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Bamberg
Eklat

Der Aufstand der Kleinsponsoren in Bamberg

Bisher brodelte es nur unter der Decke. Nun könnte der Konflikt rund um das lange Zeit erfolgreichste deutsche Basketballteam eskalieren. In einem offenen Brief an Michael Stoschek geht es um Geldgeber der Bundesligamannschaft, die sich von Hauptsponsor Brose an den Rand gedrückt fühlen.
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Mäzen Michael Stoschek steckt Millionen in den Bamberger Baskeball. Doch das stößt offenbar nicht nur auf Zustimmung.
Mäzen Michael Stoschek steckt Millionen in den Bamberger Baskeball. Doch das stößt offenbar nicht nur auf Zustimmung.
Matthias Maier wechselte von der Fantribüne des FC Bayern München nach Bamberg, sein Vater Michael war lange Zeit Clubanhänger. Vor drei Jahren sind die beiden Autohändler dem Fußball untreu geworden. Mit einer fünfstelligen Summe pro Jahr tragen sie seither zum Erfolg der Brose Baskets bei - keine Kleinigkeit für einen Familienbetrieb mit 15 Mitarbeitern. Doch die Zeiten stehen auf Sturm: "Wir schätzen die Leistungen des Herrn Stoschek sehr, doch nun macht er die Sache hier zu einer One-Man-Show für Brose. Wir wollen uns aber nicht nur als lästiges Anhängsel fühlen", sagt Maier.

Der Unternehmer aus Neustadt an der Aisch ist kein Einzelfall, wie ein offener Brief nahe legt, der am Montag in den Zeitungen Fränkischer Tag und Coburger Tageblatt erschien. In ihm ist die Rede von "großer Sorge", die viele Kleinsponsoren umtreibt. Sie fühlen sich an den Rand gedrängt.

Michael Ehlers, Präsident des Brose-Baskets-Business-Clubs, ist das Sprachrohr der Unzufriedenen, jener Kleinsponsoren, die keine Million spenden, aber mit ihrer Masse und Multiplikatorenwirkung doch einen erklecklichen Teil zum Erfolg von Freak City beitragen. "Fangen Sie bitte endlich an, den Menschen zu erklären, was Sie vorhaben mit Ihrer Firma Bamberger Basketball GmbH", fordert Ehlers in seinem Brief. Fast beschwörend wirkt es, wenn ers schreibt: "Wenn Sie nicht mit dem Rest der Sponsoren auf Augenhöhe in den Dialog treten, könnte etwas kaputt gehen, was nicht kaputt gehen muss."

Die bezahlte Anzeige mit vier Zeitungsspalten birgt Zündstoff. Denn die Kritik gilt keinem Geringeren als Michael Stoschek, Vorsitzender der Gesellschafterversammlung der Brose Gruppe, einem der wohlhabendsten Männer Bayerns und: dem Hauptsponsor des Seriengewinners der Deutschen Basketballmeisterschaft.
Bislang ist der Business-Club nicht als Quelle von brisanten Verlautbarungen in Erscheinung getreten. Der Institution, die sich als Netzwerk der Wirtschaft und Förderer der Brose Baskets versteht, gehören weit über 200 Personen an - ein Zirkel mit Zugang zur sogenannten VIP-Lounge samt der dort anzutreffenden Szene, Bewirtung und Unterhaltungen inklusive.

Doch seit Hauptsponsor Brose im Oktober 2013 zum Namensgeber der Halle und zum Motor für eine millionenteuere Ertüchtigung der Arena avancierte, geht ein Riss durch die heile Welt der Sponsoren in Bamberg. Seitdem gibt es wichtige und weniger wichtige VIPs. "Jahrelang waren auch meine Euros wichtig, und jetzt wird dir erklärt, was für eine kleine und unwichtige Nummer du hier bist", zitiert Ehlers, was an einem Unternehmerstammtisch gesagt worden sein soll.

