Hollfeld

Der Fränkische Theatersommer eröffnet mit "Was ihr wollt"

Der Fränkische Theatersommer macht aus Shakespeares "Was ihr wollt" eine knallige Komödie, die Klamauk nicht scheut.
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Sir Toby (Stephan Bach) und Maria (Christiane Reichert). Fotos: Christian Weiss
Sir Toby (Stephan Bach) und Maria (Christiane Reichert). Fotos: Christian Weiss
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Shakespeare schreckte vor Kalauern nicht zurück, und wenn zur Premiere der ersten "Großproduktion" des Fränkischen Theatersommers in dieser Saison das Publikum tatsächlich gefragt worden wäre, was es wolle, hätte ein Großteil wohl geäußert: besseres Wetter, damit die Spielstätte unter freiem Himmel hätte genützt werden können und so ein Mehrwert an Theater-Atmosphäre entstanden wäre. Es hat nicht sollen sein, und die niedrigen Temperaturen zwangen das Ensemble in St. Gangolf; so gewann man immerhin fast hautnahen Kontakt zu den Schauspielern.

Die eine unter mancherlei Zwängen stehende Inszenierung sehenswert machen.
Es ist ja nicht leicht, ein 400 Jahre altes Stück mit fürs zeitgenössische Publikum sperriger Sprache in eine rustikale Freilicht-Produktion zu transponieren, nicht mit den Mitteln eines großen Hauses hinter sich, und trotzdem als künstlerisch einigermaßen anspruchsvoller Regisseur am Morgen noch ohne Beschämung in den Spiegel schauen zu können. Peter Kempkes ist dies, meist, gelungen. Er verantwortet in der fränkischen Version von "Was ihr wollt" auch noch das Bühnenbild und die Text-Bearbeitung, und zu all dem spielt er den Herzog Orsino und den Höfling Andrew von Bleichenwang.

Mit beachtlichem komödiantischem Talent, das auch seine Kollegen ihr Eigen nennen. Es ist ja eine Komödie der Irrungen und Wirrungen, die Shakespeare da schuf, der Verkleidungen, wechselnden Geschlechter-Identitäten, des ewigen Liebes-Spiels. Manches wirkt heute in Zeiten der diskutierten sogenannten Homo-Ehe antiquiert. Oder auch, Stichwort Queerness, hoch aktuell? So tief braucht man nicht zu schürfen. Bis sich die Paare in dem fiktiven Königreich Illyrien am Ende gefunden und die Verwicklungen aufgelöst haben, sind etliche Situationen von subtiler Komik bis Klamauk zu meistern.

Unter Scherz und Satire litt die tiefere Bedeutung mitunter etwas. Kempkes war ja gezwungen, den Text zu kürzen, und dass der Narr Feste geopfert wurde, ist schon ein Verlust. Andererseits meistert das Ensemble die Mehrfachbesetzungen glänzend: Hier sind Profis am Werk. Wie etwa Christiane Reichert einmal als frivole Maria - bei Shakespeare finden sich durchaus auch Derbheiten - und gleich darauf als maskuliner Sebastian mit ganz anderem Timbre brillierte: Respekt.

Ein ganz eigenes Kapitel ist jedoch Stephan Bach. Dieses Bühnentier, hier als stets angeschickerter Sir Tobias von Rülps und Seemann, mausert sich allmählich zum Theatersommer-Star. Mit donnernder Stimme beherrscht der klein gewachsene Mann jede Szene, gibt zusammen mit Peter Kempkes' trotteligem Andrew von Bleichenwang ein grandioses Paar. Kempkes schaltet dann schnell wieder um auf den Grafen Orsino als etwas weltfremden Duodezfürsten. Ingrit Gabriel als schöne Gräfin Olivia gibt dem Verwirrspiel Tiefe, während Juliane Fechner als Viola und Cesario das Androgyne der Rolle auch vom Phänotyp her schön verkörpert. Markus Veith wird als steifer und liebesnärrischer Haushofmeister Malvolio hereingelegt und bringt mit gelben Schnür-Strümpfen eine mächtige Portion Slapstick ins Spiel.

Viel Applaus gab es also für ein beherzt aufspielendes Ensemble. Schöne Kostüme erfreuen ebenso wie ein farblich abgestimmtes, schlichtes Bühnenbild und moderne Musik, die erstaunlich gut passte. Verborgene Bedeutungen aus Shakespeare herauszuholen, bleibt andern überlassen. Eine Wanderbühne muss wohl auch die sprachlichen Subtilitäten des Genies einglätten. Wenn noch was zum Wollen übrig bleibt, dann der Wunsch, dass der Fränkische Theatersommer - und die Zuschauer - fürderhin mit besserem Wetter gesegnet sein mögen.

Termine und Karten

Die nächste Vorstellung ist für den 6. Juni in Lichtenfels angesetzt. Weitere folgen den Sommer über in ganz Franken. Karten im lokalen Verkauf und an der Abendkasse. Weitere Informationen aufwww.theatersommer.de.

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