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Die Bürgermeister und der Fasching-Spaß

Beim Kölner Faschingsumzug wird es keinen "Charlie-Hebdo"-Wagen geben. In Zapfendorf darf die Festnahme vom Ex-Bürgermeister nicht zur Schau gestellt werden. Welche Grenzen gibt es bei den Faschingsumzügen im Landkreis?
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Im vergangenen Jahr sorgte dieser Umzugwagen für Gesprächsstoff beim Bamberger Umzug. Foto: Harald Rieger
Im vergangenen Jahr sorgte dieser Umzugwagen für Gesprächsstoff beim Bamberger Umzug. Foto: Harald Rieger
Eines steht beim Fasching in Zapfendorf heuer fest: Der letzte Bürgermeister Matthias Schneiderbanger hat auf den Umzugswagen nichts verloren. Darum hat sich der Koordinator Stefan Kabitz gekümmert. "Ich spreche mit allen vorher", erklärte Kabitz, Vorsitzender des Ortskulturringes (OKR). Er will nicht nur "anstößige Sachen" vermeiden, wissen "was auf uns zukommt", sondern auch Abwechslung für die Schaulustigen sichern.

Er kann sich noch erinnern, wie damals, "als das erste Mal Dschungelcamp aufgekommen ist", viele etwas dazu machen wollten. Dieses Jahr am "Faschingssonntag" ist weder Dschungelcamp, noch der Terroranschlag auf das Satiremagazin "Charlie Hebdo" ein Thema, verriet Kabitz. Die Zapfendorfer gehen die Themen, die auf die Schippe genommen werden, "eher zurückhaltend" an. Schlagzeilen gab es für die Bürger in letzter Zeit wohl genug.

In Sachen Ortspolitik geht es Stefan Kabitz vor allem darum, keine "vollendete Tatsachen" darzustellen. Matthias Schneiderbanger (CSU) war im vergangenen Jahr, Anfang Dezember, festgenommen worden. Ihm wird Veruntreuung vorgeworfen, aber noch sind es "Mutmaßungen", sagt Kabitz. Dass er eine Idee verbietet, kommt selten vor, meist müssen die Einfälle nur entschärft werden. "Gewaltige Überraschungen" sind immer wieder dabei.
In Hirschaid halten "sich die Gruppen ganz bedeckt". Und das bis zuletzt. Erst kurz vor dem Umzug werden die Gestaltungen offenbart. Jeder Verein und jede Gruppe werkelt vor sich hin. Überprüft oder zensiert wird von den Veranstaltern im Voraus kein Motivwagen, das weiß Manfred Gensel, Zweiter Vorsitzender vom OKR. Über die Entscheidung in Köln wurde in Hirschaid freilich diskutiert. Nach der letzten Prunksitzung überlegten die OKR-Mitglieder kurz: "Komm, fahren wir nach Köln und holen den ,Charlie-Hebdo'-Wagen ab, bei uns kann er mitfahren", sagt Gensel.


Alles außer "rechts"

Weder die Terroranschläge in Frankreich, noch die Diskussionen in Köln wirken sich auf den Umzug in Unteroberndorf aus. Beim lokalen Faschingsumzug ist "alles wie gehabt". Da ist sich Ambros Karmann, der als alljährliches "Güßbacher Wappenmännla" bekannt ist, sicher. Beim Umzug geht es eher um "Örtliches, also politisch-lokale Themen".

Ähnlich geht es in Weichendorf bei Memmelsdorf zu. "Wir sind eine kleine Gemeinde, wir bleiben lokalpolitisch", sagte Silvia Pfister vom Büro-Management Memmelsdorf. "Bestimmte Regeln oder Vorgaben haben wir nicht."

Anders hält es Oberhaid. Thomas Schmitt vom Gemeindeamt kündigt nicht ausschließlich "gemeindeinterne Wagen" an: "Wir halten die Themen sehr allgemeinpolitisch." Was er damit meint, erklärt er an einem erfundenen Szenario: "Sollte unser Bürgermeister gegen einen Zaun fahren - was natürlich nicht passiert ist - würde es dazu keinen eigenen Wagen geben."

Zwar nicht der Bürgermeister in Person, aber der Stadtrat als Gremium scheint in Hollfeld ein beliebtes Opfer von Neckereien zu sein. Mathias Arneth vom Ordnungsamt tippt heuer aber auf das Motiv der Stadtkasse, die immer leer sei. Eines würde Arneth sofort unterbinden: Anspielungen auf rechtsradikale Inhalte. "Die Wagen werden für die Sicherheitskontrolle im Bauhof aufgestellt." Wenn da ein Wagen mit "zu derben Sprüchen" auftaucht, muss kurzfristig was geändert werden. "Verbieten mussten wir aber noch nie einen Wagen", sagt er.

Überraschungen sind dagegen für alle Beteiligten beim Faschingszug in Buttenheim garantiert. Horst Feick, Vorsitzender des Kulturkreises, prophezeit "eine gute Mischung" aus 30 bis 35 Gruppen. Dabei kommt die Hälfte aller Wagen aus den eigenen Reihen, die anderen Motivwagen gestalten Bürger Nachbarorten. "Böse Überraschungen oder irgendwelchen Ärger", so Feick, hätten sie noch nicht erlebt. Meistens würden die Teilnehmer sowieso Geschichten aus dem eigenen Vereinsleben in Szene setzen.

Aufreger in Bamberg

Diskussionsstoff bis Unmut erregte ein Motivwagen von Norbert Tscherner beim Bamberger Faschingsumzug im vergangenen Jahr. Er hatte auf einem Plakat den damals noch amtierenden Bürgermeister Werner Hipelius und seinen Sohn Stefan (CSU) mit dem nordkoreanischen Diktator Kim Jong Un, der seinen Vater beerbte, in Verbindung gebracht (siehe Bild).

Dass sogar beim Fasching irgendwo der Spaß aufhört, erklärte damals Elferrats-Mitglied Franz Goetz. Beim Umzug am Faschingsdienstag halten es die Organisatoren heuer wie gehabt: "Die Aufschriften sollten sich im Rahmen der geltenden Gesetze befinden", sagt City-Manager Klaus Stieringer. Die Narrenfreiheit würde beim Bamberger Umzug mit rund 50 Wagen zum Beispiel dann enden, wenn es um Ausländerfeindlichkeit geht.
Ob Bamberg oder Oberhaid: Wer von Aufregern nicht erst aus der Zeitung erfahren will, muss die Narren selbst besuchen.

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