Bamberg
Natur

Der Bamberger Wolf bleibt ein Phantom

Im Landkreis häufen sich die Hinweise. Fotos bei Scheßlitz und ein gerissenes Reh bei Memmelsdorf werden von Experten aber Hunden zugeordnet.
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Foto: Swen Pförtner/dpa
Foto: Swen Pförtner/dpa
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Im Bamberger Land scheint das Wolfsfieber ausgebrochen. Nachdem der Räuber im Veldensteiner Forst bei Pegnitz bestätigt wurde und es auch auf der Jurahochebene bei Weismain unbestätigte Hinweise auf ihn gibt, häufen sich die Verdachtsfälle. Undeutliche Fotos aus der Scheßlitzer Flur und ein gerissenes Reh bei Memmelsdorf haben nun die Debatte befeuert. Doch das Landesamt für Umwelt beruhigt: In beiden Fällen handelte es sich laut den Experten um große Hunde.

Verpixelte Fotos von einem Acker am Seierbach bei Scheßlitz zeigen ein großes Tier mit einer hellen Schnauzenpartie, einem dunklen Sattel auf dem Rücken und einer dunklen Schwanzspitze. Nicht nur Laien fragten sich: Streunt hier ein Wolf durch Bamberger Flur?

Nein, antwortet das Landesamt für Umwelt. "Zwei Bilder des Ereignisses (in besserer Qualität) wurden bereits dem Bayerischen Landesamt für Umwelt zur Beurteilung vorgelegt und an die Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf zur Beurteilung weiter geleitet. Diese hat bestätigt, dass es sich bei den Aufnahmen um einen Hund handelt", erklärt ein Sprecher.

Was die Experten so sicher macht? "Ausschlaggebend für die Bewertung der Fotos als Hund war unter anderem die auffällige helle Gesichtsmaske bis über die Augen und die relativ großen, nah zusammenstehenden Ohren." Schäferhunde, Sibirische Huskys bis hin zu Tschechischen Wolfshunden ähneln dem Original teils sehr.

Tatort Meedensdorf

Nicht nur undeutliche Fotos, sondern einen handfesten forensischen Fundort hatten die Experten dagegen im Gemeindegebiet Memmelsdorf zu bewerten. Tatzeitpunkt: jene fast mondlose Nacht auf den 6. Februar. Tatort: ein Graben neben einem Hof bei Meedensdorf. Das Opfer: ein Reh. Tatverdächtig: der Wolf.

"So etwas macht bei uns kein Hund", sagt Landwirt Jürgen Beil, der das gerissene Reh gefunden hat. Nach seiner Meldung hat sich Gerlinde Weinhäupl, als Wolfsberaterin im "Netzwerk Große Beutegreifer" für den Landkreis Bamberg zuständig, vor Ort ein Bild gemacht, Trittsiegel gesucht, Fotos angefertigt und die Bissspuren vermessen. "Die Auswertung der Daten übernimmt dann ein Sachverständiger vom Landesamt für Umwelt", erklärt Weinhäupl den Ablauf.

Das Ergebnis: "Bei dem gerissenen Reh deuten die Zahnabstände sowie die Größe der Trittsiegel auf einen Hund als Verursacher. Der Revierinhaber teilt diese Einschätzung. Eine genetische Untersuchung war deshalb nicht erforderlich", berichtet ein Pressesprecher.

"Der Hund hat das schon öfter gemacht, weil er sehr professionell vorgegangen ist", erklärt Weinhäupl. Beil widerspricht: "Bei uns gibt es keine freilaufenden Hunde."

Keine DNA-Analyse

Für den Meedensdorfer ist das Ergebnis nicht zufriedenstellend, er hätte sich eine DNA-Analyse gewünscht. Hier habe das Amt zu langsam reagiert, so seien die 48 Stunden verstrichen, nach denen die DNA-Probe nutzlos wird. Der Bauer hat den Verdacht, dass hier etwas verdeckt werden soll. "Es wird auch gemunkelt, dass der Wolf im Hauptsmoorwald ist", sagt Beil.

Die Verantwortlichen im Landesamt beruhigen: Wenn jemand Beobachtungen oder Fotos zum Beispiel im Hauptsmoorwald mache, solle er sich melden. Dann könnten die Hinweise untersucht werden. Spekulationen brächten nichts.

Gerlinde Weinhäupl jedenfalls hat derzeit viel zu tun. Während des Telefonats bekommt sie schon den nächsten Hinweis: Ein Jäger hat ein gerissenes Reh bei Königsfeld gefunden. Am Mittwoch wird die Beraterin im "Netzwerk Große Beutegreifer" den Fundort sichten. Der Veldensteiner Forst ist nur wenige Kilometer von der Landkreisgrenze entfernt - für den Wolf nur ein Katzensprung.



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