Hallstadt
Bamberger Literaturfestival

Der Alltag aus Sicht der Frau

Die Bestsellerautorin Gaby Hauptmann las aus ihrem neuen Roman und begeisterte ihr überwiegend weibliches Publikum mit ihrem direkten Humor.
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Gaby Hauptmann während ihrer Lesung. Foto: Ronald Rinklef
Gaby Hauptmann während ihrer Lesung. Foto: Ronald Rinklef
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Erwartungsvolle Vorfreude, ein Gläschen Sekt und nettes Geplauder - das Publikum, das vorwiegend, aber nicht nur, aus Frauen im mittleren Alter besteht ("Wir haben überhaupt ein paar Männer hier" wird Gaby Hauptmann später sagen) ist in bester Stimmung.

Eine Hochstimmung, die man wohl am besten mit der vergleichen kann, die Fans von Schauspielern oder Sängern kennen, wenn sie dabei sind, ihrem Idol zu begegnen. Das Publikum, das sich am Freitagabend in der "Bücherwelt" im Hallstadter Ertl-Zentrum einfindet, freut sich aber "nur" auf eine Schriftstellerin. Gaby Hauptmann schreibt Bestseller mit einer verkauften Auflage von zehn Millionen Büchern alleine in Deutschland und kreist dabei um Themen wie Liebe und Enttäuschung, Beziehungen, die anfangen und enden - der Alltag geschildert aus der Sicht von Frauen, gewürzt mit einer gehörigen Portion Sex und Erotik und mehr oder weniger deftigem Humor und Situationskomik.

"Frauenliteratur"

Mögen feuilletonistische Großkritiker darüber die Nase rümpfen und diese Belletristik als Schund abtun, den Leserinnen ist das nicht nur egal. Sie finden sich in den Büchern, die man nicht abwertet, wenn man sie als Frauenliteratur bezeichnet, wieder, können sich mit den Figuren identifizieren, über sie lachen, den Kopf schütteln und fühlen sich bei der Lektüre bestens unterhalten. Aber nicht nur bei der Lektüre, sondern wie sich herausstellt, auch und gerade bei der Lesung "ihrer" Autorin.

Gaby Hauptmann - in enger schwarzer Hose und Oberteil, leuchtend gelber Jacke und Schlangen-Stilettos - fällt nicht nur wegen ihrer Farbwahl auf. Sie ist präsent schon bevor sie auf das Podest tritt, das Wort ergreift, sich für die Einführung bedankt und für den guten Rotwein, der auf dem Glastisch neben dem dunkelroten Sessel darauf wartet, nachgeschenkt zu werden.

"Stört es Sie?", fragt Gaby Hauptmann ins Publikum während sie zum Glas greift, das sofort freundlich lachend verneint und spätestens jetzt der Autorin, die sich für den ersten Teil der Lesung im Sessel niederlässt ("Der kippt auch nicht nach hinten weg?"), seine volle Aufmerksamkeit schenkt.

Steffi, die Hauptfigur in "Plötzlich Millionärin - nichts wie weg!" beschließt, zumindest einen Teil ihres Gewinns für eine Reise nach Südafrika auszugeben und mietet sich für eine Woche im Safari-Camp Garonga ein.

Erotik im Baumhaus

Wie das auf Reisen so ist, lernt Steffi Menschen kennen, die sie mag und die sie nicht mag. Und sie lernt Mike kennen, mit dem sie eine Nacht in einem Baumhaus verbringt, bei der natürlich die Erotik nicht zu kurz kommt und Gaby Hauptmann eine allzu freizügige Szene auslässt ("Haben wir eigentlich Jugendliche hier, unter 18?") - sehr zum Gelächter des Publikums. Für den zweiten Teil ihres Vortrags tauscht Gaby Hauptmann den Sessel mit dem Stehpult und liest die Kurzgeschichte "Leidenschaft in Rot", deren Inhalt, so viel sei verraten, nicht nur witzig, sondern auch überraschend ist.

Nach gut eineinhalb Stunden, einigen Anekdoten ("Ich kann eigentlich über alle Bücher eine Geschichte erzählen."), zu denen auch Begegnungen mit dem Alt-Bundeskanzler Gerhard Schröder gehören und etwas Werbung für ihre Sendung "Talk am See" bekommt Gaby Hauptmann für ihre Lesung, während der sie ein paar Mikrofonaussetzer souverän meistert, langen Applaus von einem Publikum, das gerne von der Möglichkeit Gebrauch macht, sich Bücher signieren zu lassen.

Am Anfang hatte Gabriele Schrödel, Geschäftsführerin der "Bücherwelt", Autorin und Publikum begrüßt und darauf hingewiesen, dass das Bamberger Literaturfestival nur dank der zahlreichen Sponsoren möglich ist. Gaby Hauptmann sei einfach "ein Original, das die Halle rockt", eine Ankündigung, die sich zumindest an diesem Freitagabend erfüllt.

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