Ebrach
Steigerwald

Der Bürgermeister will die Riesenbuche retten

Ebrachs Bürgermeister Max-Dieter Schneider (SPD) hofft im Streit um die Sprengung einer Riesenbuche auf einen Kompromiss. Doch die Zeit für den vom Sturz bedrohten Giganten läuft ab. Der Forstbetrieb sieht akute Gefahr im Verzug.
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Eine 250-jährige Riesenbuche steht kurz vor der Sprengung: Ebrachs Bürgermeister Max-Dieter Schneider wirbt für eine baumschonende Regelung.  Fotos: Ronald Rinklef
Eine 250-jährige Riesenbuche steht kurz vor der Sprengung: Ebrachs Bürgermeister Max-Dieter Schneider wirbt für eine baumschonende Regelung. Fotos: Ronald Rinklef
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Der bekannteste Einwohner Ebrachs lebt in einer Mulde unterhalb des Radsteigs und hat möglicherweise 250 Jahre auf der Rinde. Es handelt sich um eine riesenhafte Zwillingsbuche, eine der größten im Steigerwald, möglicherweise in ganz Deutschland, wie Waldexperte Georg Sperber behauptet. Ein Natur-, aber auch ein Medienwunder. Noch nie haben so viele Journalisten um einen einzelnen Baum im Steigerwald ein solches Aufhebens gemacht.

M4, wie die Nummer vier auf dem Methusalempfad der Bayerischen Staatsforsten von Baumfreunden gerne genannt wird, hat in den letzten Tagen mehr Besucher angezogen als manche Sehenswürdigkeit im Umkreis. Truppweise kraxelten die Touristen in die Flanke unter der Bundesstraße, um die Zierde seiner Art noch einmal zu bestaunen, ehe es zu spät ist.

Auch zwei Fernsehteams gehörten zu den Bewunderern. Unter der gewaltigen Krone von M 4 gingen sie einem Konflikt nach, in dem sich wieder einmal die Staatsforsten und die für einen Nationalpark kämpfenden Naturschützer gegenüberstehen. Für die einen geht es um Verkehrssicherheit. Für die anderen um den fragwürdigen Umgang mit den Resten ursprünglicher Natur. Sat 1 berichtete bereits über den fränkischen Baumkrieg. Am Donnerstagabend, 20 Uhr, wird Christoph Süß im Satiremagazin "Quer" das Drama in gewohnt süffisanter Form aufspießen, das sich zuletzt noch einmal zugespitzt hat.


Frost könnte den Baum zum Einsturz bringen
Absperrbänder warnen die Besucher, dem Riesen näher als 20 Meter zu kommen. Die Staatsforsten fürchten, dass Frost den Riss zwischen beiden Baumstämmen verstärken und einen von ihnen schon bald zum Einsturz bringen könnte. Das Problem dabei: Die Krone des gefährdeten Baumteils ragt teilweise über einen neuen Radweg, der mitten durch das Naturschutzgebiet "Spitzenberg" gebaut wurde. Lebensbedrohlich für arglose Pedalritter? Für Ulrich Mergner von den Staatsforsten genießt die gesetzliche Pflicht zur Verkehrssicherung absoluten Vorrang, auch wenn es sich um ein Naturschutzgebiet handelt. "Wenn wir anders handeln, machen wir uns strafbar."



Zur Verteidigung Mergners muss man sagen, dass die aufwendige Sprengung nicht dazu dient, dem Baum den Garaus zu machen, sondern im Gegenteil, nur den gefährdeten Teil vom standfesten anderen zu trennen, was beim üblichen Absägen mit einer Motorsäge wegen des Standorts am Hang nicht ohne Gefahr möglich wäre.
Nicht nur für die Naturschützer, auch für den Bürgermeister Max-Dieter Schneider (SPD) und den Bamberger Landrat Günther Denzler (CSU) wäre Sprengen aber nur die zweitbeste Möglichkeit, zumal es keine Garantie gibt, dass nicht am Ende beide Hälften stürzen. Der Bürgermeister, der schon heute mit Freude sieht, wie die dicken Buchen Touristen nach Ebrach strömen lassen, empfiehlt stattdessen, ein Schild aufzustellen, das auf die Risiken herabfallender Äste und stürzender Bäume in einem Naturschutzgebiet hinweist. "Wenn wir das mit der Verkehrssicherheit zu Ende denken, müssten wir um jede Straße im Wald eine Trasse von 15 Metern freischlagen."


Verhindert ein Schild die Sprengung?
Könnte ein einfaches Schild mit der Aufschrift "Betreten auf eigene Gefahr" M4 vor der möglicherweise finalen Behandlung mit Dynamit retten? Ähnliches hat man laut Mergner bereits im Forstbetrieb überlegt, zögert aber wegen der juristischen Unwägbarkeiten. Das vom Oktober datierende Urteil des Bundesgerichtshofs zur Duldung waldtypischer Gefahren sieht Mergner im Gegensatz zu anderen nicht als Freifahrtschein für Waldbesitzer.

Unterdessen wertet der Bund Naturschutz (BN) die geplante Sprengung eines Naturdenkmals als Beweis dafür, wie schwierig es ist, selbst in bestehenden Naturschutzgebieten alte Bäume zu erhalten. Noch bei der Eröffnung des Methusalempfads hätten die Staatsforsten versprochen, dass die Bäume hier in Würde altern dürften. Nun gebe es plötzlich einen Radweg, der dazu zwinge, ausgerechnet die beeindruckendste Buche zu sprengen, sagt Ralph Straußberger. Der BN sieht sich durch die Vorgänge in Ebrach in seinem Forderungen nach einem Nationalpark bestätigt. Skeptisch steht man dagegen der Erschließung kleiner Schutzgebiete durch Wege gegenüber, wie Ulla Reck erläutert: "Dadurch werden Konflikte vorprogrammiert, wie es jetzt auch im Naturschutzgebiet Spitzenberg der Fall ist. Wenn M4 beseitigt ist, könnten irgendwann auch M3 und M5 unter die Säge kommen."
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