Mit 20:4 Stimmen beschloss der Marktgemeinderat am Dienstagabend den Bau eines Kinderhauses im Baugebiet Juliushof, das von der Kreisstraße Sassanfahrt-Rothensand erschlossen wird. Im Juliushof sind über 90 Prozent der 150 Bauplätze schon verkauft, viele junge Familien haben sich bereits angesiedelt, weitere werden folgen. Es entsteht gewissermaßen ein neuer Ortsteil in nächster Nähe zu Sassanfahrt. Der Kreisverband Bamberg der Arbeiterwohlfahrt (Awo) ließ sich daher nicht lange bitten, die Bau- und Betriebsträgerschaft eines Kinderhauses in dieser Siedlung zu übernehmen.

Wie Werner Dippold, Geschäftsführender Vorstand des Awo-Kreisverbandes, im Gemeinderat darlegte, wird der Gebäudekomplex von vornherein so ausgelegt, dass er auch einen Aufenthaltsraum etwa für die Seniorenarbeit oder Ortsteilversammlungen beinhaltet. Zwei Gruppenräume für Kinderkrippen und zwei Gruppenräume für Kindergarten sowie einen Gruppenraum für einen Kinderhort nebst den dazugehörenden Ruhe- und Nebenräumen soll der Neubau enthalten. Weil das Kinderhaus zum 1. September 2012 in Betrieb genommen werden muss, um die Zwischenlösung mithilfe eines Containers zu überwinden, drängte Bürgermeister Andreas Schlund, auf das Angebot der Awo einzugehen.

Vorbehalte gegen das Vorhaben wurden im Marktgemeinderat aus der Fraktion der Freien Wähler laut: Vergeblich baten die Mitstreiter von Klaus Busch, dem Vorsitzenden des Vereins "Netzwerk", um einen Monat Bedenkzeit. Bis zur Juli-Sitzung des Gemeinderats wollten die Freien Wähler, die sich von dem kurzfristig vorgelegten Konzept der Awo überrumpelt fühlten, näher informieren und auch Standortalternativen untersuchen.
FW-Sprecher Georg Kestler ("Ich fühle mich überfahren!") machte darauf aufmerksam, dass der Juliushof auf Dauer nicht die Zahl von Kindern aufweisen werde, die zur Auslastung einer Tagesstätte nötig seien. Dem wurde entgegengehalten, dass der Standort Juliushof auch von benachbarten Ortsteilen gut zu erreichen ist.

Das von den Freien Wählern vorgetragene Argument, unzureichend über das Awo-Projekt informiert zu sein, wiesen unter anderem Elke Eberl (CSU) und Peter Dresel (CSU) zurück. Es sei im Haupt- und Bauausschuss zur Sprache gekommen und im Übrigen hätten sich die Freien Wähler ebenso wie die CSU-Fraktion direkt vom Awo-Geschäftsführer unterrichten lassen können.

Informationsdefizite musste gleichwohl auch die CSU-Fraktion eingestehen, denn als etwa Kurt Barthelmes (FW) wissen wollte, wie viel der Neubau der Awo denn nun kosten werde und welche Belastung auf den Markt Hirschaid zukommen werde, konnte niemand Zahlen nennen. Bürgermeister Andreas Schlund (CSU) machte deutlich, dass die Gemeinde bei jedem Kindergartenprojekt das Grundstück zur Verfügung stellen müsse und dass die Baukosten eines Kindergartens durch die Zuschussmodalitäten gedeckelt seien.

Erst nach der grundsätzlichen Zustimmung des Marktgemeinderates und der Bezirksregierung wird sich der Bauträger an die Feinplanung machen und die Kosten ermitteln können, warb Schlund um Geduld. Immerhin steht die Zusage der Awo, zehn Prozent des Aufwands zu tragen. Hinsichtlich des Grundstücks geht Hirschaid kein Risiko ein, weil vereinbart werden soll, dass es die Awo zurückgeben müsse, wenn sie sich einmal aus dem Kinderhaus zurückziehen sollte.

Awo-Geschäftsführer Dippold versicherte, sich bei den Gebühren an den in Hirschaid üblichen Elternbeiträgen zu orientieren. Und für ihn ist es auch selbstverständlich, dass die Erzieherinnen, die zwischenzeitlich die Containergruppe des Sassanfahrter Kindergartens betreuen, auch im Kinderhaus beschäftigt werden.
Während Zweite Bürgermeisterin Romana Gensel in dem Konzept der Awo noch "sehr viele Lücken" ausmachte, plädierte Dritter Bürgermeister Erwin Krämer für den "Mercedes" unter den denkbaren Lösungsmöglichkeiten, für ihn ein fantastisches Konzept, das die Arbeiterwohlfahrt vorgelegt hat.

Nach einer Sitzungsunterbrechung, in der sich die Freien Wähler zu interner Beratung zurückzogen, stimmten nur noch Kurt Barthelmes, Klaus Busch, Peter van Dun und Manfred Böhm gegen das Awo-Projekt im Juliushof.