Bamberg
Tourismus

Der Ansturm auf Bamberg steht noch aus

Hält das kühle Maiwetter die Besuchermassen ab? Bisher kam es noch nicht zur befürchteten Überlastung der Bamberger Altstadt. Doch schon an diesem Wochenende könnte sich dieser Eindruck ändern. Sämtliche Betten im Umkreis sind ausgebucht.
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Der Michelsberg zog in diesem Mai schon viele Gäste an. Unser Bild zeigt Touristen beim Abstieg vom Terrassengarten.   Fotos: Ronald Rinklef
Der Michelsberg zog in diesem Mai schon viele Gäste an. Unser Bild zeigt Touristen beim Abstieg vom Terrassengarten. Fotos: Ronald Rinklef
Es ist eine gute Nachricht, die Andreas Christel, Bambergs oberster Tourismuschef, drei Wochen nach dem Start der Landesgartenschau verkünden kann: Die Großveranstaltung auf der Erba-Insel, die am Dienstag ihren 100.000sten Besucher begrüßen konnte, hat bisher noch nicht zur befürchteten Anballung von Menschenmassen in der Altstadt geführt. "Unsere Erfahrungen sind, dass alles sehr entspannt und ruhig abläuft. Es gibt immer noch ruhige Stellen in der Altstadt", sagt Christel.

Der Leiter des Tourismusservice der Stadt sieht sich durch den den Monat Mai bestätigt. Die Bemühungen, den Touristenstrom in Bamberg über eine größere Fläche zu verteilen, zeigen offenbar Wirkung: "Soweit wir wissen, wird das Angebot in der Gärtnerstadt gut besucht", sagt Christel.

Stark gewachsenes Interesse an Bambergs Gärtnerstadt stellt auch Hubertus Habel, der Leiter des neu eröffneten Gärtner- und Häckermuseums, fest. Rund 50 Prozent von den 1500 Gästen, die das Museum nach dem Eröffnungstag bislang besuchten, waren Besucher der Gartenschau. Nach Habels Erfahrungen ist es vor allem die Kombination von Gärtnerrundweg, Museum und den Gärtnereien, die die Menschen in einen Stadtteil zieht, der bisher im Schatten der Tourismusmeilen stand. Auch die Aussichtsplattform in der Heiliggrabstraße trage einen Teil zur Belebung bei, meint Habel. "Viele Leute, die uns besuchen, fragen danach."

Verlaufen sich die Touristenmassen neuerdings in der Gärtnerstadt? Um dies zu beantworten, ist es noch zu früh: Die klassische Touristensaison in Bamberg steht noch bevor. Das Pfingstwochenende etwa könnte nach Einschätzung von Tourismuschef Christel einen Höhepunkt im Jahr des Domjubiläums und der Gartenschau markieren. Dann findet auch die Schlussetappe der Bayern-Rundfahrt in Bamberg stat. Ob das Verkehrskonzept der Stadt den befürchteten Besucherkollaps verhindern kann, wird sich möglicherweise aber schon an diesem Wochenende herausstellen. Es zählt seit vielen Jahren zu den Höhepunkten des Bamberg-Tourismus. An Christi Himmelfahrt sei Bamberg schon immer gut gebucht gewesen, sagt Rudolf Christel vom Hotel Alt Ringlein, eine Feststellung, die auch Udo Ziegler vom Hotel Residenzschloss bestätigen kann.

Neu ist allerdings, dass selbst im Umland mit seinen 3100 Betten derzeit kaum noch Übernachtungen zu bekommen sind, wie am Mittwoch das Online-Buchungssystem der Stadt zeigte. Es wies für Samstag nur noch in Schlüsselfeld und Breitengüßbach freie Doppelzimmer aus. Eine Tendenz, die die allgemeinen Erwartung, dass auch 2012 ein Rekordjahr werden könnte, zu bestätigen scheint. 2011 wurden in Bamberg so viele Übernachtungen gezählt wie nie - 510 000.

Aus Sicht der Stadt hart sich Verkehrskonzept für die Gartenschau bislang bewährt. Durch Pendelbusse und Schiffsverkehr werde die Stadt entlastet. Die Einrichtung von Parkzonen rund um Gaustadt verhindere zudem massenhaftes Falschparken. Wie Ulrike Siebenhaar von der Stadt sagte, gebe es bereits Stimmen von Anwohnern, die die Schutzmaßnahmen auch in Zukunft beibehalten wollten.

Zumindest im Sandgebiet hört man aber ganz andere Töne. Wie die dort lebende GAL-Stadträtin Ulrike Heucken berichtet, sei die Stimmungslage bei vielen Anwohnern vor allem deshalb gereizt, weil "sie jetzt massenhaft Knöllchen kassieren, wenn sie ihre Autos in der Schweinfurter Straße abstellen". Auch Heucken bestätigt, dass die Gartenschau bisher noch nicht zu einem Massenansturm von Beswuchern in der Altstadt geführt hat, doch mag sie deshalb noch keine Entwarnung geben. "Wenn man sieht, dass wir heuer die Bayern-Rundfahrt haben und im August eine Skulpturen-Schau eröffnet wird, fragt man sich schon, warum alles in einem Jahr stattfinden muss."

Gegen mehr Gäste als bisher hätte zumindest Oliver Laut wenig einzuwenden. Laut ist Schiffsführer der Personenschifffahrt Kropf, die für den Schiffspendelverkehr vom Leinritt zur Gartenschau fünf Mitarbeiter eingestellt hat. 14 Mal am Tag befördern er und seine Kollegen Touristen nach Gaustadt. "Das Angebot kommt sehr gut an", berichtet Laut. Dennoch gebe es noch genügend freie Plätze.
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