Bamberg

Die guten Zeiten in Bamberg gehen weiter - vorerst

Die Wirtschaft in Bamberg zeigt sich robust. Von Absturz kann den aktuellen Hiobsbotschaften zum Trotz keine Rede sein. Doch es gibt auch in der Domstadt Sorgenkinder, wie die IHK-Konjunkturklima-Umfrage zeigt.
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Die meisten Unternehmen im Wirtschaftsraum Bamberg beurteilen die aktuelle und die künftige Entwicklung als gut. Dennoch warnt IHK-Präsident Heribert Trunk vor zu großer Selbstzufriedenheit. Foto: Ronald Rinklef
Die meisten Unternehmen im Wirtschaftsraum Bamberg beurteilen die aktuelle und die künftige Entwicklung als gut. Dennoch warnt IHK-Präsident Heribert Trunk vor zu großer Selbstzufriedenheit. Foto: Ronald Rinklef
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Ein Medienmarathon durch Oberfranken. 15 Lokalredaktionen und mehrere Radiosender hat der Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) für Oberfranken, Heribert Trunk, in den vergangenen Tagen besucht. Erstmals wurden die Ergebnisse der IHK-Konjunkturklimaumfrage in den einzelnen Regionen präsentiert - um Wohl und Wehe in der Wirtschaft möglichst differenziert darzustellen und dies nicht im Elfenbeinturm der Marktforscher, sondern vor Ort, wo die Betroffenen leben.

Zum Beispiel in Bamberg. Am Dienstagabend sitzt Heribert Trunk in der Lokalredaktion in der Augustenstraße. Er freut sich auf das "Highlight" des Tages, nicht nur, weil es seine Heimatstadt ist, um die es geht. Denn im Wirtschaftsraum Bamberg laufen die Dinge besser als in vielen anderen Regionen in Oberfrankens.

Von Krise keine Spur. Zwar zeigt der Wirtschaftsindikator der IHK auch in Westoberfranken einen kleinen Knick nach unten und fällt auf 124 Punkte - aber man muss sehen, wo Bamberg herkommt. 2003 stand der drei Mal im Jahr ermittelte Wohlfühl-Index der IHK-Unternehmen in Bamberg bereits bei 80. Und 2009 ließ die Bankenkrise auch hierzulande die Menschen bangen Monatelang wurde bei großen Unternehmen kurz gearbeitet.
Heute scheint dies lange vorbei. Statt dunkler Wolken überwiegt in den Chefbüros die Zuversicht. "Die Geschäftslage bewegt sich in Bamberg auf sehr hohem Niveau. Der Bamberger Wirtschaftsraum ist stark aufgestellt", meint der IHK-Boss mit Blick auf die Zahlen. 43 Prozent der befragten Unternehmen beurteilen die Geschäftlage als gut, nur acht als schlecht.

Gutes Leben "am Abgrund"

Aber Wirtschaft besteht nicht nur aus Fakten, sondern auch auch aus Psychologie. Deshalb verurteilt Trunk die übertriebenen Hiobsbotschaften nach der Senkung der bundesdeutschen Konjunkturprognose um wenige zehntel Prozentpunkte als wenig förderlich. Zumal sie sich in der Region nicht widerspiegelt. Anders als manche Großbank, die Deutschland bereits am Rande eines Abgrunds wähnt, zeigt die IHK-Umfrage in Bamberg allenfalls, dass sich "am Rande des Abgrunds" offenbar gut leben lässt. 26 Prozent der Bamberger Unternehmen erwarten auch in Zukunft eine gute Entwicklung, immerhin der beste Wert in Oberfranken. "Der Optimismus im Wirtschaftsraum Bamberg ist beeindruckend., Die Bamberger Unternehmen sind so solide aufgestellt, dass sie auch Konjunkturflauten nicht ins Schwanken bringen", freut sich Heribert Trunk.

Dabei sind es gerade die vermeintlichen Schwächen, die Vorteile bedeuten können. Zum Beispiel der schwache Euro. Der stark exportorientierten Wirtschaft in Oberfranken erleichtert der günstige Eurokurs, die Produkte auf den Auslandsmärkten, vor allem in den USA, zu platzieren. Das hat Auswirkungen auf die Unternehmen, die in den nächsten zwölf Monaten mit einem stark steigenden Auslandsgeschäft rechnen, aber auch auf jeden Bürger der Region. Denn die Zahl der Arbeitsplätze soll weiter wachsen.

Nachholbedarf beim Handel

Freilich: Die guten Wirtschaftsdaten sind kein Selbstläufer. Das zeigt der Blick in andere Städte und Landkreise Oberfrankens, die nicht über eine so stabile und vielfältige Struktur an Industrie- und Dienstleistungsunternehmen verfügen. Das belegt auch die Analyse der Bereiche, in denen auch Bamberg noch Nachholbedarf hat. Zum Beispiel der wichtige Sektor des Einzelhandel, traditionell einer der großen Jobmotoren. Hier fällt auf, dass Bamberg in den letzten sieben Jahren die zweitmeisten Arbeitsplätze von elf Gebietskörperschaften verloren hat. Nur der Landkreis Lichtenfels steht noch schlechter da. Folge dieses Schrumpfprozesses: Mit 2800 Arbeitsplätzen bewegt sich die Stadt Bamberg nur im Mittelfeld.

Droht dem Handel ein Tsunami?

Um dieses "Sorgenthema" in den Griff zu bekommen, fordert Trunk eine breite, ergebnisoffene Diskussion. "Es nütze nichts, Leerstände wie in der Langen Straße schön zu reden, wie es die Stadtverwaltung unlängst getan hat", sagt der IHK-Präsident. Die Überlegung, welche Richtung man in Bamberg in Zukunft mit der Innenstadt einschlagen will, hängt für ihn eng auch mit der Frage zusammen, was das richtige Maß für Bamberg ist. Das beginnt für Trunk beim Tourismus und führt bis zu den stark gestiegenen Studentenzahlen. Alleine die Bespielung der Innenstadt durch Events werde diese auf Dauer nicht am Leben erhalten.

Glaubt man dem Kammerpräsidenten bleibt nicht viel Zeit, um gegenzusteuern. Dem Einzelhandel bläst der Wind aktuell stark ins Gesicht. "Es gibt gewichtige Stimmen in Oberfranken, die reden mittlerweile nicht mehr nur von einem Strukturwandel, sondern von einem Tsunami", sagt Trunk.

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