Oberhaid
Natur

Landkreis Bamberg: Wolfssichtung bei Bamberg - Ist das Tier auf der Durchreise?

Der Landkreis Bamberg sieht rot - oder besser infrarot: Fotos von Wildkameras haben bei Oberhaid ein kräftiges Tier abgelichtet. Für Spezialisten steht fest: Es ist ein Wolf. Wie geht es nun weiter?
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Dieses Farbfoto aus dem Oberhaider Wald dient den Experten des Landesamtes für Umwelt als Beweis: ein Wolf durchstreift den Landkreis.  Foto: privat/Gemeinde Oberhaid
Dieses Farbfoto aus dem Oberhaider Wald dient den Experten des Landesamtes für Umwelt als Beweis: ein Wolf durchstreift den Landkreis. Foto: privat/Gemeinde Oberhaid
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Der Wolf ist also tatsächlich da - oder war es zumindest. Am Montagvormittag (19. März 2019) bestätigten die Experten, dass es sich bei dem in der vergangenen Woche mehrfach von verschiedenen Wildtierkameras im Wald bei Oberhaid fotografierten Tier um einen Wolf handelt.

Wolf bei Oberhaid eindeutig identifiziert

Auf den Farbbildern könne "eindeutig ein Wolf identifiziert werden", hätten die Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) und das Wildtiermanagement des bayerischen Landesamtes für Umwelt (LfU) der Gemeinde Oberhaid und der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt mitgeteilt, wie es in einer Pressemitteilung des Landratsamtes heißt.

Spezialisten tippen auf einen einzelnen Wolf

"Wir gehen von einem einzelnen durchziehenden Wolf aus, der täglich 50 bis 70 km zurücklegen kann", informierte Sarah Schölzel vom LfU. In der Regel verliere sich nach einem Fotonachweis die Spur. Soweit möglich, werde man versuchen, das Tier über genetisches Material zu identifizieren. Dann werde sich eventuell auch herausstellen, ob dieser Wolf bereits an anderer Stelle erfasst worden ist.

Wolf tappt in Fotofalle bei Oberhaid

Der Oberhaider Wolf war erstmals am vergangenen Mittwoch in eine Fotofalle getappt, dann wieder am Donnerstag und am Freitag. Zuletzt wurde das Tier am Samstag noch zwei Mal gesichtet, einmal sogar mit einem Stück Beute zwischen den Zähnen, berichtet Oberhaids Bürgermeister Carsten Joneitis (SPD), der selbst am Freitagabend vom Jagdpächter informiert worden war und umgehend das Wildtiermanagement des LfU eingeschaltet hatte. Zudem gebe es auch ein vom Jagdpächter angefertigtes Video. Dieses Video und die Infrarotaufnahme seien nicht ausreichend aussagekräftig gewesen, urteilten die Experten in Sachsen. Die Farbbilder aber sehr wohl.

Unter Naturschützern hatten die Bilder Aufregung ausgelöst. Denn anders als bei den unscharfen Aufnahmen von einem wolfsähnlichen Tier bei Scheßlitz, waren die Aufnahmen aus dem Oberhaider Wald sehr deutlich. In den vergangenen Wochen hatte es mehrere Hinweise auf den Wolf gegeben, darunter zwei gerissene Rehe im Memmelsdorfer Ortsteil Meedensdorf sowie bei Königsfeld. Doch den Sichtungen folgte stets eine Entwarnung aus dem Landesamt für Umwelt: Die Hinweise deuteten auf Hunde hin - nicht auf einen Wolf. Doch die Oberhaider Farbfotos ließen offenbar keinen Zweifel.

Fotos werden verifiziert

Wie geht es nun weiter? Die beteiligten Stellen würden sich nun abstimmen, welche Maßnahmen einzuleiten seien, heißt es vonseiten des Landratsamtes. Die Rückkehr des Räubers war am Montagnachmittag auch Thema in einer Dienstbesprechung der Bürgermeister.

"Die Tierhalter sind informiert", sagt Joneitis. Zu ihnen gehörten auch zwei Hobby-Schafhalter in Ober- und in Unterhaid. Man warte nun auf die Wolfsberaterin aus dem Netzwerk Große Beutegreifer des LfU, die vor Ort zunächst verifizieren müsse, dass die Fotos tatsächlich dort aufgenommen wurden. "Ich warte nur auf das Go aus dem Landesamt für Umwelt", bestätigt Gerlinde Weinhäupl aus Litzendorf. "Dann fahre ich nach Oberhaid, um die Fotos zu verifizieren." Stimmt die Örtlichkeit? Passt die Perspektive? Fälschungen sollen zweifelsfrei ausgeschlossen werden, denn das hochauflösende Foto gilt als Beweis für die Rückkehr des Jägers.

DNA-Test ermöglicht Identifizierung

Findet sich noch ein gerissenes Reh oder Kot, kann noch ein DNA-Test hinterhergeschoben werden. Dies würde weitere Aussagen über den Wolf erlauben. Zum Beispiel ob es sich um ein männliches oder ein weibliches Tier handelt.

Auch könnten eventuell Hinweise auf die Herkunft des Tieres gefunden werden. Ob der Wolf noch in der Gegend ist oder sich gar dort ein Revier sichert, ist vollkommen unklar. Das Waldgebiet um den Semberg zwischen Oberhaid und Kemmern allein wäre jedenfalls viel zu klein.

Wölfe haben ein großes Revier

Etwa 150 bis 350 Quadratkilometer misst in der Regel ein mitteleuropäisches Wolfsrevier. Das entspräche etwa einem Drittel des gesamten Naturparks Haßberge. Aber auch der nahe Steigerwald wäre eine Option. Für den Wolf als guten Schwimmer ist der Main kein Hindernis. Flüsse überwindet er mühelos, weitaus gefährlicher sind Autobahnen.

Das Tier könnte also auch schon wieder ganz weit weg sein. Bei möglichen Tagesetappen von 50 bis 70 Kilometern, könnte der Wolf seit dem Wochenende bereits das Fichtelgebirge, die Oberpfalz, den Raum Nürnberg oder den Spessart erreicht haben.

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