Bamberg
Benefizkonzert

Der Blues hält ihn jung

Otto Herzog, ein Bamberger Jazzer der ersten Stunde, feiert am 11. Mai seinen 85. Geburtstag. Am Sonntag spielt der Ausnahmemusiker in Strullendorf.
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Otto Herzog ganz in seinem Element Foto: p
Otto Herzog ganz in seinem Element Foto: p

"Mein Leben ist Blues, mein Blut total verbluest." Wenn Otto Herzog solche Worte gelassen ausspricht, ist das gewiss keine Übertreibung. Schließlich wird der gebürtige Strullendorfer am 11. Mai 85 Jahre alt und hat fast sein ganzes Leben dem Blues gewidmet.

Neben dem Hauptberuf, in dem er zunächst als Industriemeister, später als Marketing-Manager arbeitete, hat Otto Herzog eine zweite Karriere als Musiker hingelegt. Unter den Bamberger Lokalmatadoren gilt er zusammen mit dem Pianisten Tex Döring und dem Geiger Max Kienastl als Urgestein des Jazz. Für das Schlüsselerlebnis, das die Tore zu der afro-amerikanischen Musik öffnete, sorgte eine Trompete. Sein Vater hatte das Instrument 1948 im Gegenzug für ein Radio bei der Bamberger Tauschzentrale erworben und dem 14-jährigen als Geschenk überreicht.

In allen Clubs präsent

Als nach dem Zweiten Weltkrieg mit den Amerikanern auch der Jazz in Bamberg Einzug hielt, war Otto Herzog infiziert. Nach ersten Engagements in Tanzkapellen stieg er 1953 in die "Remy-Band", die damals populärste Tanz- und Unterhaltungsband der Domstadt, ein. Wenige Jahre später spielte Herzog fast täglich in sämtlichen Clubs der Ami-Kaserne. Sie boten einem aufstrebenden Musiker die Gelegenheit, gutes Geld zu verdienen, Kontakte zu knüpfen, Noten zu ergattern und das Improvisieren zu lernen. Die dort gemachten Erfahrungen bildeten einen wichtigen Nährboden für das Entstehen der heimischen Jazzszene.

1960 gründete Otto Herzog zusammen mit seinem Freund Martin Marquardt den ersten Bamberger Jazzclub. Im selben Jahr ging das erste Jazzkonzert auf Bamberger Boden über die Bühne, das von den beiden Hausbands des Clubs, den "Remy Dixielanders" (mit Otto Herzog) und der Modern Jazz Group (mit Tex Döring) bestritten wurde. Während der erste Jazzclub schon 1961 mangels fester Bleibe schließen musste, spielte Otto Herzog in zig Formationen bis heute weiter. 1967 stieg er beim "Fränkischen Konzertorchester Bamberg" ein, wo er unter anderem als Solist und erster Trompeter spielte. 1987 wurde er Gründungsmitglied der Uni-Big-Band Bamberg, die er als Pensionär 2014 verließ. Seit 2008 leitet er "Ottos Swing & Blues Big Band". Mit beiden Big Bands war er mehrfach auch im Jazzkeller Bamberg zu Gast.

Louis Armstrong und Duke Ellington sind Herzogs musikalische Leitsterne. Um sich vor einem Konzert "einzugrooven", braucht er heute keine Schallplatten mehr aufzulegen. Er greift gleich auf das schnellere Medium zu, den Videokanal "youtube".

70 Jahre auf der Bühne

Nach 70 Jahren auf der Bühne ist der Trompeter noch regelmäßig präsent. Und wenn er das zweite oder dritte Stück gespielt hat, erscheint ihm die Zeit wie ein einziger Augenblick. "Dann ist alles um mich herum weg, das ist so herrlich", freut sich Herzog, der einem angesichts seiner stabilen physischen Verfassung - er hat mit 85 noch alle Zähne und vollen Haarwuchs - selbst wie ein "Wunder" erscheint.

Am Samstag wird Otto Herzog 85 Jahre alt. Aus diesem Anlass gibt er am Sonntag, 12. Mai, mit " Ottos Swing & Blues Big Band" ein Benefizkonzert in der St.-Paulskirche Strullendorf. Beginn ist um 17 Uhr. Der Eintritt ist frei. Spenden (für den Bau eines Aufzugs im Pfarrheim) sind erwünscht.

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