Gerade noch vor dem Jahreswechsel konnte die Sanierung des Turmes der Freienfelser Kirche St. Bartholomäus (manchmal auch Hl. Dreifaltigkeit genannt) abgeschlossen werden.

Ihre Geschichte ist eng mit dem nebenan liegenden Schloss verbunden und beide grüßen von hoch oben weit in das Wiesenttal hinein. Die Pfarrei hat etwa 350 Katholiken und 550 Protestanten. Der Pfarrsprengel besteht aus den Hollfelder Stadtteilen Freienfels, Krögelstein, Loch, Schafhof und Wiesentfels.

Wie andere Kirchen in der Fränkischen Schweiz hat sie die Geschichte des Religionswechsel der gräflichen Besitzer von katholisch zu evangelisch und wieder zurück erlebt. Das Geschlecht derer von Aufseß erbaute 1283 die Burg und 1490 eine Burgkapelle. Beide wurden im Bauernkrieg 1525 zerstört. Fünf Jahre später führte Pankraz von Aufseß in Freienfels den lutherischen Glauben ein. Die Schlosskapelle wurde 1604 neu erbaut. Im Dreißigjährigen Krieg besetzten Schwedische und Bamberger Truppen den Ort und 1681 ging er in den Besitz der katholischen Linie derer von Aufseß über. Sie ließen die Burg zu einem Schloss umbauen und auch die Kirche erneuern.

Es galt das Prinzip: cuius regio - eius religio, das heißt, dass die Untertanen die Religion ihres Herrschern annehmen mussten. Da das die Freienfelser nicht so ohne weiteres mitmachten, wurden noch 1720 drei Kapuzinermönche eingesetzt, um die anderthalb Jahrhundert lang evangelischen Einwohner zu bekehren.

Schloss-Geschichten anno dazumal

Im Buch von Luitgar Göller mit dem Titel "Zeugen einer großen Vergangenheit" kann man manche aus heutiger Sicht lustige oder komische Geschichte entnehmen, so auch, dass der Schlossherr 1721 die Ordensleute wegen Zwistigkeiten unter einander entließ und neue anforderte. In den Statuten über das Verhalten ihm gegenüber liest man, dass zu ihren sonstigen Pflichten gehöre: "Täglich hat ein Kapuziner an der herrschaftlichen Tafel zu speisen und womöglich die Speisen mit guten Witzen zu würzen." Die Kapuziner wurden schließlich insgesamt abgelöst und 1756 durch Dominikanermönche ersetzt. Pfarrrechte aber hatte damals wie heute wieder der jeweilige Pfarrer von Hollfeld. Nach der Säkularisation zogen sich 1803 die Mönche aus Freienfels zurück. Es wurde 1825 eine Filiale von Hollfeld und 1881 zur Pfarrei erhoben.

1963 wurden der Turm und Außenputz unter dem damaligen Pfarrverweser und späteren Erzbischof Elmar Maria Kredel erneuert. Innen komplett renoviert und umgebaut wurde die Kirche 1966 unter Pater Schnell, wobei auch die Seitenempore und die Kanzel komplett entfernt wurden. Trotzdem ist die Kirche ein Kleinod, da sie laut Kunsthistoriker Peter Poscharsky die mit "der reichsten Stuckdecke einer Kirche in der Fränkischen Schweiz" ist.

Bei der jetzigen Sanierung des Turmhelmes wurde besonders die Holzkonstruktion bedacht. Da das Mauerwerk und die Holzbalken an der westlichen Seite der Turmkrone unter anderem vom Echten Hausschwamm befallen waren, mussten sie fachgerecht entsorgt und behandelt werden. Mauer und Balken wurden deshalb neu aufgebaut. Um eine erneute Ausbreitung des Myzels zu verhindern, wurden die betroffenen Bauteile von einer Fachfirma Din-gerecht saniert. Die stark geschädigten Mauerschwellen mussten ganz oder teilweise erneuert werden, da auf ihnen die gesamte Last der Turmhaube ruht. Die Zimmerleute haben auch die untere Kranzbalkenlage repariert und die Lastableitung in das Mauerwerk sichergestellt.

Des weiteren überarbeiteten sie die historische Holzkonstruktion des Glockenstuhls. Das über hundert Jahre alte und zwei Meter hohe Turmkreuz wurde neu vergoldet, von Pfarrer Monsignore Simon Bernhard im Beisein zahlreicher Gläubigen gesegnet und einige Tage später wieder auf dem 35 Meter hohen Turm errichtet. Beim Abbau hatte man festgestellt, dass in der Turmkugel in dieser Höhe Wildbienen genistet hatten, da in die Kugel einige Löcher geschossen waren.

Tageszeitung in luftiger Höhe

Die alten Dokumente (unter anderem ein alter Bauernkalender von 1861) waren leider fast vollständig zerstört, weil die Kartusche undicht war. In die ebenfalls reparierte und wieder vergoldete Kugel kam nun eine neue Kartusche mit einer Tageszeitung ("Fränkischer Tag"), Münzen und Zeitdokumenten. Zu dem Satz neuer Münzen kamen auch wieder die zwei Goldmünzen von 1963, auf denen Papst Paul VI und der damalige Bundeskanzler Konrad Adenauer zusammen mit dem amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy zu sehen sind. Auch das Silberkreuz von damals mit der Aufschrift "Sante Claudia" wurde beigefügt. Kirchenpfleger Wolfgang Hollfelder ließ es sich nicht nehmen, einen Stick mit hineinzustecken, auf dem alle Zeitungsbeiträge über die Kirche und sonstige Begebenheiten in Freienfels aufgespielt waren. Ob er in 50 Jahren noch zu gebrauchen oder zu lesen ist, überlässt er der Zeit.

Da im Dach der Kirche und des Turmes Fledermäuse nisten und ihre Wochenstuben haben, wurden die Arbeiten auf den Spätsommer und Winter gelegt. Für die auch geschützten Mauersegler, von denen mehrere auf der Mauerkrone des Kirchturms brüteten, wurden neu zusätzliche Einflugöffnungen im Turm geschaffen.

Architekt Georg Schilling, der alle Maßnahmen koordinierte und überwachte und selbst ein gebürtiger Freienfelser ist, sagte dazu: "Man muss den Handwerkern wirklich Lob und Dank aussprechen, dass sie alle denkmalpflegerischen Vorschriften und Maßnahmen des Naturschutzes so toll befolgt und beachtet haben." Dem stimmten auch Kirchenpfleger Wolfgang Hollfelder, Kirchenratsvorsitzender Peter Rehe und Mesner Jörg Degen zu.

Für das Frühjahr sind noch die Fassadenarbeiten am Turm und ein barrierefreier, behindertengerechter Zugang ins Kirchenschiff geplant. Die Gesamtkosten sind mit rund 360 000 Euro veranschlagt.