Bamberg
Bildung

Der Wille der KHG-Schulfamilie setzt sich durch

Am Donnerstag wird der Zweckverband Gymnasien aller Voraussicht nach beschließen, dass das Kaiser-Heinrich-Gymnasium am alten Standort saniert werden soll.
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Stephan Mühlich kämpft mit dem Elternbeirat des KHG seit Monaten für eine Standortgarantie. Foto: Stefan Fößel
Stephan Mühlich kämpft mit dem Elternbeirat des KHG seit Monaten für eine Standortgarantie. Foto: Stefan Fößel

Stephan Mühlich hat auch im Regen gut lachen. Denn in sein letztes Jahr im Elternbeirat (seine dritte Tochter macht dort 2020 Abitur) des Kaiser-Heinrich-Gymnasiums (KHG) fällt eine wichtige Weichenstellung: Die Schule soll dort bleiben, wo sie ist. Damit ist ein Umzug in einen Neubau am Stadtrand, wie er zeitweise im Raum stand, vom Tisch. Dass am Donnerstag im Zweckverband entsprechend entschieden wird, dürfte dank diverser Vorfestlegungen außer Zweifel stehen. "Das KHG soll an seinem derzeitigen Standort erhalten bleiben und an Ort und Stelle saniert werden - in dieser klaren Forderung sind sich der Vorsitzende des Zweckverbands Gymnasien, Landrat Johann Kalb, Bambergs Oberbürgermeister Andreas Starke sowie Bildungsreferent und Zweiter Bürgermeister Dr. Christian Lange einig" heißt es bereits Tage vor der Sitzung in einer gemeinsamen Presseerklärung.

"Wir wollen Klarheit und Sicherheit für Schüler, Eltern und Lehrkräfte. Deshalb werden wir diese wichtige Entscheidung, den Standort zu erhalten, schon am 23. Mai treffen", so Verbandsvorsitzender Johann Kalb (CSU). Das betonte auch Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) in einem Antwortschreiben auf ein Positionspapier des Elternbeirats: "Wir müssen die Kräfte bündeln, um an Ort und Stelle die erforderliche Sanierung durchzuführen."

Für eine solch klare Positionierung wichtiger Entscheidungsträger hat die Schulfamilie seit Monaten gekämpft. "Erst wenn man Druck macht, passiert was", sagt Mühlich. Einige Stadträte hätten mit dem Gedanken an einen Neubau an anderer Stelle geliebäugelt. Die dafür ins Feld geführten Argumente wie mögliche Platzprobleme, Brandschutz- und Verkehrsbedenken hält der Elternbeirat für vorgeschoben. Es gehe vor allem um das Grundstück. "15000 Quadratmeter in 1a-Lage, das ist vielleicht ein Wert von 15 Millionen Euro." Entsprechend deutlich hat es der Elternbeirat in seinem Positionspapier formuliert: "Der Zweckverband, insbesondere die Vertreter der Stadt Bamberg, sollten nicht der Versuchung erliegen, durch Umsiedelung der Schule ein immobilienwirtschaftlich interessantes Filetstück am Fuße der Altenburg für hochwertige Wohnbebauung freizubekommen. Die dringend benötigten preiswerten Wohnungen würden dort sicher nicht entstehen."

Mehrfach waren Kalb, Starke und Lange ins Schulforum eingeladen worden, dem Schüler-, Eltern-, und Lehrervertreter angehören. Auch die Stadt- und Kreisräte sollten sich vor Ort ein Bild machen. "Wir haben hier eine moderne Umsetzung des Humanismus - warum sollten wir das für einen gesichtslosen Neubau aufgeben?", fragt stellvertretender Schulleiter Eugen Ullmann, der wie Stephan Mühlich bei einem Gang durchs Schulgebäude ins Schwärmen kommt - trotz aller dringend notwendigen Sanierungen. "Die Eltern waren gegen einen Neubau und nachdem einige Räte zum ersten Mal überhaupt am KHG waren, waren auch sie überzeugt, dass das Schulgebäude in der Substanz noch gut ist", sagt Mühlich.

Auch Schüler machen sich stark

Ullmann öffnet die Türen zu großen, hellen Klassenzimmern, in denen freilich im Zuge der Brandschutzertüchtigung schon einiges passiert ist. Aus vielen Räumen blickt man auf den Dom und andere Sehenswürdigkeiten. Ullmann sieht wie der Elternbeirat auf dem Gelände noch Raum für Erweiterungen - oder drüber: "Der mittlere Gebäudetrakt war ursprünglich ein Stockwerk höher vorgesehen. Wenn wir das jetzt noch draufsetzen, könnten wir leicht acht Klassenzimmer gewinnen."

