Würgau
Straßenverkehr

Der Würgauer Berg ist für Motorräder an Ostern gesperrt

Nachdem nichts gefruchtet hat, ist der Würgauer Berg für Motorradfahrer an Wochenenden und Feiertagen gesperrt. Zunächst ein Jahr lang.
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Foto: Georg Stöhr
Foto: Georg Stöhr
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Aus und vorbei. Schluss! Seit Oktober 2017 steht es Schwarz auf Weiß und für alle sichtbar zu lesen: An Wochenenden und Feiertagen ist der Würgauer Berg für Motorradfahrer tabu. Das ist das finale Mittel der Wahl, mit dem alle zuständigen Behörden Motorradunfälle auf der bei Bikern beliebten Strecke einen Riegel vorschieben wollen.

Im Herbst 2017 wurden die vom Staatlichen Bauamt in Auftrag gegebenen Schilder, die juristisch auf einer Anordnung des Landratsamtes Bamberg fußen, rund um den Berg aufgestellt. Das vorläufige Ende einer nahezu unendlichen Geschichte, in der es um Sicherheit auf dem zweieinhalb Kilometer langen Abschnitt auf der B 22 geht, die den kurvenreichen Würgauer Berg hinauf führt.

Mit Beginn der Motorradsaison fand deshalb bereits am letzten Sonntag die erste Kontrollaktion der Polizeiinspektion Bamberg-Land statt. Mit mehreren Streifen führten die Beamten sowohl stationäre als auch mobile Kontrollen durch, wobei auf der gesperrten Strecke vier Motorradfahrer festgestellt wurden.

Bei der Kontrolle überprüften die Ordnungshüter die Motorräder auf Einhaltung der technischen Vorschriften, leiteten das vorgeschriebene Ordnungswidrigkeitsverfahren ein und schickten alle wieder zurück. Von den einheimischen Motorradfahrern aus Stadt und Landkreis Bamberg wird die neue Regelung respektiert. Keiner der beanstandeten Fahrer war aus dem Landkreis Bamberg.

Auch in diesem Jahr steht bei der Polizeiinspektion Bamberg-Land der Unfallschwerpunkt "B22 - Würgauer Berg" ganz oben auf der Agenda. Neben Geschwindigkeitskontrollen wird auch die temporäre Sperrung der Strecke verstärkt überwacht.

In den vergangenen Jahren waren etliche Maßnahmen erfolgt, die den Bikern das Rasen auf der Bergstrecke verleiden und zugleich für mehr Sicherheit sorgen sollten. Beispielsweise wurden Leitplanken mit Unterfahrschutz versehen, oder die so genannte Applauskurve für Zuschauer unzugänglich gemacht.

Nach drei schweren Unfällen mit vier Schwerstverletzten allein an einem Mai-Wochenende (2017) wurden umgehend noch einmal bauliche Maßnahmen - doppelte Mittellinie, Unfall-Schwerpunkt-Warnschilder - umgesetzt. Insgesamt verunglückten am Unfallschwerpunkt Würgauer Berg 2017 9 Personen mit Motorrädern. 7 wurden schwer verletzt und 2 leicht verletzt. Damit waren fast ein Drittel aller schweren Motorradunfälle im Landkreis Bamberg am Würgauer Berg auf der 3 km langen Bergstrecke. 2017 ist der dramatische Höchststand der Unfallzahlen am Würgauer Berg seit Beginn der Unfallaufzeichnungen.


Die Polizei hat nach wie vor regelmäßige Kontrollen durchgeführt: an jedem Wochenende und an solchen Tagen, an denen eine hohe Zahl an Motorradfahrern zu erwarten war. Abschrecken sollte auch die Veröffentlichung der Bilanzen der Kontrollen. Doch wohl nur die nun erfolgende Sperrung wird wohl wirklich Wirkung zeigen.

 


Polizei weiter präsent

"Gott sei Dank", kommentiert Albert Häfner, Leiter der Polizeiinspektion Bamberg-Land, diesen Schritt. Er ist Landrat Johann Kalb dankbar für den Mut, diese Entscheidung zu treffen. Selbstverständlich wird die Polizei am Würgauer Berg auch weiter Präsenz zeigen und speziell die Einhaltung des Fahrverbotes überprüfen. Wer gegen dieses verstößt, so lässt Häfner wissen, kann mit ganz empfindlichen Konsequenzen rechnen.

Die neue Regelung am Würgauer Berg sorge wohl dennoch auch dafür, dass sich die Polizei wichtigeren Ereignissen als Rasern widmen kann.

Vorerst gilt dieses Fahrverbot für Biker (an Wochenenden und Feiertagen) für ein Jahr. Danach werden sich die zuständigen Stellen erneut zusammensetzen und Bilanz ziehen.

Freilich bedeuten Biker für Gastronomen am Ort und den Fremdenverkehr eine Einnahmequelle. Aber auch hier wird man das erste Jahr mit Fahrverbot erst einmal abwarten und in der Folge analysieren müssen.

Für die Bewohner Würgaus dürften die nun beginnenden zwölf Monate erst einmal ein deutliches Mehr an Ruhe bedeuten. Manche, so war zu erfahren, haben den Ort während der Motorradsaison an Wochenenden sogar verlassen.

Möglich wird die einjährige Sperrung durch eine verkehrsrechtliche Anordnung des Landratsamtes Bamberg, mit der Landrat Johann Kalb insbesondere auf die Vorfälle dieses Jahres reagiert hat und nachdem man von einem gleichen Schritt in einer anderen Gemeinde mit ebensolcher Problematik erfahren hatte.

 



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