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Der Abbruch von Studentenwohnungen ohne Ersatz ärgert die Stadt Bamberg

Das Studentenwerk reißt 218 Studentenwohnungen ab. Die Stadt trifft dies hart, sagt der OB. Andere warnen vor einer Dramatisierung der Lage.
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Eines von drei Häusern des Pestalozzi-Studentenwohnheims wird  für einen Neubau abgebrochen. Was sind die Konsequenzen für den heiß gelaufenen Bamberger Wohnungsmarkt? Ronald Rinklef
Eines von drei Häusern des Pestalozzi-Studentenwohnheims wird für einen Neubau abgebrochen. Was sind die Konsequenzen für den heiß gelaufenen Bamberger Wohnungsmarkt? Ronald Rinklef

Es waren keine guten Nachrichten, die Bambergs Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) in die Sitzung des Bausenats mitbrachte. "Die Stadt trifft dies hart", beschrieb er die Folgen einer umstrittenen Abbruchmaßnahme.

Dabei ist es nicht der Umstand, dass in Zeiten von Wohnungsmangel und davon galoppierenden Immobilien-Preisen 218 Studentenwohnungen abgerissen werden, die das Stadtoberhaupt kritisch stimmte. Es ist die Tatsache, dass diese Maßnahme ergriffen wird, ohne für einen Ersatz während des Neubaus zu sorgen.

"Marodes 70er-Jahre-Haus"

Man muss wissen. Seit Jahren schmiedet das Studentenwerk Würzburg Pläne, das älteste von drei Häusern des Pestheim genannten Pestalozzi-Studentenwohnheims neu zu bauen. Das 1977 errichtete Haus sei marode, jedoch sei eine Sanierung annähernd so aufwändig wie ein Neubau. Nach Angaben von Frank Tegtmeier vom Studentenwerk Würzburg habe es deshalb keine Alternative zum Abbruch gegeben. Das Problem dabei sind weniger die Kosten von 24 Millionen Euro: Die Bewohner, die bereits vor Monaten gekündigt worden sind, haben keinen Ersatz. Sie belasten zusätzlich den ohnehin überhitzten Bamberger Wohnungsmarkt und verdrängen mindestens für die mehrjährige Bauzeit andere Mietsuchende. Nicht nur Studenten sind von dieser Entscheidung betroffen, gerade Familien konkurrieren bekanntlich um das knappe Gut bezahlbarer Wohnungen.

Genau darum handelte es sich bei den 218 Wohnungen in der Pestalozzistraße, die nun abgebrochen werden: Mit einer Warmmiete von 200 Euro fanden hier auch solche Bewohner eine Bleibe, die knapp kalkulieren mussten. Zum Vergleich: Eine Analyse von Immowelt vom Februar 2019 taxierte die durchschnittlichen Nettokaltmieten für Studenten in Bamberg bei 330 Euro.

Verhandlungen und runde Tische

Doch es ist nicht so, dass OB Starke nicht einiges unternommen hätte, um eine weitere Zuspitzung auf dem Wohnungsmarkt zu vermeiden. Wie das Stadtoberhaupt vor den Mitgliedern des Bausenats berichtete, versuchte er den Landkreis mit ins Boot zu holen; außerdem stellte er dem Freistaat die Nutzung einer Flüchtlingsimmobilie in der Ludwigstraße für 17 Wohnungen anheim. Und derzeit laufen noch Gespräche mit dem Studentenwerk über den Bau eines neuen Wohnheims. Doch die Stadt kann nur appellieren: "Insgesamt hoffe ich sehr, dass sich das Studentenwerk in Form von neuen Wohnheimplätzen in Bamberg stärker engagiert", lautet Starkes Fazit.

Die Bereitschaft des Freistaats, auf die besondere Situation in Bamberg einzugehen, war bisher nicht besonders ausgeprägt. Auch die Hoffnungen, zwei der Wohnblocks auf dem Gelände der Aufnahmeeinrichtung Oberfranken als Ersatz für die wegfallenden Wohnheimplätze anbieten zu können, erfüllten sich nicht. Das Innenministerium fühlt sich offenbar nicht an seine eigenen Versprechungen gebunden. Vor der Landtagswahl hatte Innenminister Joachim Herrmann (CSU) zugesagt, dass eine Umnutzung der Wohnblocks für städtische Zwecke möglich sei, sollte der Flüchtlingsstrom auf dem niedrigen Niveau bleiben.

Zu anspruchsvolle Studenten?

Das mangelnde Interesse des Freistaats, für kurzfristigen Wohnungsersatz zu sorgen, kam im Bausenat nicht gut an. "Das ist ein Skandal, eine Sauerei. Diejenigen, die eigentlich zuständige wären, das Studentenwerk, hält sich vornehm zurück. Das ist nicht nachvollziehbar", schimpfte SPD-Sprecher Heinz Kuntke. Auch Herbert Lauer (BA-Fraktion) machte seinem Unmut darüber Luft, dass Ersatzlösungen durch Container, wie sie etwa beim Bistumshaus derzeit zu besichtigen seien, einfach nicht in Betracht gezogen worden seien. Bamberg werde im Stich gelassen.

Freilich: Nicht alle Stadträte in Bamberg sehen die Wohnungssituation gleichermaßen problematisch. Er sei gegen eine Dramatisierung der Lage am Immobilienmarkt; es seien offensichtlich genug Wohnungen vorhanden, sagte etwa CSU-Sprecher Franz-Wilhelm Heller mit Blick auf Erfahrungen im Umkreis. So gibt es lauch Heller auch heute noch offene Angebote, die von Studenten nicht in Betracht gezogen würde, weil sie nicht den Anforderungen entsprächen. In die gleiche Richtung zielten Äußerungen von Herbert Lauer. Auch seine Erfahrungen als Vermieter von Wohnungen einer Kirchenstiftung zeigen: Selbst sehr günstige Wohnungen seien nicht gefragt, wenn sie nicht den gängigen Standards entsprächen.

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