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Die Gesetze der Natur: Rechte und Pflichten der Wanderer

In Feld und Wald gelten verschiedene rechtliche Regelungen. Sven Hähle von der Bayerischen Wanderakademie gibt Orientierung im Paragrafendschungel.
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Wissen über die Natur gehört dazu: Wandertrainer Sven macht auf einen blühenden Lerchensporn aufmerksam.  Foto: Barbara Herbst
Wissen über die Natur gehört dazu: Wandertrainer Sven macht auf einen blühenden Lerchensporn aufmerksam. Foto: Barbara Herbst
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Am Rand eines oberfränkischen Wäldchens entdeckt Sven Hähle weiße und trübrote Blüten auf dem Boden: Lerchensporn. Der Wandertrainer blättert im Pflanzenbestimmungsbuch, findet die Seite, erklärt, dass es sich um den "Hohlen Lerchensporn" mit ganzrandigen Tragblättern handelt - weit verbreitet in ganz Franken.

Als Leiter der Akademie des Bayerischen Wanderverbandes vermittelt Sven Hähle auch Wissen über Flora und Fauna; der Verband versteht sich auch als Naturschutzorganisation. "Als die Wanderbewegung zur Zeit der Industrialisierung des 18. Jahrhunderts entstand, ging es um das Naturerlebnis. Je schneller alles tickt, umso mehr sehnen sich die Leute auch heute nach Natur." Wer sie genießt, hat ein Interesse daran, sie zu erhalten - nicht nur, weil polizeiliche Sanktionen oder Bußgelder drohen. Dennoch sollten Wanderer ihre Rechte und Pflichten kennen. Artenschutz Pflanzen und Tiere, die unter Naturschutz stehen, dürfen niemals gesammelt, gepflückt, versetzt, verändert, oder sonstwie in ihrem Lebensraum beeinflusst werden. Das bedeutet beispielsweise auch, dass verboten ist, zu lärmen oder Tiere auf andere Weise zu beunruhigen. In Naturschutzgebieten dürfen grundsätzlich auch keine Pilze gesammelt werden. Das ist im Bayerischen Naturschutzgesetz geregelt. Betretungsrecht Im Naturschutzgesetz ist auch das Recht auf Erholung in der Natur verankert. Bedeutet: Grundsätzlich darf jedermann Wälder und Fluren betreten ohne den Besitzer zu fragen. "Im Wald gilt freies Betretungsrecht, da darf man wandern und auch die Wege verlassen", erklärt Wandertrainer Sven. "Eingeschränkt ist das allerdings durch die Nutzung." Bei Baumfällarbeiten, einer Jagd oder aufgrund von Waldbrandwarnstufen können Wälder für die Allgemeinheit gesperrt werden. Außerdem gelten in Schutzzonen andere Regelungen: In Nationalparks, Naturschutzgebieten und einem Großteil der Fauna-Flora-Habitat-Gebiete gilt Weggebot: Wanderer dürfen die Wege nicht verlassen. Querfeldein über Äcker und Wiesen darf nur außerhalb der Bewirtschaftungszeiten gewandert werden. "Sobald das Gras anfängt zu wachsen, darf man nicht mehr drüber laufen. Kann sein, dass es gemäht und verfüttert werden soll." Wird die Fläche nicht genutzt, ist das Betreten erlaubt. "Zum Beispiel darf man über einen Maisacker quer drüber laufen, nachdem er abgeerntet wurde." Brandschutz Rauchen und offenes Feuer im Wald sind - je nach Bundesland - ganzjährig oder während der meisten Monate verboten. In Bayern gilt das von März bis Ende Oktober. Müll und Notdurft Bei der Ausübung des Rechts auf Naturgenuss und Erholung verpflichtet das Naturschutzgesetz zur Sauberhaltung der freien Natur. "Nimm alles wieder mit, was nicht in die Natur gehört", betont Wandertrainer Sven. Er bittet darum, sich auch auf "Notfälle" vorzubereiten: ungebleichtes Toilettenpapier in den Rucksack packen, bei "Toilettengängen" eine Stelle abseits des Weges suchen und Hinterlassenschaften mit Laub oder Steinen abdecken. Das moralische Gebot Umweltbewusstsein ist keine gesetzliche Vorgabe, aber aus Sven Hähles Sicht eine moralische Verpflichtung: "Unser Natursport ist ein Vorreiter für Nachhaltigkeit, Wanderer sollten die Natur achten und schützen." Also möglichst mit umweltfreundlichen Verkehrsmitteln (Bahn) an- und abreisen, besser in der kleinen Familienpension im Ort als im 5-Sterne-Hotel auf der Alm übernachten und bei der Einkehr regionale Speisen und Getränke wählen.



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