Bamberg
Vernissage

Des Herzogs große Liebe

Wie Herzog Max die Zither entdeckte. Den Weg vom Bauern- zum geadelten National-Instrument veranschaulicht eine Ausstellung im Historischen Museum
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Der fesche Herzog Max in Bayern beim Zitherspiel  Fotos: Rüdiger Klein
Der fesche Herzog Max in Bayern beim Zitherspiel Fotos: Rüdiger Klein
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Es gibt Ereignisse und Anlässe, da sind sogar Franken traurig, dass Bayern seit mittlerweile 100 Jahren keine amtierenden Royals mehr hat. Im Historischen Museum in der Alten Hofhaltung am Domberg gab es jetzt so einen Moment. Die Museumsdirektorin Regina Hanemann, ihr Team und die Stadt hatten eingeladen, bei der Eröffnung der Ausstellung "Der gute Stern oder wie Herzog Max in Bamberg die Zither entdeckte" dabei zu sein.

Wer kam, durfte von Kulturbürgermeister Christian Lange (CSU) erfahren, dass die Ausstellung über den Kaiserin-Sisi-Papa und seine große Liebe zum Zitherspiel lange schon der innigste Wunsch der Museumschefin gewesen sei. In Erfüllung ging er nun ganz und gar großartig - Ehrengast bei der Ausstellungseröffnung war Herzogin Elisabeth in Bayern. Sie war extra vom Tegernsee angereist, um die, wie sie selbst erklärte, kritisch, schön und klug eingerichtete Präsentation nachgerade zu adeln.

Der große Sohn kehrt zurück

Leutselig, charmant und warmherzig mischte sich die gebürtige Schwedin unter die gut Hundert Gäste der Eröffnungsfeier, hatte Freude an der Ausstellung, am Zitherspiel der Virtuosin Petra Hamberger und an so mancher überraschenden Entdeckung, die sie in der Ausstellung und in den Gesprächen machen durfte. Das Museumsjahr in Bamberg aber hat seinen Höhepunkt gefunden und die Stadt findet, wenn auch spät, zu einem ihrer großen Söhne zurück.

Herzog Max in Bayern wurde am 4. November 1808 in der Neuen Residenz zu Bamberg geboren. Am 22. oder 26. Februar 1837 entdeckte der kunstsinnige Herzog seine Liebe zur Zither-Musik. Der Programmzettel für das Konzert im Nationaltheater zu Bamberg kündigte damals "Herrn Johann Petzmeyer, erster Zytherspieler aus Wien" an. Herzog Max hörte das Konzert, war hin und weg, holte den Virtuosen Petzmayer zu sich an den Hof nach München, ließ sich von ihm das Zitherspiel beibringen und begann wenige Jahre später sogar selbst, Kompositionen für die Zither zu schreiben.

Die ganz Familie ging schließlich durch Petzmayers Schule, auch die Tochter Sisi, die spätere Kaiserin von Österreich. Der volksnahe und an der bayerischen Kultur und allem Brauchtum interessierte Herzog ließ es aber nicht dabei bewenden. In der Ausstellung weisen Notate von seiner Tafelrunde in München oder auch eine frühe Fotografie, die ihn mit weiteren Honoratioren bei einer Zitherrunde vor der Klosterkirche Banz zeigt, nach, dass der "Zithermaxl" sich gern unters Volk mischte. Da, bei den Wirtshausrunden, blieb er gerne unerkannt, freute sich aber umso inniger über Applaus und Anerkennung. Die Zither, die lange Zeit als das Instrument der Bauern, Vagabunden und Boazenhocker galt, adelte Herzog Max nicht nur, er erklärte sie gar zum bayerischen National-Instrument.

Die Ausstellung in der Alten Hofhaltung spannt nun den Bogen von der Entwicklung der Zither bis zum abenteuerreichen Leben des komponierenden, dichtenden und musizierenden Herzogs. In den einzelnen Ausstellungs-Boxen wird die Entwicklung bis hin zur Konzertzither oder der E-Zither auch von Hörproben begleitet.

Wie die Zither 1872 nach Amerika kam, wird ebenso anschaulich erläutert wie ihr Missbrauch durch die Nationalsozialisten. Das Instrument der Volksmusik schlechthin war die Zither in den 1920er und 1930er Jahren sowieso und die Nazis setzten sich ohnehin gerne auf jede auch noch so unschuldige Kulturäußerung des Volkes drauf, um sie für die Gleichschaltung der Gesellschaft zu missbrauchen.

Die Zither im Kino

Aber spätestens mit dem Kino-Welterfolg "Der dritte Mann" von Carol Reed, der 1949 mit der Musikbegleitung des Wiener Zither-Virtuosen Anton Karas in die Lichtspielhäuser kam, war die Reputation der unschuldigen Schönen vom Land und aus dem Wiener Wald wieder hergestellt. Jeder kennt das Titelthema, die Harry-Lime-Melodie, des Films und kann es aus dem Stand nachsummen. Auch im Winter 2018 noch. Und einmal, im Oktober 1967 war der legendäre Karas auch in Bamberg. Da spielte er zur Eröffnung des 246. Wienerwald-Restaurants auf. Das und vieles mehr ist in der Ausstellung "Der gute Stern oder wie Herzog Max in Bamberg die Zither entdeckte" dokumentiert.

Zur Ausstellung, die bis zum 3. Februar 2019 zu sehen ist, gibt es ein umfassendes Begleitprogramm, das am 11. und 12. Januar 2019 in einem Zitherfestival in der Stadtgalerie Bamberg - Villa Dessauer gipfelt. Es gibt auch einen Katalog zur Ausstellung. Das Historische Museum in der Alten Hofhaltung ist Dienstag mit Sonntag von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Bis zum 13. Januar 2019 gibt es auch Sonderöffnungszeiten am Montag. Ebenfalls von 10 bis 17 Uhr.

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