Schlüsselfeld
Sammelleidenschaft

Der Flipper-Mann

Von Mel Gibson über die Adam's Family bis hin zu Dick & Doof: Peter Steiner hat sie alle im Kasten. 122 Flipper gehören ihm.
Artikel drucken Artikel einbetten
Auch Dick und Doof flippern gern. Diana Fuchs
Auch Dick und Doof flippern gern. Diana Fuchs
+24 Bilder

Manche horten Bierdeckel oder Briefmarken. Peter Steiner mag es größer. Er sammelt 150 bis 200 Kilo schwere Holz- oder Metallkästen mit vielen Drähten im Inneren. Die Kästen leuchten, blinken, dröhnen. 122 Flipper nennt Steiner sein Eigen. Und ihm schwebt eine weitere Expansion vor. "Jeder hat seine eigene Geschichte, jeder ist was Besonderes", findet er und streicht über die schräge Glasfläche, die seine neueste Errungenschaft bedeckt: den Iron-Maiden-Spielautomaten "Legency of the Beast". "Den musste ich einfach haben."

Genau dieser Satz hatte sich schon einmal im Kopf des Franken festgesetzt. Vor 14 Jahren war das. Er las gerade Zeitung. "In den Kleinanzeigen stand: 'Spiderman-Flipper zu verkaufen'", erinnert Steiner sich. "Da dachte ich: 'Los, den kaufste und stellst ihn dir ins Wohnzimmer." Warum? "Naja, ich fand den halt cool. Ich bin mitten im Flipper-Zeitalter aufgewachsen und habe früher gern mal gespielt." Also holte er den "Spiderman" in Schlüsselfeld ab, brachte ihn heim nach Kirchrimbach am Drei-Franken-Eck - und wurde von nun an, im wahrsten Sinn des Wortes, immer flipperiger.

Ob in der Kneipe oder in der Diskothek: In der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts wurde vielerorts geflippert. Flipperautomaten - kurz: Flipper - gibt es, seit Harry Mabs Mitte der 40er Jahre den namensgebenden Flipperhebel erfand, mit dem der Spieler die Kugel wieder zurück auf die schräge Spielfläche schleudern kann. Zuvor konnte man die Metallkugel lediglich per Feder aufs Spielfeld katapultieren und dann abwarten, welche Hindernisse sie berührte. Später erfanden die Automatenhersteller zahlreiche Hebel und teils offensichtliche, teils geheime Funktionen. Diese machten das Spiel interaktiv und richtig spannend.

Und das, obwohl man beim Flippern noch nie Geld verdienen konnte. "Es geht immer nur darum, möglichst viele Punkte zu erreichen", erklärt Peter Steiner.

Der 51-jährige Franke kauft Flipper nicht primär aus Freude am Spiel. "Mir macht es total viel Spaß, defekte Flipper, die es oft schon für wenig Geld gibt, wieder zum Laufen zu bringen." Er hat schon welche aus Gartenhäusern im Allgäu geholt, von fränkischen Dachböden gehievt oder aus verstaubten Kellern im Ruhrgebiet ans Tageslicht geschleppt. "Einen aus einer alten Kneipe in Ingolstadt musste ich zwei Wochen draußen ausdünsten lassen - da steckte der Qualm von 30 Jahren drin." Die Frontscheibe eines "Kiss"-Flippers hat er quasi in letzter Sekunde vor dem Schlund des Müllautos gerettet - der Rest war schon auf Nimmerwiedersehen verschwunden.

Nach sorgfältigem Säubern stellt Steiner immer wieder fest: "Jeder Kasten ist anders." Die rein mechanischen Geräte reizen ihn zwar auch, aber die meisten seiner Errungenschaften sind Baujahr 1970 und jünger. "Die haben Zählwerke und elektromechanische Funktionen, später dann auch Digital-Anzeigen und noch später große Displays zum Punktesammeln." Ein Dorado für Tüftler.

Kein Bauteil, das der gelernte Elektroinstallateur, der Feinwerktechnik studiert hat und beim Automobil-Zulieferer Leoni in Kitzingen arbeitet, noch nicht ausgetauscht hätte. "Bis jetzt hab' ich für jedes Problem eine Lösung gefunden. Ich studiere die Schaltpläne und vermesse die Bauteile so lange, bis ich den Fehler finde - da ist mein Ehrgeiz sehr groß", stellt Steiner fest, während er in der Werkstatt neben seinem Haus auf allerhand Mess-Equipment, etwa einen Oszillosgraphen, und Zoll-Werkzeug deutet - "Die Geräte kommen ja meist aus den USA, deshalb geht nichts ohne amerikanische Schraubenschlüssel". Neben Fingerspitzengefühl braucht Steiner oft auch spezielle Ersatzteile, nach denen er vor allem online sucht. "Bis jetzt habe ich immer Glück gehabt."

Und dabei tolle Menschen kennen gelernt. "Die Flipper-Fans sind eine nette Community." Da fachsimpelt man schon mal, woran es liegen könnte, dass die Kugel auf dem Balkon-Spielfeld des "Flash Gordon" nicht richtig rollt oder ein Feature nicht funktioniert - etwa die geheimnisvolle Hand sich nicht öffnet, die einen Punktgewinn von "Adam's Family" belohnt.

30 von Peter Steiners 122 Flippern sind spielbereit aufgebaut. Sie stehen unterm Steingewölbe in einer Scheune, die Jung und Alt magisch anzieht. Glocken klingen, Sirenen heulen, Knöpfe sprühen scheinbar Feuer: Mit all diesen Tricks verführen die Automaten die Menschen zum Zocken. Von "Starfighter" bis "Space Invaders": Alle paar Minuten stimmt ein anderer die Titelmelodie eines Films an. "Das ist der Attract-Modus", weiß Steiner. "Die schreien: 'Spiel mit mir!'" Auch Peters Steiners Frau Silke, seine Tochter Lisa (21) und auch seine jüngeren Kinder Mona (10) und Tom (7) hören diese Rufe. Sie sind längst Flipper-Fans. "Nach dem Flippern bin ich richtig entspannt", sagt Silke Steiner und lacht: "Schon deshalb mag ich das Hobby meines Mannes."

Was aber soll mit den gut 90 Flippern geschehen, die platzsparend verpackt darauf warten, dass wieder mal jemand ihre Hebel drückt? Peter Steiner bekommt einen sehnsuchtsvollen Blick: "Mein Traum ist es, ein Flippermuseum einzurichten, in dem man auch spielen kann." Aber wie und wo? "Würde ich Bierdeckel sammeln, wär's leichter." Kontakt: steiner.peter@web.de

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren