Wattendorf
Architektur

Der Gögga kräht wieder über Wattendorf

Die Sanierung der Turmeindeckung und der Außenfassade der Kirche St. Barbara in Wattendorf ist beendet.
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Den krönenden Abschluss der Turmspitze bildet der neu vergoldete Wetterhahn. Joseph Beck
Den krönenden Abschluss der Turmspitze bildet der neu vergoldete Wetterhahn. Joseph Beck
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Wie jedes andere Dorf auch hat Wattendorf sehnlichst darauf gewartet, dass der Blick auf den Kirchturm der Kirche St. Barbara wieder ohne Gerüst möglich ist. Aber auch der Wetterhahn und die Turmuhr wurden vermisst.

Die erste urkundliche Erwähnung des Dorfes geht auf das Jahr 1180 zurück. Das alte Siedlungsgebiet wurde aber schon um 3000 bis 1800 vor Christus von Bandkeramikern bewohnt. 1274 kam es dann an das Kloster Langheim. Die ursprüngliche Kapelle von Wattendorf wurde 1367 erstmals urkundlich erwähnt und zwar als Filiale der benachbarten Pfarrei Weichenwasserlos. Später wurde sie als Wehrkirche ausgebaut. 1741 wurde es selbstständige Pfarrei und bekam 1831 Gräfenhäusling zugeteilt. Die baufällige niedrige Haube des Turms wurde 1895 durch einen Spitzhelm ersetzt. Der Turm wurde letztmals 1948 verändert.

Nachdem die Schieferdeckung am Turm überprüft war, wurde nun wieder das renovierte und mit Goldlack gestrichene Kreuz aufgesetzt. Regie auf dem Turmdach führte dabei Stefan Heintze von der Firma Donath. Er sagte dazu: "Der Turm der Kirche von Wattendorf hat eine extrem hohe Spitze. Ich habe schon viele Türme repariert, der von Wattendorf hat aber Seltenheitswert."

Das wieder aufgesetzte Kreuz wurde auch nicht wie sonst üblich in das aufgespaltene Eichenholz des Balkens eingebrannt, sondern wie eine Hand darüber gestülpt. Auf diesem sogenannten Kaiserstiel sitzen der Schaft des Kreuzes und die Tröden, zylinderförmige Kupferbleche, die das Holz abdecken.

Die Handwerker setzten anschließend eine große Kugel mit 95 Zentimetern Durchmesser und eine kleinere auf. Da in diesen aber kein Platz für eine Kartusche mit Dokumenten ist, fehlen diese sonst üblichen Zeitdokumente. Ob nicht die Tageszeitung und einige flache Euroscheine und Münzen hineingepasst hätten, ist schon fraglich.

Kirchenpfleger Rudolf Krapp, der bei diesen Arbeiten tatkräftig in 50 Meter Höhe mithalf, sagte: "Es liegt wirklich nicht an der Armut oder dem Geiz der Wattendorfer. Aber es war beim Abbau vor der Renovierung nichts drin, und so kommt auch jetzt nichts rein."

Vorletzter Akt war das Aufsetzen der Eisenverzierungen in die vier Himmelsrichtungen. Der Wattendorfer Gögga, der krönende Abschluss der Spitze, wurde als Schlussstück besonders vorsichtig aufgesetzt, denn er ist vergoldet worden. Dank eines neuen Kugellagers kann er sich nun auch wieder drehen und den Jurabewohnern die Windrichtung anzeigen.

Uwe Schubert von der Firma Hofmann hatte beim Abbau eine ganze Dose Caramba-Rostfrei gebraucht, da das alte Kugellager durch das Eindringen von Regen und Feuchtigkeit festgerostet war. Den jetzt abgenommenen Hahn hatte damals Pankratz Krapp, der Großvater des jetzigen Kirchenpflegers und ehemaligen Bürgermeisters Rudolf Krapp geschmiedet. "Da er keine Füße hatte", so Krapp, "musste er im Wirtshaus so viel Spott und Hohn über sich ergehen, dass er einen zweiten Gögga anfertigte."

Am Ende der Turmspitze sind nun Scheinwerfer angebracht, um den Turm von hier aus nachts zu bestrahlen.

Auch das Zifferblatt der Turmuhr wurde erneuert, da es zu marode war. Die Fassade der Kirche wurde überarbeitet und neu gestrichen. Die Maler setzten dabei die Fensteröffnungen am Langhaus ebenso wie die am Turm farblich ab. Das Kirchendach wurde ebenso wie das des Turmes überprüft und repariert.

Die Verantwortlichen der Kirche, Pfarrer Michael Morawietz aus Scheßlitz und die Kirchenräte, beschlossen, auch das Umfeld der Kirche zu sanieren. Das Wegenetz soll behindertengerecht für Rollator- und Rollstuhlfahrer durch ein zeitgemäßes Pflaster aus farbigen Betonsteinen ersetzt werden. Es solle nicht noch einmal passieren, dass sich eine Braut auf dem Weg zum Altar den Stöckelschuh abbricht, wurde unter anderem als Begründung angegeben.

Bis zum Kreismusikfest Mitte September werden die Pflasterarbeiten im Umgriff laut Architekt Georg Schilling zwar nicht ganz fertig sein, der Vorplatz soll dann nach den Feierlichkeiten in Angriff genommen werden. Das Gerüst um die Kirche wird aber bereits in der nächsten Woche weg sein und der fast schon berühmte "Wattendorfer Gögga" kann schon jetzt wieder in voller Pracht erstrahlen.

Die oft gestellte Frage: "Wann kommt denn unser Gögga wieder?", ist also beantwortet. Die Gesamtkosten sollen sich auf rund 250 000 Euro belaufen.



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