Bildungsreferent Lange räumt ein, dass er auch alternative Schulstandorte im Berggebiet prüfen lassen wollte. "Ich wollte einen ergebnisoffenen Prozess. Aber ich beuge mich dem starken Willen der Schulfamilie, der für uns eine sehr hohe Bedeutung hat. Dass sich Eltern und Schüler des KHG so sehr für den aktuellen Standort einsetzen, zeugt von großer Identifikation mit dieser etablierten Bildungseinrichtung an der aktuellen Örtlichkeit. Das führt nun zu dieser Festlegung, über die ich mich auch freue. "

Auch die Schüler haben sich für den Erhalt des Standorts eingesetzt. "Die ruhige Lage, abseits vom Verkehrslärm, ermöglicht uns sowohl ein angenehmes Lernklima als auch ein entspanntes Schulklima", erklären Teresa Schwital, Tyrell Kuhnen und Johanna Grassegger im Namen der Schülerschaft. Der Standort ermögliche Unterrichtsgänge zu Museen, Theatern oder zur Altenburg. Das Gymnasium sei für alle Schüler aus der Stadt und dem Landkreis gut erreichbar, die Anlage des KHG mit großem Sportplatz und moderner Mensa sei großzügig dimensioniert.

Bei einem Umzug fürchten die Schüler negative Folgen für die "familiäre Schulgemeinschaft und die besondere Atmosphäre" des Gymnasiums. Diese Argumente spiegeln sich auch im Positionspapier des Elternbeirats wider, wo unter anderem auch auf "eine beachtliche architektonische Qualität aus dem Zeitalter des Brutalismus" hingewiesen wird. Dabei sei "architektonisch gut nicht gleichbedeutend mit hübsch im Sinnes unseres heutigen Geschmacks". Zudem sei es im Sinne eines ökologischen Umgangs mit Ressourcen nicht vermittelbar, ein funktionierendes Gebäude wie das KHG "einfach zu entsorgen". Dass das Gymnasium dringend sanierungsbedürftig ist, stellt freilich keiner in Frage. Das belegt nicht zuletzt ein Gutachten, das bereits im Juli 2018 im Kultursenat der Stadt Bamberg vorgestellt worden war und am Donnerstag auch dem Zweckverband präsentiert wird. Darin wird unter anderem festgestellt, dass am KHG durch effiziente Dämmung bis zu 75 Prozent Energie gespart werden könnten.

Der Blick auf die Fassaden zeige Putzrisse und Abplatzungen mit eindringender Feuchte. Draußen gebe es auf den verbrauchten Oberbelägen so manche Stolperfalle, ein Großteil der Haustechnik sei veraltet. "Das Schulgebäude an der Altenburger Straße entspricht nicht mehr den heutigen Anforderungen und ist dringend renovierungsbedürftig", stellt auch der KHG-Elternbeirat fest. Doch habe das Gutachten gezeigt, dass eine Sanierung im Bestand "technisch möglich und wirtschaftlich voraussichtlich sinnvoll" sei.

Wie richtet sich die Schule aus?

Mit der Festlegung auf den Standort kehre nun eine gewisse Ruhe ein, sagt Mühlich. Denn anhaltende Ungewissheit wirke sich auch negativ auf die Zahl der Anmeldungen aus. "Wir wollen stabil bleiben", sagt Ullmann. In diesem Jahr habe es 90 Anmeldungen, im Jahr davor 88 gegeben. Von den knapp 700 Schülern kommt jeweils die Hälfte aus Stadt und Landkreis Bamberg. "Einfach wird die Sanierung am Standort sicher nicht werden, gewissermaßen eine Operation am offenen Herzen", sagt GAL-Stadtrat Wolfgang Grader, der im Zweckverband Gymnasien für die Standortgarantie stimmen will. "Ich verstehe die Schulfamilie, dass sie ein so großzügig angelegtes Gelände in dieser Lage nicht aufgeben will. Es freut mich, dass sie nun Sicherheit bekommt."

Freilich ist es mit der Absage an einen Umzug noch längst nicht getan, weiß Mühlich: "Das Wichtigste ist erst mal eine fixe Standortgarantie, dann muss sich die Schulfamilie outen, was sie will und wie sie sich inhaltlich ausrichtet." Die Schulfamilie werde auch die weiteren Schritte beherzt angehen, verspricht Ullmann. "Wir freuen uns auf die Arbeit, die jetzt auf uns zukommt", sagt der stellvertretende Schulleiter. "Und wir sind froh über die Festlegung auf den bisherigen Standort, weil unsere Schule in so vielen Bereichen mit der Innenstadt verknüpft ist."

Für Martin Pöhner (FDP) kommt mit der Beschlussvorlage aber der zweite Schritt vor dem ersten. Er beantragt, dass zunächst die Verwaltung "in Zusammenarbeit mit der Schulfamilie und der Regierung von Oberfranken ein Raumprogramm für das künftige Kaiser-Heinrich-Gymnasium" erstellt, auf Grundlage des zu erarbeitenden pädagogischen Konzepts. Erst dann könnten mögliche Lösungen für die Umsetzung am bestehenden Standort geprüft werden. "Das ist Quatsch", sagt hingegen Mühlich. "Das Konzept wird sicher nicht so ausfallen, dass wir plötzlich 400 Schüler mehr haben." Auch Ullmann ist überzeugt: "Wir können hier alles bewerkstelligen." Wenn es nach ihm geht, werden schon im nächsten Jahr erste Sanierungsmaßnahmen umgesetzt. "Die Zeit der Provisorien sollte vorbei sind. Wenn man das jetzt vernünftig anpackt, dann hält es Jahrzehnte."

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