Edelbereich hinter Glas

Fast schon symbolisch für diesen Wandel in Freak City steht die neue Premium-Lounge, ein hinter Glas befindlicher Edelbereich gleich gegenüber den Logen. Einerseits haben manche Unternehmer, so hört man, Hemmungen, sich in dieses schicke Separee zu begeben, andererseits scheint es ihnen ein Dorn im Auge, nicht mehr an erster Stelle zu stehen: "Haben Sie eine Idee, wie sich so ein Unternehmer fühlt, wenn er Sätze hört wie: ,Hier in der Premium-Lounge sitzen die Sponsoren, die zukünftig dieses Modell tragen werden, und es ist nur gut und richtig, dass wir diese Bereiche jetzt getrennt haben‘".

Doch warum geht Michael Ehlers den Weg des öffentlichen Protestes? Warum riskiert der Mann, der sich als Management-Lehrer bezeichnet, den Eklat, indem er den Hauptsponsor Michael Stoschek, höflich verpackt zwar, aber dennoch unmissverständlich die Meinung sagt? "Wir haben im Unternehmerstammtisch zusammengesessen und gefragt, was passiert denn jetzt konkret", erklärt Ehlers das Vorgehen. Er beruft sich auf eine Vielzahl von Wirtschaftsleuten im Business-Club, die mit den Veränderungen in den letzten Wochen alles andere als zufrieden seien. Ihm geht es nach eigener Aussage nicht darum, Ärger zu machen. Er und die Mitglieder des Business-Clubs wollen auf Augenhöhe mit Michael Stoschek ins Gespräch kommen. "Ich denke, es gibt eine große Chance, die Diskussionen zu beenden, wenn sich Michael Stoschek vor die Sponsoren stellt und seine Ziele erklärt."

Im Bamberger Rathaus ist man über den öffentlichen Schlagabtausch der Sponsoren nicht glücklich. Die Stadt, die ohne den Bamberger Basketball ihren Hauptnutzer für ihre Arena verlöre, hat erst im vergangenen Sommer einen langfristigen Vertrag über das Namensrecht mit Michael Stoschek geschlossen. Mit dem Mehrerlös aus dem Verkauf der fünf Buchstaben an der Arena gelang es der klammen Kommune, ein 2,5 Millionen schweres Ertüchtigungsprogramm zu schnüren, das die Halle zukunftsfähig machen soll.

Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) ist deshalb daran gelegen, den Streit in der Sponsorenschaft möglichst schnell einzudämmen und die Kontrahenten an den Verhandlungstisch zurückzubekommen. "Ich habe den Eindruck, dass hier zu wenig miteinander kommuniziert wird", sagt Starke und schlägt vor, unter dem Dach des Brose-Wirtschaftsclubs ein Gespräch zu organisieren, bei dem die Sponsoren untereinander ein besseres Verständnis für die gegenseitige Interessenlage entwickeln. Starke appelliert an beide Seiten, keine Vergangenheitsbewältigung zu betreiben, sondern nach vorne zu blicken: "Wir wollen alle, dass Basketball in Bamberg erfolgreich bleibt. Dazu brauchen wir die Brose-Unternehmensgruppe ebenso wie die lokale Wirtschaft."

Dem ersten Anschein nach ist nicht zu befürchten, dass der Klassenkampf zwischen Premium- und Kleinsponsoren nun, da er öffentlich geworden ist, eskalieren könnte. Zwar ließ Stoschek die vielen Fragen, die sich nach dem offenen Brief stellten, scheinbar ungerührt an sich abperlen. Keine Antwort aus der Firmenzentrale in Coburg. Doch die Zeichen deuten zumindest darauf hin, dass das Gespräch in Gang kommen könnte. Gegen 16 Uhr meldete sich am Montag Wolfgang Heyder zu Wort.

Es sind wenige Worte, die er für das 400-Zeilen-Epos von Michael Ehlers übrig hat. Darin erklärt der Manager der Brose Baskets, er sei erstaunt, dass Ehlers den Weg einer bezahlten Anzeige gewählt habe, um seine Meinung zu verbreiten und mit Herrn Stoschek über das Sponsoring der Brose Baskets zu diskutieren. Möglichst noch in diesem Jahr soll es einen Informationsabend geben, an dem auch Michael Stoschek als Vertreter des Hauptsponsors Brose teilnehmen werde. "Im Rahmen dieser internen Veranstaltung werde ich die offensichtlichen Missverständnisse aufklären", gibt sich Heyder zuversichtlich.

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