Bamberg

Die Heimkosten steigen deutlich an

Vor allem die Unterbringung von Kindern und Jugendlichen in Problemsituationen erfordert besondere Aufmerksamkeit. Auch in anderen Bereichen erhöhen sich die Ausgaben. Eine Trendwende ist nicht in Sicht.
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Die Heimleiter Otto Bezold und  Manfred Kümmelmann vor dem  Jugendheim der Caritas in  Pettstadt Foto:   Barbara Herbst
Die Heimleiter Otto Bezold und Manfred Kümmelmann vor dem Jugendheim der Caritas in Pettstadt Foto: Barbara Herbst
"Im Großen und Ganzen eingehalten" wird laut Fachbereichsleiter Hans-Jürgen Tytyk der Haushaltsplan des Fachbereiches Jugend und Familie (ehemals Kreisjugendamt) am Landratsamt Bamberg. Vor dem Jugendhilfeausschuss des Kreistages betonte Tytyk, eine verlässliche Aussage über die Entwicklung bis Jahresende lasse sich zurzeit zwar noch nicht treffen. Schon jetzt absehbar sei aber ein deutlicher Anstieg bei den Ausgaben für Heimunterbringungen: Betrugen die Ausgaben dafür im Vorjahr rund 1,559 Millionen Euro, mussten in diesem Jahr bis Oktober bereits 1,753 Millionen Euro dafür aufgewendet werden.

Dabei, so Tytyk weiter, sei diesmal nicht ein Anstieg der Fallzahlen für die Mehrausgaben verantwortlich.
Neben Tariferhöhungen von etwa sechs Prozent kämen Mehrausgaben für spezielle Einrichtungen in den Heimen dazu, weil vermehrt Kinder mit besonderen Problemlagen (psychische Erkrankungen, Essstörungen, sexueller Missbrauch) in Heimen aufgenommen werden müssten.

Die Einrichtungen der Jugendhilfe hätten durch diese besonderen Fälle in hohem Maße Fachpersonal vorhalten müssen, was die Kosten für die Unterbringungen erheblich erhöhe. Teilweise fielen für solche Kinder monatliche Ausgaben von 7000 Euro und mehr an, womit die hohen Aufwendungen im Rechnungsjahr zu erklären seien.

In einem kurzen Ausblick auf das Jahr 2013 ergänzte Tytyk, dass man vor diesem Hintergrund über keine Steuerungsmöglichkeiten verfüge. Personell zeichne sich die Umwidmung einer Halbtagsstelle für eine pädagogische Fachkraft aus dem staatlichen in den Landkreis-Bereich am Landratsamt ab. "Die Kosten werden halt von oben nach unten verteilt", meinte dazu stellvertretender Landrat Johann Pfister (BBL), der die Sitzung leitete.

Hier solle man "nochmals korrespondieren", meinte dazu Kreisrat Siegfried Stengel (CSU). Entweder es gebe staatliche Aufgaben, dann seien sie von Staatsangestellten zu erfüllen. Weil die Mitarbeiterin aber von einem anderen Fachbereich "ausgeliehen" war, so Referentin Uta von Plettenberg, sei hier wohl das "Ende der Fahnenstange" erreicht.

Unter dem Strich war stellvertretender Landrat Johann Pfister mit der finanziellen Entwicklung bei der Jugendhilfe nicht unzufrieden. "Bis jetzt schaut es recht, recht gut aus", lautete seine persönliche Bilanz. Vor dem Hintergrund der Unabdingbarkeit dieser Ausgaben gelte es die Kosten einigermaßen im Griff zu behalten.
Insgesamt, so Fachbereichsleiter Tytyk, sehe der Haushalt des Jugendamtes für dieses Jahr Ausgaben von 10,6 Millionen Euro vor. Bis Anfang Oktober waren davon 7,722 Millionen abgebucht, 68 Prozent des Ansatzes. Im Jahr zuvor lag diese Quote zur selben Zeit bei 66 Prozent.

Verlässliche Aussagen über die Entwicklungen seien vor allem deshalb nicht möglich, weil manche Rechnungen erst im neuen Jahr eingingen. Eine gute Entwicklung attestierte Tytyk für die Einnahmenseite: Rechne man hier mit insgesamt 1,555 Millionen Euro, konnten bis Anfang Oktober immerhin 1,367 Mio. Euro realisiert werden; das seien 88 Prozent des Ansatzes. Zum Vergleich: 2010 lag dieser Wert bei 89 Prozent.

Kreisjugendring "läuft mit"

Zur Steigerung des Haushaltsvolumens trage ferner die Einbindung des Kreisjugendring-Haushaltes im Budget des Kreisjugendamtes (KJR) bei. Die Ausgaben des KJR seien mit insgesamt 151.700 Euro veranschlagt, verbucht seien davon bisher 110.500 Euro. Einfluss habe man auf diese Zahlungen nicht, sie liefen aber als "Jugendamtsausgabe" durch die Bücher. Finanziert werde derzeit nach Rücksprache mit der Kämmerei eine Vertretungsstelle wegen des Ausfalls einer KJR-Mitarbeiterin, erst am Jahresende werde man dafür Ersatz erhalten. Durchlaufende Mittel für die neuen "Familienstützpunkte" in Höhe von rund 60.000 Euro erhöhten ebenfalls das Haushaltsvolumen.

Überschreitungen der Haushaltsansätze gebe es "in hohem Maße", so Tytyk, bei den Inobhutnahmen. Dem Ansatz von 25 000 Euro stünden bereits jetzt Ausgaben von rund 45.000 Euro gegenüber, 2011 waren es um diese Zeit 19 730 Euro. Gestiegene Fallzahlen für Mutter-Kind-Einrichtungen hätten Ausgaben von bisher 220.000 Euro zur Folge, 2011 waren es 196.000 Euro. Nur leicht gestiegen - im Bereich der Teuerungsrate - seien indes die Leistungen für Erziehungsbeistandschaften und Familienhilfen.

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