Litzendorf
Gotteshaus

Der lange Weg zum Prachtbau

Die Pfarrkirche Sankt Wenzeslaus wird in diesem Jahr 300 Jahre alt. Grund genug, für die Pfarrgemeinde dieses runde Jubiläum ausgiebig zu feiern.
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Erzbischof Ludwig Schick zelebriert den Festgottesdienst in Sankt Wenzeslaus. Fotos: Alexander Hitschfel
Erzbischof Ludwig Schick zelebriert den Festgottesdienst in Sankt Wenzeslaus. Fotos: Alexander Hitschfel
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Zelebriert wurde der Festgottesdienst am vergangenen Sonntag von Erzbischof Ludwig Schick, der es sich nicht nehmen ließ, um die Glückwünsche der Erzdiözese selbst zu überbringen. Der Pfarrgemeinderat von Sankt Wenzeslaus hatte in den letzten Wochen mit Hochdruck an den Vorbereitungen für dieses Fest gearbeitet und die Kirche, passend zum Jubiläumsgottesdienst, festlich geschmückt.

Mit zahlreichen Fahnenabordnungen ortsansässiger Vereine und Verbände setzte sich der Kirchenzug vom Pfarrhaus in Bewegung in Richtung Kirche, wo Erzbischof Schick durch Jutta Uzelino, Vertreterin des Pfarrgemeinderates willkommen geheißen und mit einem Geschenkkorb bedacht wurde.

Bevor die jetzige Kirche, wie sie in ihrer vollen Pracht mitten im Ort thront, jedoch gebaut wurde, gab es zwei Vorgängerbauten. Seinen Ursprung fand der Kirchenbau in der Tatsache, dass im Jahr 1406 der damalige Bamberger Bischof Albrecht Graf von Wertheim die Kapelle beziehungsweise Filialkirche des heiligen Wenzeslaus in Litzendorf von der Mutterkirche in Amlungstat (Amlingstadt) abgekoppelte und sie kraft der ihm verliehenen bischöflichen Autorität als gesetzmäßige Pfarrkirche für Litzendorf sowie für die umliegenden Dörfer Landorf, Bodelndorf, Neysen, Schamelsdorf, Melkendorf und Tiefenellern errichtete. Begründet wurde die Errichtung der eigenen Pfarrei in Litzendorf damit, dass der damalige Pfarrer von Amlingstadt die Gläubigen in Litzendorf und den umliegenden Dörfern nicht ausreichend genug betreuen habe können. Die Entfernung von Amlingstadt bis nach Tiefenellern betrug immerhin eine Fußstrecke von zwölf Kilometern, vor allem in der Winterszeit ein sehr beschwerlicher Weg.

Die Rolle des Johannes Nassach

Der damalige Pfarrer von Hallstadt, Johannes Nassach, spielte für die Gründung der Pfarrei Litzendorf eine wichtige Rolle. Nassach, der mit den Grafen von Wertheim und den Grafen von Henneberg verwandt war, war auch der Chorherr und Kellermeister von Sankt Stephan, Chorherr von Sankt Jakob, Kammermeister und Sekretär des Bischofs Lamprecht und seit 1392 auch Oberpfarrer von Hallstadt. Nassach hatte einflussreiche Verwandte und verfügte über umfangreiche Besitztümer, tätigte auch immer wieder weitere Grundstücksgeschäfte, die ihm die Gelegenheit verschafften, dem Bischof bei finanziellen Schwierigkeiten "unter die Arme zu greifen" und auch durch verschiedene Stiftungen sich immer wieder für verschiedene Pfarreien als Wohltäter zu erweisen. Es war der 4. November 1396, als Nassach von einem Bamberger Bürger für 210 Gulden einen Hof in Melkendorf und neun Äcker Holz bei Litzendorf kaufte. Am 18. Oktober 1402 gab es dann die erste urkundliche Erwähnung einer Kapelle zu "Litzendorf".

Ein ganz besonderer Tag für die Gläubigen in und um Litzendorf war der 8. August 1715. An diesem Tag unterzeichnete die bischöfliche Baubehörde in Bamberg mit dem Baumeister Johann Dietzenhofer einen Vertrag über die Neuerrichtung einer barocken Kirche in Litzendorf am heutigen Standort. Man ist sich aufgrund der geschichtlichen Überlieferungen sicher, dass die heutige Kirche bereits zwei Vorgängerbauten an der selben Stelle hatte. Beim Einbau der Heizungsanlage der Kirche 1972 wurden bei Ausgrabungen eines Heizungsschachtes Überreste von Fundamenten gefunden, an welchen man festmachen konnte, dass die Vorgängerbauten der heutigen Kirche am gleichen Standort gestanden haben mussten.

Nachdem gegen Ende des 17. Jahrhunderts die rund 300 Jahre alte Kirche immer sanierungsbedürftiger geworden war, entschied man sich, das Gotteshaus neu zu bauen. Die Grundsteinlegung für die Kirche in ihrer heutigen Form fand im Sommer 1715 statt. Während der Neubauphase blieb der alte Kirchenbau noch stehen. Noch im gleichen Jahr konnte das Dach aufgerichtet werden, womit - laut Überlieferung - insgesamt 105 Männer beschäftigt waren.

Einweihung am 18. September 1718

Die Einweihung fand erst rund drei Jahre später, nämlich am 18. September 1718, statt. An diesem Tag wurde der Kirchenneubau durch Weihbischof Johannes Werner eingeweiht. Über dem Haupteingang war das noch heute vorhandene Wappen des Fürstbischofs Franz von Schönborn angebracht. Der Kirchenraum wurde damals getüncht; zwölf Kreuze wurden an Decke und Wände gemalt. Die Innenausstattung wurde in den folgenden 16 Jahren vervollständigt. So wurden beispielsweise der Hochalter und die beiden Seitenaltäre erst in den Jahren 1720 bis 1723 eingebaut. Die Anbringung der wunderschönen Reliefs an der Südfassade, die als Motive den Ölberg und die Abnahme Christi vom Kreuz vom Kreuz (letzteres im Jahre 1734) wurde die Bauphase abgeschlossen.

Während der Jahrhunderte fand eine ganze Reihe an Sanierungsmaßnahmen statt. So wurden in den Jahren 1860 bis 1864 umfangreiche Dacharbeiten durchgeführt. 1892/93 wurde die Kirche im Innenbereich renoviert und ausgemalert, 1903 die Orgel erneuert, standen 1937 bis 1947 abermals Innenrenovierungsmaßnahmen an und wurden von 1965 bis 1968 Sicherungsmaßnahmen durchgeführt und zwei Zuganker eingebaut. 1974 bis 1977 fand eine Außenrenovierung statt und von 1997 bis 1999 eine weitere Innen- und Außenrenovierung.



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