Bamberg
Tag des offenen Denkmals

Der Riegelhof bricht alle Rekorde

Bald 2000 Besucher in der Anlage überraschen auch in der Welterbestadt Bamberg
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Riesiger Andrang herrschte am Sonntag beim Riegelhof.Rüdiger Klein
Riesiger Andrang herrschte am Sonntag beim Riegelhof.Rüdiger Klein
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Der Riegelhof, so viel wurde am Sonntag beim Tag des offenen Denkmals deutlich, hat auch schon mal bessere Zeiten gesehen. Dass die aber bald wieder anheben könnten, das durften an die 2000 Besucher sehen, die das riesige Baudenkmal am Regnitzufer und der Concordiastraße zwischen Molitor- und Riegelgasse ab elf Uhr vormittags gerade so stürmten, als gäbe es da Freibier.

Immerhin, die Denkmalpfleger und Ingenieure vom Büro DenkmalAnsicht (DA) waren gleich zu dritt angetreten, um den Denkmal-Suchern die verschachtelte Hofanlage zu erläutern und den Baufortschritt im ehemaligen Brauereigebäude zu erklären.

13 Wohnungen in verschiedenen Größen sollen nach und nach ab Frühjahr 2020 in dem Anwesen fertiggestellt werden. Und es gab aus den Besucherreihen im Riegelhof auch gleich Nachfragen zur Erschließung der Gesamtanlage und zu den Pkw-Parkmöglichkeiten für die neuen Riegelhofbewohner. Das sprach Bände von der aktuellen Wohnungssituation in Bamberg.

Herausforderung für Nachbarn und Bauherrn

Alle Fragen wurden von Andreas Mätzold, Anne Pastuschek-Bartl und Franz Trautenbach geduldig beantwortet. Selbst auf die Mobilitätsfrage hatte der Immobilienretter Mätzold eine moderne Antwort. Er sei seit vier Jahren in Bamberg, das Auto brauche er hier so gut wie nie. Es könnte auch für die zukünftigen Riegelhofbewohner das Fahrrad eine sinnvolle Alternative sein. Den Denkmälern tue weniger Autoverkehr ebenso gut wie den Menschen. Später, nach der Fertigstellung, die für das Frühjahr 2021 angepeilt sei, so Mätzold schließlich, werde die Erschließung über vier Eingänge erfolgen.

Da das historische Ensemble Gebäudeteile aus dem frühen 15. Jahrhundert, dem 16. und 18. sowie dem frühen 20. Jahrhundert umfasse, hätten sich auch während der vorsichtigen Rückbauarbeiten und bei den nun begonnenen Sanierungsmaßnahmen immer wieder Überraschungen aufgetan, führte Mätzold aus. Diese Überraschungen seien zwar spannend, insgesamt sei die Maßnahme aber eine mächtige Herausforderung an die Logistik auf der Baustelle, an die Gott sei Dank geduldigen Nachbarn, die ja gleich mehrere Jahre in Mitleidenschaft gezogen würden, und an den Bauherrn, der sich ohne Wenn und Aber zu diesem Mammutprojekt der Denkmalpflege bekenne.

Überraschendes zur Kettenbrücke

Die Stadtheimatpflegerin Stephanie Eißing und Walburga Hepple und Alexandra Schmölder vom Vorstand der Welterbe-Freunde warteten an der Kettenbrücke auch nicht vergebens auf Interessenten. Kurzweilig und anschaulich erläuterte Eißing die vielfachen Bemühungen der Bamberger schon vor über 1000 Jahren, die Regnitz an einer geeigneten Stelle zu überqueren. Eine Holzbrücke habe es an der Stelle der heutigen Kettenbrücke im frühen 14. Jahrhundert gegeben, ihr folgte im frühen 17. Jahrhundert eine über fünf Holzpfeilern errichtete Brücke nach. Dabei habe der ganz normale Lebensalltag in einer Ansiedlung gefordert, dass die Menschen Gewässer überbrücken könnten. Aber eben auch der Handel und das Pilgerwesen.

So bekomme man noch heutigentags einen Pilgerstempel in St. Jakob, wenn man auf dem Pilgerweg nach Santiago di Compostela durch Bamberg wandere. 1771 seien die hölzernen Vorgängerbauten von einer steinernen Brücke abgelöst worden, die allerdings dem Jahrhunderthochwasser von 1784 nicht standgehalten habe. Mitte des 19. Jahrhunderts hatte dann auch Bamberg seine erste Hängebrücke, die dann wegen der Konstruktion Kettenbrücke hieß. Allerdings war die schon 1879 ein Opfer zu hoher Belastungen durch den Verkehr geworden. So verfügte man, dass keine Prozessionen mehr über die Brücke geführt werden dürften und auch das Militär sollte gemessenen Schrittes, keinesfalls aber im Gleichschritt über die Kettenbrücke laufen.

Heute, auf dem Neubau von 2011, ist sogar Flanieren angesagt. Die Planer von der Arbeitsgemeinschaft Grad und Dietz, die seinerzeit den Wettbewerb für den Neubau gewonnen haben, sahen die Rückkehr der Flaneure auf die Kettenbrücke von Anfang an vor, so Eißing schließlich.

Bleibt nur noch anzumerken, dass die Denkmalerkundungen im Logenhaus, der Erlöserkirche im Ostheimschen Haus oder im Musikpavillon im Hain ebenso wie die Führungen zu den Kronfuß-Bauten und im ehemaligen Gerberhaus in der Unteren Sandstraße von vielen hundert Besuchern mit größter Begeisterung wahrgenommen wurden.



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