Scheßlitz
Ortstermin

Der Wald braucht die Hilfe aller

Waldbesitzer, Politiker und Forstleute machten sich bei Scheßlitz ein Bild vom aktuellen Zustand der Wälder.
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Beim Krisengepräch im Wald hielten vor allem die Waldbesitzer mit ihrer Meinung nicht vorm Berg. alle Fotos: Joseph Beck
Beim Krisengepräch im Wald hielten vor allem die Waldbesitzer mit ihrer Meinung nicht vorm Berg. alle Fotos: Joseph Beck
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"Die Lage in unseren Wäldern ist katastrophal" - so lautet aktuell die einhellige Bilanz der Waldbesitzer und Forstfachleute. Deshalb hatte Angelika Morgenroth, Vorsitzende der Waldbesitzervereinigung (WBV) Bamberg und Ausschussmitglied des Bayerischen Waldbesitzerverbandes, zum Krisengespräch nach Scheßlitz eingeladen und rund 100 Leute kamen, denn, so Morgenroth: "Wir brauchen sie alle, die Waldbauern, die Politiker und die Medienvertreter, für unsere notleidenden und absterbenden Wälder."

"200 000 Hektar Wald haben sich in Deutschland mittlerweile aufgelöst", verdeutlichte Morgenroth. Allein in Deutschland müsse man in diesem Jahr von Rund einer Milliarde Festmeter Schadholz ausgehen. Industrie und Wirtschaft könnten diese Massen nicht mehr verarbeiten und es gebe dafür auch nicht genügend Absatzmärkte. Die Folge sei ein immenser Verlust an Wert für die Waldbesitzer und die Gesellschaft, so Morgenroth. Betroffen seien aber auch Luft, Wasser, Artenvielfalt, der Erholungsraum Wald, Arbeitsplätze.

Nach dem einleitenden Vortrag fuhren die Teilnehmer zu verschiedenen Stationen in den Wäldern bei Roschlaub, wo auch ein Team des Bayerischen Fernsehens wartete. Bei der folgenden Gesprächs- und Diskussionsrunde übernahm Hans-Rüdiger Schmittnägel, leitender Forstdirektor des Bayerischen Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Bamberg (AELF), die Moderation.

Immer mehr Schädlinge

Der staatliche Berater für die WBV Bamberg und Steigerwald, Hans-Peter Schreier, wies darauf hin, dass sich die Generationen der Schädlinge wie Borkenkäfer, Kupferstecher und Buchdrucker durch die Trockenheit mehr als verdoppelt hätten. Dazu käme der Pilz beim Kieferntriebsterben. Der Lärchenborkenkäfer lasse den Lärchen keine Chance, wenn er einmal die Bäume befallen habe. Die Anzahl der speziellen Käfer für fast alle Baumarten sei lang.

Waldbesitzerin Helga Ebitsch aus Poxdorf bei Königsfeld meldete sich so Wort: "Ich bin seit einem Jahr jeden Sonntagnachmittag im Wald und suche und finde immer wieder Käfernester. Es ist kaum noch zu schaffen und mein Wunsch an die Politik ist: Wir Waldbauern brauchen schnelle Hilfe, vor allem unkomplizierte Hilfe! Wir haben keine Lust mehr, keine Kraft mehr und vor allem kein Geld mehr!"

Kreisrat Bernd Fricke (Grüne/GAL) hielt sich zunächst mit Kommentaren zurück und meinte, die Politik sei heute da, um zuzuhören und zu lernen. Dem schlossen sich auch MdB Lisa Badum (Grüne), MdB Andreas Schwarz (SPD), MdL Holger Dremel (CSU), stellvertretender Landrat Johann Pfister (BBL) und die anwesenden Bürgermeister Helmut Krämer, Roland Kauper und weitere Kollegen an. Alle bekräftigten den politischen Willen zur Hilfe für den Wald und seine Besitzer. Wichtig sei die Information vor Ort.

Wasser, Wald und Wild

Gerhard Lieberth, Hirschaid, kritisierte, dass 2003 der erste heiße trockene Sommer bereits ein Schuss vor den Bug gewesen sei "und erst heute reden wir darüber, den Wald zu retten." Er kritisierte den "Vater Staat" wegen dessen Abholzmethoden während des ganzen Jahres und erhielt dafür spontanen Applaus. Stephan Keilholz, Forstwirt für Bamberg, Forchheim und Erlangen, erwiderte, dass der Staatsforst seit 30 Jahren den Wald umbaue, weil man wisse, dass die Fichte und auch die Kiefer ihre Schuldigkeit getan hätten und man gemischte Wälder forciere. Des weiteren verwies er auf die drei "W's": Wasser, Wald und Wild. Keilholz verteidigte den höheren Wildabschuss, der oft und heftig kritisiert werde. Zum Wald führte er aus: "Nur die Mischung mit mindestens vier Baumarten bringt uns etwas." Auch er erhielt dafür Beifall.

Problem Hackschnitzel

Bei der Weiterfahrt wies Morgenroth immer wieder auf die geschädigten Wälder rund um die Hohe Metze hin. Die Forstleute verdeutlichten, dass sich auch der Waldrand auflöse und im leeren Wald die explodierende Brombeere und Holunder oft keine Jungtriebe mehr hochkommen ließen.

Dritte Station war ein Mischwald mit sehr großen, 80 bis 120 Jahren alten Buchen. Revierförster Ott erklärte, dass die mit großen roten Fragezeichen gekennzeichneten Bäume geschädigt seien und besonders beobachtet würden. Christian Dorsch aus Poxdorf verwies auf ein weiteres Problem: "Da fallen unheimliche Mengen an Hackschnitzel an, die wir nicht mehr loswerden. Der Käfer aber fliegt da raus und hinten wieder in den Wald hinein." Er forderte deshalb auch hier eine Lösung durch die Politik in etwa durch größere Förderung der Hackschnitzelheizungen.

Der neue Abteilungsleiter des AELF, Gregor Schießl, appellierte an die Politiker, den Bau von Holzgebäuden voranzutreiben. Und er forderte: "Der Staat muss die Zahl der Förster und auch der Waldarbeiter wieder aufstocken!"

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