Bamberg
Trinkwasser

Die Bahn kommt, das Wasser weicht

Südlich von Bamberg laufen die Vorbereitungen für den weiteren Bahnausbau: Durch die Trassenverbreiterung müssen 14 Brunnen der Stadtwerke verlegt werden. Dazu wurden bereits Probebohrungen durchgeführt.
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Die Stadtwerke suchen gemeinsam mit der Bahn nach Ersatz für eine Brunnengalerie im Stadtwald am Wasserwerk südlich von Bamberg. Die ersten Probebohrungen und Pumpversuche (im Bild) liefen bereits. Fotos: Matthias Hoch
Die Stadtwerke suchen gemeinsam mit der Bahn nach Ersatz für eine Brunnengalerie im Stadtwald am Wasserwerk südlich von Bamberg. Die ersten Probebohrungen und Pumpversuche (im Bild) liefen bereits. Fotos: Matthias Hoch
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Der Hauptsmoorwald ist für Bamberg Gold wert: Das wird gerade beim Trinkwasser deutlich. Es wird zu einem Drittel aus Fernwasser, zu zwei Dritteln direkt in Bamberg gewonnen. Vor allem im rund 4100 Hektar großen Schutzgebiet des Stadtwalds ist auch trotz derzeitiger Hitzewelle genug Grundwasser vorhanden, das unter dem Waldboden von Ost kommend mit einer Geschwindigkeit von drei bis fünf Metern pro Tag nach Westen fließt.

So kann etwa ein Brunnen der "Unteren Fassung" im Süden von Bamberg im Schnitt bis zu sechs Liter pro Sekunde an die Oberfläche transportieren. Die Brunnengalerie "Untere Fassung" verläuft im Stadtwald haarscharf entlang der Bahngleise (siehe Karte). "20 Prozent des Bamberger Wassers wird hier gewonnen", sagt Georg Spörlein vom Fachbereich Wasserversorgung und Analytik bei den Stadtwerken Bamberg. Das sind 900 000 Kubikmeter pro Jahr. Und ausgerechnet diese 14 Brunnen, die so wichtig für die Trinkwasserversorgung von Bamberg sind, müssen nun verlegt werden, da die Bahn plant, die Strecke auf vier Gleise auszubauen.

Auf die Schüttung kommt es an

"In Gesprächen mit der Bahn hat man eine Lösung erarbeitet", erklärt Spörlein. Das bestätigt auch ein Sprecher des Konzerns, der vom guten Einvernehmen mit der Stadt spricht. Die Arbeiten werden geotechnisch von Bahn und Stadtwerken betreut.

Um Ersatz zu finden, wurde bereits ganz in der Nähe, etwas weiter im Westen der "Unteren Fassung", gebohrt und zur Probe gepumpt. Wasser müsste in diesem Gebiet überall genug vorhanden sein. Und die "Untere Fassung" sei bisher auch die qualitativ beste Fassung, so Spörlein über die Brunnen, die schon seit rund 60 Jahren unmittelbar weiter südlich des Wasserwerks der Stadtwerke in Betrieb sind.

Gleichwertiger Ersatz ist laut Spörlein nicht so einfach zu finden. Durch leicht veränderte Geologie kann es schnell dazu kommen, dass Wasserfördermenge oder Qualität nicht ausreichen. Letztlich kommt es dabei auf die Bodenbeschaffenheit - der sogenannten Schüttung an. Die beauftragten Experten blicken auch genau darauf, wann im Boden die erste Schicht kommt, die ein Versickern des Wassers verlangsamt. Die vorhandenen Brunnen gehen in dem Bereich meist rund elf Meter in die Tiefe bis zur genannten ersten Sperrschicht, dem Feuerlettenboden, der darunter liegende Burgsandstein verhindert die weitere Versickerung.

Zum einen begrenzt das die Tiefe der Brunnen, zum anderen halten die Schichten das Wasser vom tieferen Versickern ab. Was laut Spörlein Vorteile hat: Mit nur einer Pumpe könne das Wasser aus 41 Brunnen gezogen werden, da es nicht allzu tief steht.

Weiter Bohrungen nötig

Wie sich nach den ersten Testbohrungen an den Ersatzstellen zeigt, eignen sich wohl nicht auf Anhieb alle Standorte. Deshalb müsse man gemeinsam mit der Bahn nach neuen Brunnen Ausschau halten und weitere Probebohrungen beziehungsweise Pumpversuche durchführen, heißt es von den Bamberger Stadtwerken.

"Unser Ziel ist es, die Wasserversorgung so früh wie möglich sicher zu stellen", erklärt Spörlein. Bis 2021 müssen die neuen Brunnen fertig gebaut sein. Danach will die Bahn mit dem Trassenbau beginnen. Möglich, dass die Suche und der Ausbau der neuen Brunnen im niedrigen zweistelligen Millionenbereich liegen könnte. Einen Großteil der Kosten soll voraussichtlich die Bahn übernehmen, in welchem Umfang ist aber noch nicht abschließend geklärt.

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