Bamberg
Talkrunde

Den Schatz Gärtnerstadt neu entdeckt

Im Gesprächskreis "lokal Lokal" ging es um das "Gärtnern in der Welterbestadt Bamberg". Vision: eine Bundesgemüseschau auf brach liegenden Anbauflächen.
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ie Gärtnerstadt ist Teil des Welterbes.  Foto: Zentrum Welterbe Bamberg/Jürgen Schraudner
ie Gärtnerstadt ist Teil des Welterbes. Foto: Zentrum Welterbe Bamberg/Jürgen Schraudner
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In der Schlussrunde wollten die Moderatoren Wolfgang Wurch, Hartmut Steil und Cornelia Morgenroth von den Diskutanten wissen, wie die Gärtnerstadt in 30 Jahren aussieht. Die Antworten waren knackig wie Bamberger Gemüse. Welterbemanagerin Patricia Alberth: "In 30 Jahren sind wir
sehr glücklich, die Gärtnerstadt zu haben!" Julia Henningsen vom Selbsterntegarten: "Wir haben Zugang zu allen Anbauflächen, und die Böden sind entsiegelt." Heike Kettner von der Solidarischen Landwirtschaft sieht, dass sich Bamberger dann "autark ernähren können". Matthias Schöring von der
Essbaren Stadt Bamberg erhofft sich "wachsendes Bewusstsein für Bio-Gemüse".

Und Hans-Jürgen Eichfelder vom Unteren Gärtnerverein prophezeit eine "aufstrebende Gärtnerstadt und den Gärtnerverein mit 500 Mitgliedern" sowie "Gärtner, die nur noch beraten, wenn so viele Leute Gärtnerarbeit machen wollen".

Zu diesen Visionen gehörte auch eine "Bundesgemüseschau" analog zur Landesgartenschau, die im Jahr 2012 nicht nur die heimische Bevölkerung begeisterte. Doch es waren überwiegend die realen Gegebenheiten in der Gärtnerstadt, die die Talkrunde "lokal Lokal" des Evangelischen Bildungswerks Bamberg und der Bewegung Transition Bamberg umtrieb. In der vollbesetzten Treffbar des E.T.A.-Hoffmann-Theaters sprießten förmlich Rettich, Wirsing und Co. - gut bewässert von fröhlichen Frühlingsliedern, die Kirchenmusikdirektorin Ingrid Kasper am Klavier anstimmte. Das Publikum
tirilierte eifrig mit und lauschte ansonsten aufmerksam den Ausführungen auf dem Podium.

Zwar gehören die Gärtnerflächen zum Welterbe Bamberg. Dieser Schatz müsse jedoch mehr wertgeschätzt und in Bamberger Köpfen verankert werden, lautete eine Forderung. Gemeinschaftlich müsse etwas getan werden, um brach liegendes Gärtnerland zu nutzen, eine andere. Synergieeffekte zwischen den Profi-Gärtnern und den Hobby-Gärtnern sollten besser ausgeschöpft werden.
Beispielsweise also Anbauflächen auf dem Privatgrund der Gärtner für Selbsternter zugänglich sein.

Gärtnermeister Hans-Jürgen Eichfelder reagierte auf ein solches Ansinnen skeptisch. Er könne sich nicht vorstellen, dass "ein Privatmann Flächen zur Verfügung stellt". Oder dass Gespräche über alternative Gartenformen mit Flächenbesitzern möglich seien. Patricia Alberth brach eine Lanze für die "weltweit einzigartige Gärtnerstadt", in der "Gemeinschaftsinteresse über dem Einzelinteresse" stehen müsse. Die Leiterin des Zentrums Welterbe Bamberg räumte ein, dass innerstädtische Flächen brach liegen, die nicht mit Häusern bebaut werden dürften. Eine Lösung für diese Brachflächen sei noch nicht gefunden. Erst nächstes Jahr würde sich der Arbeitskreis Urbaner
Gartenbau damit befassen können. Allerdings sehe sie angesichts der "vielen Initiativen Hoffnung, dass in der Zukunft freie Flächen bepflanzt werden können".

Regionale Vermarktung und regionales Einkaufen kamen zur Sprache, gesunde Ernährung mit Gemüse, der geplante Bahnausbau mit seinen Auswirkungen auf die Gärten in der Nordflur oder mögliche Fördertöpfe für gärtnerische Pilotprojekte wie etwa nachbarschaftlich entwickelte Hochbeete in der Stadt, von denen alle Bamberger naschen dürfen. Deutlich wurde durch die Vertreter der einzelnen Initiativen, dass schon jetzt viele Bamberger für das Pflanzen, Kümmern und Ernten zu gewinnen sind. Und es nur eine "logische Weiterentwicklung" wäre, dies Hand in Hand mit den alteingesessenen Gärtnerfamilien zu tun.
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