Bamberg
Diözesanfrauenfest

Den Schatz Kunigunde poliert

Beim Kunigundentag am Samstag forderte Erzbischof Ludwig Schick mehr Gleichberechtigung von Frauen in Arbeitswelt und Kirche.
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Blick in den vollbesetzten Festsaal des Bistumshauses St. Otto. In der vorderen Reihe (v. l.) Erzbischof Ludwig Schick, Domkapitular Norbert Jung, Weihbischof Herwig Gössl und Georg Schütz vom Kaufunger Konvent.Marion Krüger-Hundrup
Blick in den vollbesetzten Festsaal des Bistumshauses St. Otto. In der vorderen Reihe (v. l.) Erzbischof Ludwig Schick, Domkapitular Norbert Jung, Weihbischof Herwig Gössl und Georg Schütz vom Kaufunger Konvent.Marion Krüger-Hundrup
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Martin Vogl fiel auf zwischen all den Frauen im vollbesetzten Festsaal des Bistumshauses St. Otto. Obwohl sich der 78-Jährige in die letzte Stuhlreihe verkrümelt hatte. Denn nur eine Handvoll Männer trauten sich zum Diözesanfrauenfest, dem Kunigundentag am Samstag, wenn man von den geweihten Häuptern der Bistumsleitung absieht. Für diese ist der Ehrentag der Bistumspatronin Kunigunde wohl eher ein Pflichttermin.


Kunigundenringe für die Schwiegermutter

Doch Martin Vogl, der in Schnaittach wohnt, kommt jedes Jahr zum Fest. "Meine 97-jährige Schwiegermutter will immer, dass ich ihr die Kunigundenringe mitbringe",erzählte er. Und ihm selbst würde dieses spezielle Gebäck auch bestens schmecken. Dieses gab es traditionell in der Agape nach dem Pontifikalamt im Dom, das Erzbischof Ludwig Schick zelebrierte.

Die Don-Bosco-Blaskapelle spielte fröhlich auf, während der Erzbischof die gewohnte Prozedur der Gratulation von "Kunigunden" vornahm: Gut gelaunt und mit einem freundlichen Spruch für jede, die diesen immer seltener werdenden Vornamen noch trägt. Gleichwohl hatte Schick in seiner Predigt gemahnt, dass die Verehrung der heiligen Kunigunde nicht abnehmen dürfe. Sie sei eine der "Ursprungs- und Vorbildgestalten der Humankultur", die einen großen Beitrag zur Zivilisation geleistet habe. Deswegen werde sie auch stets angerufen, wenn Katastrophen oder Krankheiten drohten, oder wenn es gelte, gegen Krieg und Rache Frieden und Barmherzigkeit zu verbreiten.


Trägerinnen der Humankultur

Der Erzbischof schlug den Bogen zu heutigen Frauen. Er rief dazu auf, den Frauen in Gesellschaft und Kirche mehr Wertschätzung und Anerkennung entgegenzubringen. "Frauen müssen mehr Gleichberechtigung in Familie und Arbeitswelt sowie bei Entscheidungen in Gesellschaft und Kirche erhalten",forderte Schick. Auch bei Anerkennung und Gehalt müsse Gleichberechtigung vorankommen. Frauen seien seit jeher und bis heute entscheidende Initiatorinnen, Moderatorinnen und Trägerinnen der Humankultur und einer menschenfreundlichen Zivilisation.

Hunderte Frauen hörten aufmerksam zu und trugen das Gehörte ins Bistumshaus St. Otto, wo erstmals ein "Frauenforum" auf sie wartete. Mehrere Trägerinnen von Frauenarbeit im Erzbistum Bamberg hatten einen "Markt der Möglichkeiten"mit Infoständen oder Workshops zu den unterschiedlichen Facetten der Persönlichkeit Kunigundes initiiert.


Kaum jüngere Frauen

"Unser neues Konzept ist aufgegangen", bilanzierte Claudia Dworazik, Diözesanvorsitzende des Frauenbundes (KDFB) ,das Interesse der Besucherinnen an den Angeboten. Diese sollten künftig noch weiter entwickelt werden, so Dworazik. Das Anliegen des veranstaltenden "Teams Kunigunde", auch jüngere Frauen für das Fest zu begeistern, schien allerdings mehr Wunsch als Realität zu sein. "Das ist nicht so unsere Altersgruppe", erkannten Katharina Hartmann (27)und Lisa Feuerpfeil (26) von der Diözesanleitung der Pfadfinderinnenschaft St. Georg, die sich an ihrem Informationsstand mehr am symbolischen Lagerfeuer wärmten denn an Gesprächen mit den wenigen Interessentinnen, die vorbeischauten. "Vielleicht nehmen die Großmütter für ihre Enkelinnen unsere Flyer mit", hofften die beiden jungen Frauen.


Selbstbewusst und klug

Die reiferen Damen hatten ihre Freude an dem Festvortrag "Kunigunde: Kaiserin zwischen historischer Rolle und Legende". Gisela Muschiol, Professorin für Mittlere und Neuere Kirchengeschichte an der Universität Bonn, gelang es nämlich, den historischen Schatz Kunigunde auf Hochglanz zu polieren. Muschiol schilderte die Kaiserin als selbstbewusste, machtvolle, fromme, kluge, umfassend gebildete Frau: "Die wichtigste Person in der Regierungszeit ihres Gemahls Heinrich II."


"Idealtypische Heilige"

Ihre Heiligsprechung im Jahr 1200 sei allerdings der "erfundenen Vita" geschuldet, die Bamberger Kleriker für eine "idealtypische Heilige jener Zeit" entworfen hätten: "Die historische und legendarische Kunigunde sind Konstrukte", erklärte Professorin Muschiol. Jede Zeit habe ein Bild von Kunigunde entworfen, wenn auch mit historischen Wurzeln. Die Überlieferung habe Geschichten und Legenden um Kunigunde erfunden. Doch die Heilige habe über die Bamberger Bistumsgrenzen hinweg Wirkmächtigkeit entwickelt: "Ihre Verehrung übertraf die des heiligen Heinrich."

Kunigunde hat gemeinsam mit ihrem Mann Heinrich das Bistum Bamberg im Jahr 1007 gegründet. Nach dem Tod des Kaisers 1024 zog sich seine Witwe in das von ihr gegründete Kloster Kaufungen bei Kassel zurück. Dort starb sie am 3.März 1033.
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