Bamberg

Der Retter des Bamberger Hörnchens

Adalbert Eichelsdörfer ist eine Institution unter den Bamberger Marktkaufleuten. Nach fast 60 Jahren harter Arbeit tritt er im neuen Jahr wesentlich kürzer.
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Adalbert Eichelsdörfer mit Bamberger Hörnchen. Er sieht den Unterschied zwischen altem und neuem Saatgut auf den ersten Blick. Foto: Marion Krüger-Hundrup
Adalbert Eichelsdörfer mit Bamberger Hörnchen. Er sieht den Unterschied zwischen altem und neuem Saatgut auf den ersten Blick. Foto: Marion Krüger-Hundrup
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Diese Hände können zupacken. Und so geht Adalbert Eichelsdörfer auch nicht gerade zärtlich mit einem seiner Geschöpfe um: Der Landwirt bricht kurzerhand ein Bamberger Hörnchen auseinander und zeigt auf eine charakteristische Stelle im Inneren der Knolle. "Sehen Sie den kleinen roten Punkt? Der erscheint nur bei wirklich altem Saatgut!", erklärt Eichelsdörfer der Reporterin. Neues Saatgut produziere nicht mehr dieses typische Merkmal, ergänzt er und erzählt, dass er vor vielen Jahren mit zwei Kollegen das Ur-Bamberger Hörnchen gerettet hat.

Aus eigenem Anbau

Dabei ist diese typische Kartoffelsorte nur ein Erzeugnis aus eigenem Anbau, das Adalbert Eichelsdörfer seit Jahrzehnten auf dem Bamberger Wochenmarkt feilbietet. Oder besser gesagt: angeboten hat. Denn am Samstag vor Weihnachten war für den 73-Jährigen erst einmal Schluss mit dem Verkauf von birnenförmigen Zwiebeln, Buntsalaten, Rettich, Stangenbohnen, weiße Rüben, Tomaten und Co. "Ich mache im neuen Jahr nur noch in kleinen Schritten weiter und tue das, was mir im Alter noch Spaß macht", sagt Eichelsdörfer in seinem gemütlichen Wohnzimmer in Dörfleins bei Hallstadt. Dort baut er auch auf seinen landwirtschaftlichen Flächen und in Gewächshäusern Gemüse und Obst in großen Mengen an. Damit soll jetzt Schluss sein. Er will nur noch im Frühjahr und Sommer Obst wie etwa Erdbeeren und seinen berühmten Grünspargel anbieten: ein für Bamberger Gaumen einst neues Feingemüse, auf das sich Eichelsdörfer inzwischen spezialisiert hat.

Es ist beileibe nicht Arbeitsscheue, die den knorrigen Mann zum Kürzertreten veranlasst. Im September 2019 starb seine Ehefrau Ingeborg, die wie er bei Wind und Wetter an ihrem Marktstand in der Hauptwachstraße stand. Und mit ihrer Fachkenntnis und ihren Rezepttipps die Herzen der Kunden eroberte. "Ihr Tod ist ein Einschnitt", sagt Adalbert Eichelsdörfer leise. Da könne er nicht einfach so weitermachen. Zumal auch seine drei erwachsenen Kinder nicht in seine Fußstapfen getreten sind und andere Berufe ergriffen haben.

"Wir waren mit unserem Leben zufrieden. Unser Leben war Arbeit", blickt Eichelsdörfer zurück auf Jahre, in denen es gelegentlich nur im Winter zwei Wochen Skiurlaub gab. "Wir waren nie im Sommer fort". Doch das Lob der Stammkunden "ist unser Lohn für die viele Arbeit gewesen".

Karriere als Marktkaufmann

Schon im zarten Alter von fünfzehn Jahren begann Adalbert Eichelsdörfers Karriere als Marktkaufmann. Er begleitete seine Mutter mit ihrem Gemüse beladenen Handwagen von Dörfleins nach Bamberg: ein eineinhalb stündiger Fußmarsch. Dann bekam der junge Adalbert vom Landratsamt die Sondergenehmigung, den Führerschein machen zu dürfen. Und nach bestandener Fahrprüfung konnte der Weg vom heimischen Hof zur Promenade mit dem Traktor zurückgelegt werden.

"Der Markt auf der Promenade war einer der schönsten, der unwiederbringlich verloren gegangen ist", erinnert sich Eichelsdörfer an frühere Jahre, in denen etwa "50 Erzeuger in sechs Reihen" auf ihre Kundschaft warteten. Auch sei die Promenade von Bäumen gesäumt gewesen, "im Sommer ideal für uns!". Und dann habe der Markt wegen des Busbahnhofes auf den Maxplatz umziehen müssen: "Vom Himmel in die Hölle!", beschreibt Eichelsdörfer drastisch den Unterschied. Nicht nur dass der Schatten gefehlt habe: "Der Umsatz brach ein, die Kunden fanden uns nicht mehr."

Supermärkte bevorzugt

Doch auch das ist Geschichte. Wie das Kaufverhalten früherer Zeiten. "Heute wollen die Leute ihren Einkauf mit dem Auto erledigen und fahren zu den Supermärkten", schüttelt Eichelsdörfer den Kopf. Und nimmt noch einmal ein bizarr geformtes Bamberger Hörnchen in die Hand. Er wiegt es darin und lächelt. Diese Kartoffel gehört zu ihm. Auch das ist jetzt Geschichte.

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