Laden...
Bamberg
Hitzeschäden

Die Hitze lässt in Bamberg Pflaster aufbrechen

Rätselhafte Stolperschwellen auf Bambergs Gehwegen halten den Baubetrieb der Stadt auf Trab. Grund: Wenn sich der Beton in der Tiefe ausdehnt, bricht das Pflaster darüber. Die aktuellen Schadensfälle werfen ein Schlaglicht auf eine alte Debatte: Bambergs marode Straßen.
Artikel drucken Artikel einbetten
Rätselhafte Stolperfallen entstanden über Nacht. Hier in der Hainstraße.
Rätselhafte Stolperfallen entstanden über Nacht. Hier in der Hainstraße.
+8 Bilder
Ein ganz normaler Gehweg in der Hainstraße. Ein ganz normaler Gehweg? Wo Anfang der Woche noch wenig Auffälliges zu bemerken war, wölbten sich am Donnerstagmorgen wie von Geisterhand gehoben die Pflastersteine nach oben.

Das gleiche Szenario in der Pödeldorfer Straße: Auch hier verwandelten sich scheinbar harmlose Plattenbeläge zu Stolperfallen. Gefährlich für Fußgänger und Radfahrer, die mit glatten Belägen rechnen, ein kniffliges Hindernis für Senioren, die mit dem Rollator unterwegs sind.

Buckelpisten und Spurrillen im Asphalt, Aufbrüche und Verwerfungen in Pflasterbelägen: Deutschlands Straßen leiden seit drei Tagen Hitzestress. Was auf der Autobahn im niederbayerischen Abensberg bereits einem Motorradfahrer das Leben kostete, hält auch in Bamberg Menschen auf Trab.

Hitze dehnt Beton aus

Florian Probst vom Entsorgungs- und Baubetrieb der Stadt zum Beispiel. Der Abteilungsleiter für Straßen- und Brückenbau überwacht ein 270 Kilometer langes Straßennetz, in dem es bei Oberflächentemperaturen von bis zu 50 Grad Schadensbilder gibt, die seit längerem nicht mehr zu sehen waren. Es knirscht gewissermaßen im Bamberger Untergrund, wenn die Sonne wie in diesen Tagen auf die Straßen und Wege brennt: "Die Hitze führt dazu, dass sich der Beton ausdehnt, auf dem die Pflaster verlegt sind. Und wenn die Spannung nach oben entweicht, treten solche Aufbrüche zu Tage", erklärt der Tiefbauexperte.

Was für enorme Kräfte hinter diesem Mechanismus stecken, konnten die Mitarbeiter des Baubetriebs, von der Polizei alarmiert, in der Hainstraße erleben: Dort hat die Gluthitze dazu geführt, dass ein gar nicht so altes Betonsteinpflaster auf voller Breite bis zu 15 Zentimeter in die Höhe gedrückt wurde, so als ob darunter ein Hohlraum entstanden wäre. Die Folge: Damit niemand zu Schaden kommt, musste der Gehweg so schnell wie möglich geflickt werden. Schon am Tag danach sieht man also kaum noch etwas von der Bodenwelle, die die Hitze in der Hainstraße aufgeworfen hat.

Bezeichnenderweise kann der Sommer nur dort zuschlagen, wo die Pflaster auf gebundenem Material, also Beton, verlegt wurden, wie es gerne in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, aber auch noch später geschah. Ein Lernprozess der Straßenbauer, wie Florian Probst einräumt. Heute verlegt man Pflaster und Platten beim Baubetrieb viel lieber auf Kies oder Schotter als auf Beton, um sich Dauerbaustellen wie entlang der Langen Straße zu ersparen. Dort sorgen Schnee und Eis im Winter, aber auch Hitze im Sommer immer wieder für klappernde Pflastersteine und regelmäßig wiederkehrende Ausbesserungsarbeiten.

Vier Millionen Euro

Ganz billig ist das nicht. Rund vier Millionen Euro steckt die Stadt Bamberg Jahr für Jahr in den Unterhalt ihrer Straßen, Plätze und Wege, der Löwenanteil davon fließt in die Beseitigung der Winterschäden.

Ob das reicht oder nicht, darüber streitet man im Bamberger Rathaus schon seit Jahren. So kritisieren vor allem die kleinen Fraktionen und Gruppen, dass zu wenig Geld in die Bamberger Straßen gesteckt werde. Dieter Weinsheimer von den Freien Wählern etwa bemängelte schon vor Jahren den desolaten Zustand der Gehwegplatten in der Langen Straße, eine von vielen Stolperfallen, mit denen die Bamberger offenbar leben müssten, wie er feststellte. Und auch heute sieht er in Bamberg Handlungsbedarf, was den Zustand der Straßen angeht, etwa am Oberen Stephansberg, am Maxplatz oder der südlichen Promenade. "Die Verwaltung bemüht sich, aber es reicht nicht aus. Es fehlen ganz offensichtlich die nötigen Mittel", sagt Weinsheimer.

Unterstützung erfährt Weinsheimer in seiner Kritik von Norbert Tscherner vom Bamberger Bürger-Block. Tscherner, als Bauunternehmer selbst vom Fach, hat etwa im Pflasterbelag in der Karolinenstraße Niveauunterschiede von bis zu 15 Zentimetern festgestellt. Aus seiner Sicht sind solche Verhältnisse gerade in der Bamberger Altstadt kein Einzel-, sondern eher der Normalfall. Doch statt regelmäßiger Straßenunterhalts dominiere Flickwerk. "Bis es am Ende teuer wird."

In der Bamberger Stadtverwaltung wird das Problem gar nicht geleugnet. Immerhin wachse die Zahl der Fahrzeuge seit Jahren, und auch der Schwerlastverkehr sei deutlich angestiegen. "Doch das ist ein deutschlandweites Problem", sagt Ulrike Siebenhaar von der Pressestelle und verweist auf seit Jahren wiederkehrende Forderungen des Deutschen Städtetags.

Doch bislang warten die Städte und Gemeinden vergeblich auf mehr Geld. Für Wolfgang Metzner von der Bamberger SPD ist das aber kein Grund, Bund und Land aus der Verantwortung zu entlassen. Zwar stelle sich das Problem in Bamberg nicht so schlimm wie in anderen Städten in Oberfranken, doch auch hier gebe es Nachholbedarf. Kurz-, aber auch langfristig.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren