt das einfach in der Familie", freut sich der Familienvater. 2016 folgte dann die Trainerausbildung, woraufhin er Anfang des Jahres die Jugendgruppe initiierte. Unterstützung erhielt der Wassersportbegeisterte durch den Vereinsvorstand Friedhelm Förstel, der die Marina Trosdorf im Dezember 1976 mit neun anderen Gründungsmitgliedern ins Leben rief. Das knapp 30000 Quadratkilometer große Gelände mit Campingplatz, Sportboothafen und Wasserskisteg begann als Projekt von Freunden, die das gleiche Hobby pflegten. Vor 40 Jahren waren sie noch "jung und knusprig" und "verrückte Wasserskifahrer", erzählt Förstel. Jetzt seien die Sportler von damals "ein bisschen in die Jahre gekommen". Dem Vorstand war klar: "Wenn wir nichts mit der Jugend machen, dann stirbt der Verein irgendwann aus."

Ende 2016 entstand dann die Idee für eine Trosdorfer Jugendgruppe. Anfangs rechnete Friedhelm Förstel mit höchstens fünf Interessierten. Acht Monate später sind 15 Mädchen und Jungen angemeldet.


Der Jüngste ist erst sechs

In der jungen Truppe werden Sportler von sechs bis 27 Jahren gefördert, der Jüngste von ihnen ist Leonhard. Der Sechsjährige schaut lieber vom Boot aus den Großen bei ihren Stunts zu. Bei den normalen Trainings am Wochenende steht er aber schon selbst auf dem Wasser, denn "passieren kann beim Wakeboarden eigentlich nichts", sagt Raphael nach seiner Fahrt. So können auch Anfänger auf dem Wakeboard erste Erfolge auf dem Wasser erzielen. "Hauptsache, sie können schwimmen", schmunzelt Friedhelm Förstel.

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