Bamberg
Kunst

Der Kreis soll sich schließen

Ab dem 12. Mai stellt der portugiesische Künstler Rui Chafes mehrere Skulpturen in Bamberg aus. In dieser Woche laufen bereits die Aufbauarbeiten.
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Künstler Rui Chafes legte bei der Installation seiner Plastiken selbst Hand an.Ronald Rinklef
Künstler Rui Chafes legte bei der Installation seiner Plastiken selbst Hand an.Ronald Rinklef
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Immer wieder wird die lange Leiter neu am Balkon des Rotenhan-Palais in der Kapuzinerstraße angesetzt. Gerade so reicht sie bis nach oben. Rui Chafes beobachtet die Situation. Von unten an der Straße, von oben auf dem Balkon. Noch liegt seine Plastik eingepackt auf der Ladefläche eines Transporters, gleich soll sie über die Leiter hoch auf den Balkon. Sein Blick wirkt sorgenvoll. Hat er Angst um sein Werk? "Nein, keine Angst", sagt Chafes. Aber eine genaue Vorstellung: "Wir müssen immer aufpassen, dass alles so gemacht wird, wie es gedacht ist. Es geht um eine gewisse Präzision und Perfektion."

Plastiken in der Bamberger Innenstadt - das ist nicht neu. 20 Jahre ist es her, dass die Skulpturen des Kolumbianers Fernando Botero mit ihren überzeichneten Proportionen zu Gast waren. Jetzt, anlässlich von 25 Jahren Unesco-Welterbe Bamberg, ist es Rui Chafes unter dem Motto "Seelenschatten". "Es ist die Überwindung des sehr schweren Materials Eisen", erklärt Kurator Professor Bernd Goldmann die Faszination hinter Chafes Arbeit. "Und die Konsequenz, mit der er den Raum besetzt. Da ist nichts dem Zufall überlassen. Bei aller Abstraktion wird man nicht satt, das anzuschauen."

Dass Goldmann den Portugiesen Chafes für die Ausstellung ausersehen hat, ist ebenfalls kein Zufall. Chafes hat bereits seine Spuren in Bamberg hinterlassen. Eine seiner Arbeiten findet sich in St. Stephan, eine andere im Restaurant "Eckerts". Beide werden in die Ausstellung integriert. Damit sind es insgesamt 15 Orte, an denen Chafes Kunst zu sehen sein wird. Darunter der Domkranz, die Obere Brücke und der Hain.

"Ich fühle mich mit Bamberg verbunden", sagt Rui Chafes. "Diese Elemente von Barock und Gotik gleichzeitig, das ist sehr faszinierend. Ich sehe die Ausstellung als einen Dialog mit der Stadt. Wir haben die Skulpturen für jeden Ort passend gewählt." Die Arbeit an seinen Werken beschreibt er so: "Ich denke lange nach, wache manchmal in der Nacht auf. Das kann ein paar Monate dauern, oder sogar Jahre. Wenn ich entschieden habe, wie ich etwas machen will, dann geht es schnell. Im Vergleich zum Denken ist der Prozess des Machens sehr kurz."


Neue Kunst für Bamberg?

Chafes und Goldmann warten nun auf die Reaktionen der Bamberger: "Kunst macht nur Sinn, wenn sie von anderen gesehen wird. Der Kreis muss sich schließen", sagt Rui Chafes. "In eine Galerie geht nur, wer die Ausstellung sehen will. Der öffentliche Raum gehört allen."

Vielleicht gehört ja nach der Ausstellung eine der Skulpturen weiterhin zum Stadtbild. Wie Boteros "Liegende mit Frucht", die blieb und seitdem - abgesehen von einem Tauchgang in der Regnitz - am Heumarkt steht. "Es würde mich natürlich freuen, wenn das gelänge", sagt Kurator Goldmann, "aber soweit denke ich noch nicht. Ich wünsche mir, dass die Ausstellung gut ankommt."


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