Pommersfelden
Natur

Die giftigsten Frösche der Welt suchen Hautkontakt

Ausgerechnet der tödlichste Pfeilgiftfrosch der Welt springt mit Vorliebe auf Thorsten Spörleins Hand.Warum der junge Pommersfeldener keine Angst vor seinem Haustier hat - und was man bei der Haltung von Exoten beachten muss...
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Allein der Name lässt Schlimmstes befürchten: Schrecklicher Pfeilgiftfrosch. Und auch sein lateinischer Titel "Phyllobates terribilis" klingt nicht viel besser. Schrecklich schaut er aber eigentlich gar nicht aus, der kleine Hüpfer, wenn er in seinem Terrarium in einem Pommersfeldener Einfamilienhaus sitzt. Doch der Winzling hat es in sich - im wahrsten Sinne des Wortes. Die Natur hat ihm nicht umsonst schwarz-gelbe Warnfarben verpasst, die anzeigen: "Vorsicht! Lebensgefahr!" Mit dem Gift eines einzigen Frosches ließen sich wahlweise zehn Menschen oder auch zwei Elefanten töten, heißt es.

Trotzdem scheint Thorsten Spörlein keinerlei Angst zu haben, wenn er ins Terrarium greift - ohne Handschuhe oder sonstige Schutzausrüstung. Mit bloßen Händen. "Das Problem bei den Fröschen ist, dass sie zu zutraulich sind. Und die hier sind besonders sprunghaft", murmelt der 26-Jährige noch und zupft langsam das Blatt einer tropischen Pflanze zurecht. Die Pfeilgiftfrösche - von Spörleins Freundin Fred, Flori, Franzi, Frieda und Fiona getauft - hopsen hin und her. Doch Spörlein bleibt ruhig.

Was ihrem Tierhalter die Furcht nimmt, ist schlicht das Vertrauen auf die wissenschaftliche Erkenntnis, dass die kolumbianischen Amphibien, so "schrecklich" sie in freier Wildbahn auch sein mögen, ihr tödliches Gift nur im Dschungel entwickeln können. "Sie nehmen das Gift ihrer tropischen Beuteinsekten wie Ameisen und Spinnen auf und konzentrieren es", erklärt der Tierhalter. Damit die Frösche nicht am eigenen Gift zu Grunde gehen, blockieren die Amphibien bestimmte Regionen ihres Nervensystems. Im Pommersfeldener Terrarium speichern die Kolumbianer also kein Gift. Fred, der Schreckliche, und seine Geschwister sind also völlig ungefährlich.

Ebenso die anderen südamerikanischen Tropenfrösche, die Spörlein in seiner Wohnung hält: der Graubeiner-Färberfrosch, der Harlekin-Baumsteiger, der Färberfrosch Regina oder der Fransen-Blattfrosch. "Der Rotaugen-Laubfrosch ist einer der am meisten fotografierten Frösche der Welt. Aber nur die wenigsten wissen, dass er tagsüber meistens die Augen zu hat", erklärt der Mediendesigner, der in seiner Freizeit gerne selbst gestochen scharfe Aufnahmen seiner exotischen Mitbewohner macht.

Das Wissen um die Tiere hat sich Spörlein in Büchern und Magazinen angeeignet. 2008 hat alles mit ein paar Fröschen angefangen, die er als damals 15-Jähriger auf einer Bamberger Reptilienbörse gekauft hat. Davor rät er heute ab: "Die Tiere werden Stress ausgesetzt. Besser ist es, direkt vom Züchter zu kaufen. Dort erfährt man auch, wie man sie am besten halten kann."

Überhaupt ist die Haltung mit allerlei Vorschriften reglementiert. Bestimmte Tierarten stehen durch das Washingtoner Artenschutzübereinkommen unter einem besonderen Schutz. "Ziel des völkerrechtlichen Vertrages ist es, den internationalen Handel mit geschützten Tieren, wie beispielsweise den beliebten Griechischen Landschildkröten oder bestimmten Papageien, kontrollieren zu können", erklärt ein Sprecher des Landratsamtes. Auflagen für Tierhalter beinhalten demnach eine Meldepflicht über den Besitz und die Abgabe des Tieres, dessen Kennzeichnung sowie bei einem Kauf oder Verkauf die Ausweisung des Tieres mit Papieren. So hat Spörlein bei sich zu Hause einen ganzen Ordner mit Dokumenten seiner einzelnen Frösche. "Jede Veränderung im Tierbestand (auch Nachzucht) ist meldepflichtig. Ein Verstoß gegen die Meldepflicht kann mit einem Bußgeld belegt werden", mahnt das Landratsamt.

Der Tod eines Tieres muss genau so gemeldet werden, wie Zuchterfolge. Von denen hat der Pommersfeldener schon ein paar gefeiert: In einem Regal stehen mehrere Gläschen aufgereiht. Links wabern die winzigen Kaulquappen im Wasser, in der Mitte haben sie ihre typischen Lurchschwänze und Beine entwickelt - rechts haben sie sich dann schon zu fast ausgewachsenen Fröschen gemausert.

"Es gibt bei diesen Arten Probleme mit geschmuggelten Tieren", zeigt Spörlein Verständnis für die Reglementierung. Durch die Nachzucht könne man dazu beitragen, Preise zu drücken und Schmugglern das Leben schwer zu machen.

Gerade Anfänger sollten sich an erfahrene Züchter halten, rät er Interessenten. Ein typischer Anfängerfehler sei zum Beispiel, verschiedene Arten in ein Terrarium zusammenzustecken, was zu einer Vermischung führen könne. In Spörleins Wohnung hat deshalb jede Art ihr eigenes Revier. Die tägliche Bewässerung mit künstlichen Tropenregen funktioniert automatisch - auch ausmisten muss er nicht. Dafür sorgen winzige Helfer: Dschungelinsekten wie Springschwänze, die den Kot der Frösche auffressen. "Wenn ein Terrarium vom Mikroklima her passt und läuft, muss man eigentlich gar nichts mehr machen, außer füttern."

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