Bamberg
Gärtnertradition

Die Bamberger Süßholz-Ernte war harte Arbeit!

Zur Ernte des ersten Süßholzes in Bamberg kamen viele freiwillige Helfer auf die Erba-Insel. Auch Hildegard Fischer war unter ihnen. Sie hat dazu extra Spaten und Gartenschere mitgebracht. Die Süßholz-Ernte ist der Bambergerin noch aus Erzählungen ihrer Mutter bekannt.
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Hau ruck! Hildegard Fischer muss sich gewaltig anstrengen, um die Wurzeln des Süßholzes aus dem Boden zu bringen. Ev Schulz (rechts) hilft ihr dabei. Die beiden Frauen packten gerne mit an bei der ersten größeren Süßholz-Ernte auf der Erba-Insel. Foto: Ronald Rinklef
Hau ruck! Hildegard Fischer muss sich gewaltig anstrengen, um die Wurzeln des Süßholzes aus dem Boden zu bringen. Ev Schulz (rechts) hilft ihr dabei. Die beiden Frauen packten gerne mit an bei der ersten größeren Süßholz-Ernte auf der Erba-Insel. Foto: Ronald Rinklef
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Ihre Arbeitshandschuhe hat sie in die Jackentasche gesteckt - die braucht sie nicht. "Damit spürt man nichts", sagt Hildegard Fischer und zieht mit voller Kraft an einer langen Wurzel. Ihre Hände sind schon ordentlich dreckig. Die 69-jährige Bambergerin ist extra auf die Erba-Insel gekommen, um mit dabei sein zu können, wenn die ersten Wurzeln des Süßholzes seit über 60 Jahren in Bamberg ausgegraben werden. So lange wurde die Pflanze, aus der Lakritze oder Süßmittel für Tee hergestellt wird, nicht mehr in Bamberg angebaut.


Ein ehemaliger Exportschlager
Vor drei Jahren hat an der Stelle, wo Hildegard Fischer nun fleißig Wurzeln ausbuddelt, die Bamberg Süßholz-Gesellschaft mit dem Landesamt für Wein- und Gartenbau und dem Zentrum für Welterbe der Stadt Bamberg einen ersten Wiederanbauversuch gestartet.
Es sollte auch zur Landesgartenschau 2012 gezeigt werden, was seit dem Mittelalter bis in die 1950er Jahre in Bamberg kultiviert worden war. Ein richtiger Exportschlager war das Süßholz mal, bis der Anbau in Bamberg mangels Nachfrage eingestellt werden musste.

Für Hildegard Fischer, die mit Gartenschere und Spaten ausgerüstet zur Ernte vorbeigekommen ist, fühlt sich das ein bisschen wie eine Reise in die Vergangenheit an. Schließlich habe ihr ihre Mutter immer erzählt, wie sie in den 1920er Jahren als Kind am Zaun mit anderen Kindern stand und gehofft hatte, dass bei der Süßholz-Ernte noch was für sie abfallen könnte. "Süßes gab es damals ja kaum", erzählt Hildegard Fischer und säubert mit einem Taschentuch ihre Finger. Nun hilft Hildegard Fischer die erste Ernte einzufahren und denkt dabei an ihre Mutter.


Schwierige Ernte
"Es ist schon anstrengend", sagt Ev Schulz. Gemeinsam mit Ursula Haderlein ist sie ebenso wie Hildegard Fischer zur Ernte gekommen. Mit Spaten und allem. Die Frauen müssen richtig zupacken. Die langen Wurzeln sind ganz schön widerspenstig. "Es ist toll, dass das Süßholz jetzt geerntet wird", findet Karin Dengler-Schreiber von der Süßholz-Gesellschaft. Allerdings sagt sie mit Blick auf die schwere Arbeit, dass die Erfahrungswerte bei der Ernte fehlten. Kein Wunder: Es ist kaum etwas überliefert worden.

"Es ist nicht mehr viel übrig geblieben davon, wie das früher gemacht wurde", sagt auch Gertrud Leumer. Die Gärtnerin ist die Expertin in der Süßholz-Gesellschaft, doch auch sie kann nur auf das Motto "ausprobieren und lernen" verweisen. Dennoch: "Ich bin zufrieden mit dem, was wir geschafft haben", sagt Leumer, die am Tag der Ernte viel gefragte Gesprächspartnerin für die zahlreichen Medien war.

Bis zu 25 Helfer kamen teilweise spontan vorbei, um mit anzupacken und die rund 300 Stauden mit den verschlungenen Wurzelgeflechten aus dem Boden zu befördern. Zur Unterstützung war Josef Nagengast von der Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau mit einer Sellerie-Ernte-Maschine vor Ort. Doch auch die Maschine stieß an ihre Grenzen: "Sie kommt hier in den Boden nicht so tief rein." Die Wurzeln liegen tief, sie können mehrere Meter lang werden. Auch das Gras um die Stauden herum macht die Ernte schwierig. Dennoch: Es ist gelungen.

Nun sollen die Wurzeln beim Gemüsebauversuchsbetrieb der Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau an der Galgenfuhr gewaschen und später getrocknet werden. Danach schneiden Mitarbeiter der Lebenshilfe die Süßholzstangen und verpacken sie. Ein Teil des Süßholzes soll auch zu Lakritze weiterverarbeitet werden. Schließlich soll das fertige Produkt als Bamberger Spezialität später Touristen locken. Wie genau das Süßholz aber vermarktet werden soll, wird noch überlegt.

Helferin Hildegard Fischer freut sich jedenfalls über die erste Ernte, auch wenn sie zugeben muss, dass sie Lakritze gar nicht unbedingt mag.
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