Bamberg

Die Anfänge: So kam das Spielmobil im Bamberg auf Touren

Als reines Ferienabenteuer begann das Projekt, das in Bamberg vor über 30 Jahren initiiert wurde: Das Spielmobil, das mittlerweile vom Frühjahr bis zum Herbst tourt, nahm Fahrt auf. Unter den Kids, die sich auf Stippvisiten freuten, war auch die heutige Gleichstellungsbeauftragte.
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Ein Bild aus den Pionierzeiten des Spielmobils. Die Buben und Mädchen von damals müssten heute Mitte bis Ende 30 sein. Foto: Archiv Spielmobil
Ein Bild aus den Pionierzeiten des Spielmobils. Die Buben und Mädchen von damals müssten heute Mitte bis Ende 30 sein. Foto: Archiv Spielmobil
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Welke Blätter treiben im Wind, tanzen über Wiesen und Wege. Ruhig ist's auf der Jahnhalbinsel, wo in den Sommerferien lautstark gehämmert, gesägt, genagelt und gepinselt wurde. Verschwunden ist eine weitere Hüttenstadt, die kleine Bauherren entwarfen, realisierten und bevölkerten, bis es an der Zeit war, Abschied zu nehmen. Letzte Runden drehte das Spielmobil seither noch in Bamberg, dessen Winterpause nun beginnt. Wir aber blicken anlässlich der Spiele- & Rätselwochen noch einmal zurück - bis ins Jahr 1982, als das erste Ferienabenteuer begann.

Mit dem kleinen Bruder

So lief vor über drei Jahrzehnten das erste Spielmobil-Projekt an, um Kindern in der schulfreien Zeit die Langeweile zu vertreiben: Buben und Mädchen wie der kleinen Wildensorgerin, die heute die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Bamberg ist.
"Ja, ich freute mich immer besonders auf das bunt bemalte Spielmobil, zumal damals in den Ferien wenig los war", erinnert sich Gabriele Kepic. "Mit all meinen Freunden kam ich auf den Spielplatz, wo die tollsten Sachen aufgebaut wurden. Wir konnten basteln, herumtoben, Hula-Hoop-Reifen kreisen lassen." Klar, dass sich das auch Gabriele Kepics fünf Jahre jüngerer Bruder Ralph nicht entgehen ließ, der seine große Schwester bei dem Ferienabenteuer begleitete.

Bauwagen geliehen

"Zu verdanken haben wir das Spielmobil dem früheren Stadtjugendpfleger Hans Rohatsch", berichtet Markus Hörner als Geschäftsführer des Vereins Chapeau Claque, zu dem das Projekt seit 1992 gehört. Rohatsch begeisterte den damaligen Jugendamtsleiter Heinrich Grafberger von der Idee - und Oberbürgermeister Paul Röhner, der gerade sein neues Amt als Nachfolger von Theodor Mathieu angetreten hatte. Dabei rückte im ersten Jahr noch ein Bauwagen als Spielmobil aus, den ein vom Gartenamt entliehener Traktor zog. Während im zweiten Jahr schon ein geliehener Möbelwagen sieben Wochen lang von Spielplatz zu Spielplatz kurvte, bevor das Projekt 1984 ein eigenes Fahrzeug bekam: Einen 16 Jahre alten DB 606, der eine Lautsprecheranlage besaß. Grünes Licht gab der OB dem Lkw und wünschte "ihm und seinem Betreuungsteam einen stets pannenfreien Einsatz".
Vieles war damals noch möglich, was mittlerweile zahllose Bedenkenträger auf den Plan riefe, so Hörner, der die Anfänge des Spielmobils begleitete: "Wir machten den Sylvanersee mit Ruderbooten und schwimmenden Inseln unsicher." An Interessenten, die sich mit oder ohne Eltern zu Ferien-Aktionen einfanden, mangelte es nicht. Gleich im ersten Jahr nutzten 50 Kinder pro Tag das Angebot, wie der FT berichtete.

Mit Häuptling "Singender Bär"

Größer und größer wurde das Spiele-Arsenal, das im Bauch des Oldtimers lagerte und in den Sommerferien mit Betreuern wie anfangs Christoph Pelikan und Lothar Schulz auf Tour ging. Wer erinnert sich noch an die Häuptlinge "Singender Bär" und "Springender Fisch", wie sich das Dream-Team Kindern vorstellte? Pelikan, Schulz und etliche andere tonangebende Indianer sorgten mit ihrem Engagement jedenfalls dafür, dass das Projekt im Lauf der Zeit von sieben Wochen auf sieben Monate (April bis Oktober) ausgedehnt wurde. Und das Spielmobil seit 2001 auch durch den Landkreis tourt. Auf jährlich 100 Spielaktionen summiert sich das Angebot mittlerweile, wie im Netz unter www.spielmobil-bamberg.de nachzulesen ist, wobei "mehr als 5000 Kinder" erreicht würden.

Jährliche Highlights sind bis heute - unter dem Kommando von Oberindianerin Anja Gunreben - integrative Spielfeste neben den Hüttenstadt-Abenteuern, die zweimal von der Unesco ausgezeichnet wurden. Übrigens schwärmt die Pädagogin von einem neuen interessanten Projekt, das heuer erstmals über die Bühne ging. Unter dem Titel "Abenteuer Spiel - Der Entdecker bist Du! - Kultur macht stark" wendet es sich an Jungen und Mädchen im Alter zwischen sechs und zwölf Jahren, die sich auch aktiv an der Gestaltung und Verschönerung ihres Viertels beteiligen möchten. Einen Spielplatztest gab's im Babenberger Viertel beispielsweise, bei dem die Knirpse eigene Wünsche und Verbesserungsvorschläge einbringen konnten. "Wir besuchten die Stadtgärtnerei, um anschließend öde Flächen zu bepflanzen, wie's beim Guerilla Gardening angesagt ist", so Anja Gunreben. Bei einem Graffiti-Kunstprojekt tobte sich der Nachwuchs aus, um dabei nicht zuletzt auch Sprachbarrieren zu überwinden. So will das Spielmobil eben gerade Kinder mit Migrationshintergrund erreichen und setzt in Stadtteilen mit "erhöhtem sozialen Entwicklungsbedarf" wie eben dem Babenberger Viertel, Bamberg Ost (Troppauplatz) und der Gereuth spielpädagogische Schwerpunkte.

Im kommenden Frühjahr geht's weiter, wie die Leiterin des Spielmobils verspricht. In jedem Fall: Wir bleiben am Ball!

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