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Nahversorgung

Der Tipp: Warum Aschbachs Dorfladen läuft

Die Bewohner im westlichen Landkreis müssen zum Teil weite Entfernungen zu Einkaufsmärkten zurücklegen. Ebrach und Burgwindheim wollen wieder eigene Läden.
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Ein viel frequentierter Ort - der Dorfladen in AschbachFoto: Barbara Herbst
Ein viel frequentierter Ort - der Dorfladen in AschbachFoto: Barbara Herbst

Der Aschbacher Dorfladen ist bestens akzeptiert. Schulkinder, Handwerker, Hausfrauen, Rentner - sie alle suchen "die Hedwig" innerhalb einer Stunde auf. Zigaretten, Obst, Wurst, Cola, Sahne, Süßigkeiten, Kiwi und ach ja, die Zeitschrift für die Oma zum Mitbringen gehen über die Theke. Seit fünf Jahren führt Hedwig Hilpert den Aschbacher Dorfladen, den die gelernte Floristin vom vorherigen Betreiber übernommen hat. Weil sie wollte, dass es den Laden weiterhin gibt. Hedwig Hilpert ist die gute Seele des Ladens, die diesen Job mit Leidenschaft macht, aber auch die Schattenseiten nicht verschweigen will.

Wäre sie die Tochter des vorherigen Ladenbetreibers gewesen, sie hätte dessen hervorragende Bezugskonditionen (Einkaufspreise) bekommen. So musste sie neu neu verhandeln, hat schlechtere Konditionen, die Lieferquellen mehrmals wechseln müssen. Wo es geht, bezieht die 47-Jährige Ware aus der Region - Eier, Obst, Gemüse, Wurst. Offene Bratheringe und eine eigene Abteilung mit russischen Lebensmitteln sind eine ihrer Spezialitäten. Und sie bestellt, was Kundschaft sonst noch gerne hätte. Das Geheimnis für ihren Laden ist: "Man muss auf Wünsche eingehen, ein gutes Durchhaltevermögen haben und Kommunikation ermöglichen."

Seit Januar 2018 gibt es in Ebrach keinen Einkaufsmarkt mehr. In der momentan 1830 Einwohner zählenden Gemeinde scheint es darauf hinauszulaufen, dass ein eigener Einkaufsmarkt (das Gebäude von der Kommune errichtet und) von einer Unternehmergesellschaft betrieben wird. Dieser gehören insgesamt 114 stille Gesellschafter an. Drei davon müssen als geschäftsführende Gesellschafter zur Verfügung stehen. Aufgrund der gezeichneten Anteile steht im Moment ein Kapital von 44 000 Euro zur Verfügung.

Das Amt für Ländliche Entwicklung fördert das Bauprojekt mit 60 Prozent des Gesamtkostenvolumens und mit maximal 300 000 Euro, so teilte Erster Bürgermeister Max-Dieter Schneider (SPD) dem Gemeinderat mit. Maximal 200 000 Euro Eigenanteil sind für die Gemeinde ein großer Brocken, der haushaltstechnisch über mehrere Jahre verteilt werden muss. Vorausgesetzt, Ebrach kann sich das Bauvorhaben leisten, befürwortet der Gemeinderat dieses. Beschlossen wurde, den Förderantrag für die Bauplanung zu stellen. Dafür braucht das Amt aber den Abschlussbericht des Projektentwicklers und Betreuers. Das, was die Gemeinde als Markterkundungsbericht von ihm bekommen hatte, enthielt nicht die geforderten Parameter. Dazu gehören eine Wirtschaftlichkeitsberechnung, die Standortbenennung und -begründung sowie das Finanzierungskonzept.

So muss der Betreuer nun seine Hausaufgaben noch einmal machen. Dem Marktgemeinderat ist sehr wohl bewusst, wenn man das Bauvorhaben am Ende der Bahnhofstraße realisiert - es soll dann an die Unternehmergesellschaft vermietet werden - werden keine weiteren größeren Projekte möglich sein.

Anderer Ansatz

Einen anderen Weg, die Nahversorgung wieder auf sichere Beine zu stellen, hat Ebrachs Nachbar und Verwaltungsgemeinschaftspartner Burgwindheim, eingeschlagen. Der Kernort hier hat seinerseits seit Anfang dieses Jahres keinen Lebensmittelladen mehr. Ein in der Gemeinde wohnender Marktbetreiber wird in den Räumen der früheren Post einen kleinen Lebensmittelmarkt eröffnen, der mit zwei Öffnungstagen den Betrieb aufnehmen soll. Sein Konzept hatte er im Burgwindheimer Gemeinderat im August präsentiert und sich zuversichtlich gezeigt, dass der Laden noch im September starten könnte.

Dass der Laden auf jeden Fall noch in diesem Jahr kommen wird, bestätigt Burgwindheims Bürgermeister Heinrich Thaler (CSU) auf Nachfrage des FT. Offenbar dauert es länger, bis bestimmte (rechtliche) Dinge geklärt sind, hat er mitbekommen. Thaler gesteht zu, dass die Vorbereitungen länger dauern, als geplant. Gerüchten, das Projekt habe sich zerschlagen, erteilt er eine klare Absage. Bei neuen Vorhaben gebe es immer Unwägbarkeiten, und sei es, dass "eine Kühltheke nicht durch den Eingang passt".

KOMMENTAR:

Man muss die Läden nutzen

Wenn Lebensmittelläden fehlen, ist Engagement und Phantasie bei Konzepten gefragt. Und Idealismus bei Betreibern. Das allein lässt Dorfläden aber nicht überleben, wenn die Bewohner sie nicht ausreichend nutzen. Wenn sich Ebracher und Burgwindheimer die Strecken ansehen, die sie jetzt zu Märkten haben, müssten sie eigentlich alles für die Realisierung eigener Läden tun. Ebrach und Burgwindheim haben zwei unterschiedliche Ansätze. Jeden gilt es zu unterstützen, auch gegenseitig. Das würde alle weiterbringen.

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